Wirtschaft

Selbstmord aus Angst vor dem Tod: Die D-Mark ist ein Albtraum

Ein Kommentar von Jan Gänger

Während die Eurozone versucht, ihren Zusammenbruch zu verhindern, wird in Deutschland der Mark hinterhergeweint. Das ist bizarr. Nicht nur, dass Deutschland der größte Profiteur des Euro ist. Ein Ende der Gemeinschaftswährung hätte auch katastrophale Folgen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Euro ist bei vielen Deutschen - vorsichtig ausgedrückt - nicht sonderlich beliebt. Er wird als Teuro geschmäht, obwohl die Inflation in Deutschland geringer ist als zu Zeiten der Mark. Er wird verachtet, obwohl er für die Exportnation Deutschland ein Segen ist. Er wird beschimpft, obwohl er den größten und reichsten Wirtschaftsraum der Erde geformt hat – mit einem Zentrum namens Bundesrepublik Deutschland.

Nun macht die Schuldenkrise der Eurozone den Euro noch unbeliebter als er ohnehin schon war. D-Mark-Nostalgiker blicken sehnsuchtsvoll nach vermeintlich besseren Zeiten zurück und wünschen sich, dass Deutschland endlich die Bremse zieht und sich vom Euro verabschiedet. Sie sollten besser nach vorne blicken. Denn sollte Deutschland absurderweise tatsächlich aus der Eurozone austreten und die Mark wieder einführen, wäre das kein Ende mit Schrecken, sondern ein Schrecken ohne Ende.

Angenommen, in Deutschland würde ernsthaft über einen Ausstieg debattiert. Schon dann – und spätestens, wenn die Einführung der Mark vorbereitet wird – werden die Finanzmärkte erschüttert. Der Untergang von Lehman Brothers wäre dagegen ein laues Lüftchen. In vielen Ländern der Eurozone sähen sich Banken dem denkbar größten Ansturm von Kunden auf ihre Spareinlagen ausgesetzt. Welcher Grieche, Italiener, Portugiese oder Spanier würde sein Geld nicht in Sicherheit bringen, wenn er fürchten müsste, dass sein Erspartes bald nichts mehr wert ist? Zumal er getrost davon ausgehen darf, statt einem schwächeren Euro bald noch weichere Drachmen oder Peseten oder Lira in den Händen zu halten.

Europa - ein Trümmerfeld

Die Folgen? Börsencrashs, Banken brechen zusammen, der Anleihenmarkt kollabiert, einige der größten Volkswirtschaften der Welt gehen pleite. Das bekämen nicht nur die betroffenen Länder zu spüren, sondern auch die Gläubiger, bei denen die deutschen Banken ganz vorne dabei sind. Deren Rettung wird nicht ganz billig.

Die Kernschmelze des internationalen Finanzsystems und ein noch nie dagewesener weltweiter Konjunktureinbruch wird auch Deutschland erschüttern, die Folgen bekommen wir alle zu spüren. Schwamm drüber, mag sich mancher Euro-Gegner denken. Jeder Sturm geht mal vorüber.

Aber wofür das alles? Dafür, dass Deutschlands Währung massiv aufwertet und eine Exportnation ohne jede Not einen unschätzbar wertvollen Exportvorteil aufgibt? Dass massiv Kapital nach Deutschland strömt, die Preise in die Höhe schießen und Spekulationsblasen entstehen, die irgendwann mit lautem Knall platzen? Dass Südeuropa von sozialen Unruhen erschüttert wird?

Die gegenwärtige Krise zeigt, dass das System der Gemeinschaftswährung so nicht funktioniert. Doch zum Ende des Euro gibt es eine Alternative: das System endlich zum Funktionieren zu bringen. Das kostet zwar viel Geld, Schweiß und Tränen. Es macht aber allemal zufriedener, als eine Mark in den Händen zu halten und auf rauchende Trümmer zu starren.

Quelle: n-tv.de