Wirtschaft
Bleibt konsequent: Claus Weselsky.
Bleibt konsequent: Claus Weselsky.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem Streik ist vor dem Streik: Es ist eine Zumutung

Ein Kommentar von Jan Gänger

Mit dem nächsten Bahnstreik schadet die GDL vor allem sich selbst. Auch den Unterstützern von Gewerkschaftschef Weselsky dürfte langsam das Verständnis für dessen Kurs ausgegangen sein.

Video

Eines muss man Claus Weselsky lassen: Er bleibt sich treu. Unbeirrt trotzt der GDL-Chef selbst dem heftigsten Shitstorm und führt die Lokführer in den nächsten Mammutstreik. Das nötigt Respekt ab – ändert aber nichts daran, dass der Streik völlig überzogen ist.

Wieder werden tagelang Pendler nur mühsam zur Arbeit kommen, dringend benötigte Güter nicht transportiert, Termine verschoben oder ganz abgesagt. Mit anderen Worten: Der Schaden für das ganze Land ist gewaltig. Und wofür? Damit die Gewerkschaft der Lokomotivführer mehr Macht bekommt.

Sie drückt das freilich anders aus: Die GDL will für alle bei ihr organisierten Mitglieder Tarifverträge aushandeln. Und das sind eben nicht nur Lokführer, sondern auch Bahn-Beschäftigte, für deren Berufsgruppen bislang die größere Konkurrenzgewerkschaft EVG verhandelt. Dieser Anspruch ist das gute Recht der GDL und ihres Vorsitzenden. Weselsky ist keinesfalls "bahnsinnig". Es geht ihm nicht ums Geld, es geht ihm ums Prinzip.

Aber nur weil etwas legitim ist, muss man es nicht unbedingt erzwingen – und dafür die halbe Republik lähmen. Das Streikrecht ist nicht nur ein unverzichtbares Gut, sondern auch eine sehr wirkungsvolle Waffe. Und genau deshalb sollte mit diesem Recht verantwortungsvoll und mit Augenmaß umgegangen werden.

Das tut die GDL leider nicht. "Wir sehen uns gezwungen, in die nächste Eskalationsstufe einzutreten", sagt Weselsky. Kompromissbereitschaft sieht anders aus. Bahnfahrer und Wirtschaft können nun noch schlechter planen als bei den bisherigen Arbeitsniederlegungen, weil die GDL nicht einmal das Ende des Streiks ankündigt. Damit macht sie sich keine Freunde.

Zudem mutet die Spartengewerkschaft ihren Mitgliedern ebenfalls eine Menge zu. Auch Lokführer lesen Nachrichten und haben ein soziales Umfeld – sie bekommen genau mit, wie unbeliebt sie sich mit dem Arbeitskampf machen. Und niemand möchte in der Haut der Bahn-Mitarbeiter stecken, die sich in den nächsten Tagen mit genervten Kunden auseinandersetzen müssen.

Mit dem übertriebenen Arbeitskampf schadet die GDL nicht nur der Bahn und Millionen Menschen, sondern auch sich selbst. Sie macht es einem außerordentlich schwer, gegen das Tarifeinheitsgesetz zu sein.

Quelle: n-tv.de