Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Unpraktisch und unnötig: Schafft das Bargeld ab!

Ein Kommentar von Jan Gänger

Zeit ist Geld. Und weil das so ist, sollten Münzen und Bargeld aus unserem Alltag verschwinden. Was für Otto-Normal-Verbraucher eine gute Nachricht wäre, wäre für die organisierte Kriminalität eine Hiobsbotschaft.

Der Charme des Geldes liegt bekanntlich in seiner Menge. Dabei ist es völlig egal, ob es sich auf dem Konto oder im Portemonnaie befindet. Und weil das so ist, sollten wir Münzen und Geldscheine ruhigen Gewissens abschaffen. Denn Bargeld ist fürchterlich unpraktisch. Das kann jeder bestätigen, der schon einmal an einer Supermarktkasse gewartet hat.

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Wer braucht schon Bargeld? Also außer der organisierten Kriminalität, die darauf angewiesen ist. Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit – alles gute Gründe, Bargeld abzuschaffen. Beim Drogendealer zahlt man ungern mit Karte.

Zugegeben: Bargeld ist ein stückweit "geprägte Freiheit", wie es der Wirtschaftsweise Lars Feld ausdrückte. Der Gedanke, dass es keine Münzen und Scheine mehr gibt, löst bei vielen Menschen sicherlich Unbehagen und Ängste vor Kontrolle aus. Doch wägt man die Vor- und Nachteile ab, spricht vieles dafür, das Bargeld schrittweise abzuschaffen.

Wenn der 500-Euro-Schein verschwindet, wäre schon viel gewonnen. Wann haben Sie zuletzt einen solchen Schein in der Hand gehabt? Das ist doch kein Geld fürs Portemonnaie, sondern für den schwarzen Lederkoffer. Ein Drittel des Wertes des gesamten Euro-Bargelds deckt der 500er ab. Davon kauft man bestimmt keine Brötchen.

Und was die Furcht vor noch mehr Kontrolle angeht: Der Vorschlag des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, das Bargeld abzuschaffen, stieß bei vielen n-tv.de-Lesern – vorsichtig ausgedrückt – auf wenig Gegenliebe. Sie ließen ihrem Unmut auch auf Facebook freien Lauf – und viele von ihnen benutzen dafür garantiert ihr Smartphone.

Was das heißt? Dass wir ständig Facebook oder Google oder Apple unsere Daten bereitwillig hinterherwerfen. Was bedeutet dagegen schon das Abschaffen von Münzen und Scheinen? Dem Staat ist doch völlig egal, wer was im Supermarkt einkauft. Da kann man gerne mit Karte zahlen.

"Nur Bares ist Wahres"? Vor allem ist das ein Anachronismus. Und ein fürchterlich unpraktischer dazu.

Quelle: n-tv.de