Wirtschaft
Drei Handelstage fester, kein schlechter Wochenschnitt. Dennoch: Am Ende bleibt am Freitag ein Minus.
Drei Handelstage fester, kein schlechter Wochenschnitt. Dennoch: Am Ende bleibt am Freitag ein Minus.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wall Street ohne klare Richtung: Anlegerangst zwingt Dax in die Knie

500 Punkte steigt der Dax von Montag bis Donnerstag. In der jüngsten Aufwärtsbewegung sind es sogar rund 700. Da kommen Gewinnmitnahmen nicht überraschend. Allerdings steht der Leitindex nun wieder am Scheideweg.

Am deutschen Aktienmarkt hat vor allem "die Angst der Anleger vor der eigenen Courage" den Handel zum Wochenende ausgebremst. Für n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf verwies zudem auf auf Gewinnmitnahmen, die Unsicherheiten geschuldet seien, wie es in der neuen Handelswoche weitergehe. Die Wall Street schloss uneinheitlich. Die Freitagsbewegungen könnten als eine Art "Pausenmodus für Aktien" gedeutet werden, bis mehr Klarheit über die Stabilisierung der Ölpreise, die kurzfristige Geldpolitik der Federal Reserve und den Gewinnausblick zum ersten Quartal herrsche, sagte Aktienchefstratege Terry Sandven von U.S. Bank Wealth Management.

Der Dax verabschiedete sich letztlich 0,8 Prozent schwächer mit 9388 Punkten ins Wochenende. Der MDax rutschte 0,6 Prozent ins Minus auf 19.009 Stellen. Der TecDax büßte 0,4 Prozent auf 1613 Zähler ein. "Alles in allem war es eine sehr gute Börsenwoche", sagte Marggraf.

"Auf einem steinigen Weg zurück nach oben hat der Dax die erste Etappe geschafft", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Mit mehr als 700 Zählern in einer Woche ist die Erholung kräftig ausgefallen, hat den Bullen neuen Rückenwind gegeben. Nun hängt es wesentlich davon ab, wie sich die Konjunkturdaten in den USA und China entwickeln und ob alte Sorgen um Ölpreis und Ölfirmen zurückkehren", erläuterte der Marktstratege. "Fassen Investoren verstärkt Vertrauen und kehrt der Glaube an die Notenbanken zurück, könnte der Dax sogar die 10.000 bald wieder ins Visier nehmen." Saurenz warnte aber auch: "Sollten die Probleme in China und den USA wieder in den Vordergrund drängen, wäre die Erholung nicht mehr als eine Bärenmarktrally und Anleger müssten sich auf einen zweiten Test des Levels unterhalb der 9000 einstellen."

Rohstoffe: US-Rohöllager brechend voll

Die Ölpreise gaben weiter nach und belasteten damit die Stimmung am Aktienmarkt spürbar. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 33,20 Dollar. Das waren mehr als 3 Prozent weniger als noch am Donnerstagabend, wo der Preis in der Spitze über der 35-Dollar-Marke gelegen hatte. Für ein Fass der US-Sorte WTI sank der Preis um 4,4 Prozent auf 29,41 Dollar.

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Bereits am Donnerstag waren die Ölpreise spürbar gesunken, nachdem das US-Energieministerium einen Anstieg der Ölreserven veröffentlicht hatte. In der größten Volkswirtschaft der Welt waren die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche um 2,1 Millionen Barrel gestiegen und hatten mit 504,1 Millionen Barrel ein Rekordhoch erreicht.

In den vergangenen Monaten hatte ein hohes Angebot auf dem Weltmarkt die Ölpreise immer wieder belastet und zu einer rasanten Talfahrt der Notierungen geführt. Erst die Aussicht auf eine Einigung der größten Förderländer auf ein Einfrieren der Fördermengen stabilisierte den Ölpreis jüngst etwas. Allerdings stehen Analysten der erzielten Vereinbarung skeptisch gegenüber.

Dax: Autowerte fahren abwärts

Bei den Einzelwerten lag ein Anlegerfokus auf der Berichtssaison: Nach den Zahlen zum vierten Quartal gaben Allianz etwa 1,5 Prozent nach. "Man ist bei Allianz gewöhnt, dass sie meist etwas besser als erwartet berichten - das ist diesmal nicht so", sagte ein Händler. Gerade nach den überraschend guten Zahlen der Munich Re habe sich der Markt auf positive Überraschungen positioniert. Daher lägen die nun veröffentlichten Daten einen Tick unter den hohen Erwartungen. Vor allem störe aber die leicht verfehlte Dividendenzahlung.

Daneben interessierten vor allem die Autowerte. Während bei VW sich die Lösung des Abgasskandals in den USA einem Magazinbericht weiter hinauszögert und damit auch teurer wird, belasteten Daimler Presseberichte über US-Klagen wegen angeblicher Abgasmanipulationen. "Es geht um die Klage einer einzelnen Person und das, was über die Details der Vorwürfe bekannt ist, sieht extrem zusammengeschustert aus", sagte ein Händler. Der Verdacht liege nahe, dass sich nur jemand im Fahrwasser des nach VW angekratzten Sentiments bereichern wolle. "Allerdings darf man das unkalkulierbare Prozessrisiko in den USA nie vernachlässigen, auch bei so etwas nicht", so ein weiterer Marktteilnehmer.

Analysten sahen das eher gelassen. Hierbei gehe es nicht um Betrug, sondern um unter bestimmten Spezialumständen erhöhte Abgaswerte, hieß es bei M.M.Warburg. Daimler verloren mehr als 2 Prozent. BMW ebenfalls. VW büßten rund 3,5 Prozent. Autozulieferer wurden ebenfalls belastet: Leoni sackten mehr als 6 Prozent ab, ElingKlinger mehr als 3 Prozent.

Amazon greift Post an

Deutsche Post verloren 2,2 Prozent. Händler verwiesen auf einen Pressebericht, demzufolge der Onlinehändler Amazon wie bereits in den USA und Großbritannien auch hierzulande eigene Packstationen installieren will. Das könnte die Post Umsatz kosten.

RWE verbilligten sich etwa 3 Prozent. Das Kursdesaster nach der Streichung der Dividende für die Stammaktie wirkte noch nach. Eine Heraufstufung durch die Citigroup verpuffte bei den Titeln wirkungslos. Auch Eon verloren: etwa 4 Prozent.

Fuchs Petrolub überraschten mit vorläufigen Zahlen für 2015. Diese trafen die Markterwartung, wie ein Händler sagte. Das Nettoergebnis liege aber knapp darunter. Die Titel schlossen nach einem deutlichen Plus aber nahezu unverändert. Sie gehörten damit aber zu den wenigen Werten ohne Minus im Nebenwerteindex.

Mit einem Aufschlag von fast 7 Prozent setzten sich Pfeiffer Vacuum an die Spitze der Gewinner im TecDax. Das Unternehmen war nach vorläufigen Zahlen im vergangenen Jahr wieder auf einen Wachstumskurs eingeschwenkt: Der Umsatz kletterte prozentual zweistellig.

USA: Anleger verlieren Kauflaune

Die US-Börsen schlosen ohne klare Richtung. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,1 Prozent auf 16.391 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 trat bei 1917 Punkten auf der Stelle. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte dagegen 0,4 Prozent auf 4504 Punkte vor. Sinkende Ölpreise trübten die Kauflaune. Vor allem Papiere von Firmen aus dem Energie-Sektor gaben nach und belasteten damit den Dow-Jones-Index. Ein überraschend starker Anstieg der US-Verbraucherpreise im Januar schürte hingegen die Erwartung, dass die US-Notenbank nun doch an ihrem geplanten Kurs schrittweiser Zinserhöhungen in diesem Jahr festhalten kann. Eine schwache Entwicklung der Wirtschaft hatte dies zuletzt fraglich erscheinen lassen.

Die US-Verbraucherpreise zogen im Januar um 1,4 Prozent und damit etwas stärker als erwartet an. Die US-Notenbank strebt eine Rate von zwei Prozent an. Die Fed-Chefin des Bezirks Cleveland, Loretta Mester, sagte, die Preisdaten bestärkten sie in der Ansicht, dass sich die Teuerung nach und nach auf den Zielwert der Notenbank bewege. Damit könne diese ihren Kurs der schrittweisen Straffung der Geldpolitik fortsetzen.

Zu den Gewinnern am Aktienmarkt gehörte Yahoo mit einem Aufschlag von 2,1 Prozent. Der kriselnde Internetpionier benannte ein Gremium mit unabhängigen Beratern, das strategische Alternativen prüfen und dem Unternehmen bei einer möglichen Zerschlagung unter die Arme greifen soll.

Die Aktien von Deere gaben dagegen 4,1 Prozent nach. Der Traktorbauer kürzte seine Jahresprognose.

Devisen: Euro um 1,11, Pfund im Blick

Am Devisenmarkt wurde der Euro mit 1,1130 Dollar im späten US-Geschäft etwas über dem Wechselkurs des Vorabends von rund 1,11 gehandelt. Die Einheitswährung war zeitweise etwas unter Druck geraten, nachdem die US-Verbraucherpreise höher als erwartet ausfallen waren. Doch die US-Zinsfantasien wurden im Verlauf wieder ausgepreist, nachdem EZB-Vizepräsident Vitor Constancio die Fundamentaldaten besser als von den Märkten angenommen interpretiert hatte. Die Aussagen wurden im Handel als weniger taubenhaft gewertet als die zuletzt aus EZB-Kreisen vernommenen. Zum Yen verbuchte der Greenback indes den höchsten Dreiwochenverlust seit Juni 2013.

Asien: Nikkei deutlich leichter

An den ostasiatischen Aktienmärkten fielen die Kurse zum Wochenausklang. Der Markt sprach von Gewinnmitnahmen. Auch der wieder fallende Ölpreis belastete. Überdies hatte die OECD als viele asiatische Börsen schon geschlossen waren, ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft deutlich gesenkt, ihre Vorhersage für China aber bestätigt. Der Shanghai Composite verabschiedete sich mit einem Abschlag von 0,1 Prozent und 2860 Zählern aus dem Handel.

Deutlich stärker gab der Leitindex in Tokio nach. Der Nikkei schloss 1,4 Prozent leichter bei 15.967 Punkten. Grund für die überdurchschnittlich hohen Verluste war die Aufwertung der japanischen Währung zum US-Dollar, die besonders Kurse exportabhängiger japanischer Unternehmen belastete. Für einen Dollar wurden noch rund 113 Yen gezahlt. Am Donnerstag waren es in der Spitze 114,42 Yen.

Quelle: n-tv.de

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