Wirtschaft
Iran will wieder am großen Ölrad mitdrehen.
Iran will wieder am großen Ölrad mitdrehen.(Foto: REUTERS)

Iran erteilt Ölförderern Abfuhr: Teheran glaubt nicht an Öl-Deckelung

Von Diana Dittmer

Wichtige Förderstaaten wollen die Ölmenge nicht ausweiten, vorausgesetzt Iran macht mit. Die Entschlossenheit des Rückkehrer an den Weltmarkt wird offenbar unterschätzt. Ob Absichtserklärungen für eine Ölpreiswende reichen?

Die Bedeutung Irans auf dem Ölmarkt nimmt sprunghaft zu. Das Timing des Comebacks des islamischen Staates ist für die anderen ölfördernden Staaten denkbar ungünstig. Ihre Förder-Hähne sind weit offen, die Preise aber auf einem Tiefstpunkt. Ändern sich die Rahmenbedingungen nicht, werden sie durch das zusätzliche Öl der Mullahs der Preis für das schwarze Gold weiter sinken.

Die Aussicht, dass noch mehr Öl auf den Markt gepumpt wird, hat vor allem die Opec die weitere Lage auf dem Rohstoffmarkt offenbar neu bewerten lassen. Bisher hatte das Ölkartell auf seine Autonomie beharrt, Fördermengen selbst zu bestimmen – auch gegen Proteste anderer Wettbewerber. Noch vor einem Monat bügelte der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Suhail Mohammed Al Mazroui, sogar die Idee eines möglichen Nottreffen der Opec-Ölförderer ab. Die entschiedene Rückkehr Irans an den Ölmarkt hat offenbar zumindest einen kleinen Gesinnungswandel herbeigeführt: Man hat sich an einen Tisch gesetzt.

Saudi-Arabien, das Sprachrohr der Opec, und Russland wollen den seit anderthalb Jahren sinkenden Ölpreis nun versuchen, durch Deckelung der Förderung zu bremsen. Die beiden Staaten sind die größten Ölmächte der Welt, sie stehen für etwa ein Fünftel der Gesamtförderung. Ihre Staatshaushalte hängen am Öl. Genauso wie die anderen Ölstaaten warten sie sehnlichst auf die Preiswende. Dafür sind sie bereit, zumindest die Menge des geförderten Öls auf dem Januar-Niveau einzufrieren. Allerdings mit einer Einschränkung: Sie machen diesen Schritt davon abhängig, dass sich andere große Förderländer - auch Iran - anschließen.

Abkommen von Doha

Während sich Venezuela, Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate bei einem Treffen in Doha bereit erklärten, dem Plan anzuschließen, hält sich Iran jedoch bislang alle Türen offen. Grundsätzlich begrüßte der Staat, für den erst vor zwei Monaten jahrelange Handelssanktionen endeten, die Initiative. Es sei ein Schritt in die richtige Richtung, dem weitere folgen müssten, sagte der iranische Ölminister Bijan Zanganeh der staatlichen Nachrichtenagentur Shana diplomatisch im Anschluss an ein Treffen mit seinen Amtskollegen.

Teheran unterstütze alle Bemühungen der Opec und Nicht-Opec-Staaten, die den Ölmarkt stabilisieren und zu einer Erholung des Preises beitragen würden. Gleichzeitig verkündete der zuständige Minister aber, die anderen Förderländer würden Irans besondere Lage jedoch verstehen. Was er damit sagen wollte, ließ sich nur vermuten.

Zumindest den Teilnehmern am Rohstoffmarkt reichte diese vage Aussage aber aus: Der Brent- und der WTI-Preis sind diese Woche jeweils um mehr als fünf Dollar gestiegen. Eine Preiswende, die aufhorchen lässt.

Dass sich Irans Opec-Gesandter Mehdi Asali inzwischen unmissverständlicher äußerte, hat der kleinen Erholung bislang keinen Abbruch getan. Der heimischen Tageszeitung "Shargh" sagte er: Iran wird sich an einem Einfrieren der Ölmenge nicht beteiligen. Stattdessen soll die iranische Ölförderung weiter gesteigert werden, bis das Produktionsniveau vor Einführung der Atomsanktionen wieder erreicht sei. "Vom Iran zu verlangen, seine Ölfördermenge einzufrieren, ist unlogisch", zitierte das Blatt Asali weiter. Die Länder, die ihre Produktion seit 2011 hochgefahren und damit die Öl-Preise in den Keller geschickt hätten, könnten nicht erwarten, dass der Iran dafür den Preis bezahle.

Iran ist zurückgekehrt

Teheran ist wieder ein wichtiger Player auf der großen Ölbühne, mit dem man auch auf Augenhöhe verhandeln will - und das, noch bevor der einst zweitgrößte Erdölproduzent überhaupt zu alter Stärke zurückgefunden hat. Der Ölminister Venezuelas und des Irak reisten noch am Mittwoch in die iranische Hauptstadt Teheran, um mit ihrem iranischen Kollegen über eine Förderbegrenzung zu diskutieren. Die Mission blieb aber offenbar erfolglos. Auch wenn es aus dem Umfeld der Opec hieß, dem Iran könnten bei den Gesprächen nicht weiter genannte, besondere Konditionen eingeräumt werden, hat Teheran nicht angebissen. Wie das Angebot aussah, blieb offen.

Insider berichteten zuletzt, Iran sei nicht davon überzeugt, dass eine Deckelung der Ölförderung ausreichen werde, um die Rohstoffpreise wieder in die Höhe zu treiben. Weltweit werde zu viel Öl produziert, weshalb ein Einfrieren der Menge nicht den gewünschten Effekt habe, sagten Insider aus der iranischen Ölbranche. Es müsse vielmehr etwas dafür getan werden, um die Produktion zu senken, sagte eine der Personen. "Ein Einfrieren für solche Länder, die am Limit produzieren, hilft dem Markt nicht." Genau dieses Argument haben die Opec-Staaten bis vor kurzem selbst ins Feld geführt.

Ob Teheran sich nun an dem Abkommen beteiligt oder nicht, ist damit weiter offen. Ein weiterer Insider sagte, die Idee einer weltweiten Vereinbarung sollte weiter verfolgt werden. Zunächst müssten Länder wie Saudi-Arabien ihre Produktion drosseln und der Iran wieder auf dem Niveau von vor den Atom-Sanktionen sein.

Eine internationale Vereinbarung zum Einfrieren der Ölproduktion war der erste Hoffnungsschimmer am Ölmarkt seit langem. Dass es zu einem solchen Abkommen ohne das Mitwirken des Iran kommt, scheint jedoch unwahrscheinlich. "Wenn der Iran letztendlich nicht Teil der Vereinbarung ist, dann ist sie nicht viel wert", sagt Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Tatsächlich verfolgt der Iran gegenwärtig andere Ziele.

Teheran hat eine Rechnung offen

Der Mullah-Staat will seine Ölförderung auf das Niveau vor den Sanktionen zurückbringen. Die über die Sanktionszeit verlorenen Marktanteile sollen zurückgewonnen und Konkurrenten wie Saudi-Arabien unterboten werden. Dafür soll die Produktion von derzeit etwa 2,7 Millionen Barrel pro Tag bis Jahresende um etwa eine Million steigen. Teheran hat sich sogar schon auf den Weg gemacht, sein vorrätiges Öl zu den Kunden zu bringen: Montag brach der erste Supertanker mit zwei Millionen Barrel Öl an Bord in Richtung Europa auf. Die Opec müsste dem neuen alten Player wohl sehr viel bieten, dass er nicht seine Ölressourcen anzapft, um wirtschaftlich zu gesunden.

So groß ist der Leidensdruck aber offenbar nicht: Saudi-Arabien bekräftigte, dass es trotz des niedrigen Ölpreises nicht zu einer Verringerung seiner Produktion bereit sei. Sein Land werde die Förderung nicht zurückfahren, um den Ölpreis zu stützen, sagte der saudiarabische Außenminister Adel al-Dschubeir. Der Ölpreis werde bestimmt "durch Angebot und Nachfrage und durch die Kräfte des Marktes".

Für Rohstoffanleger bleibt so nur der zweite kleine Lichtstreif am Horizont: Analysten begründen den leichten Anstieg der Ölpreise auch mit robusten Konjunkturdaten aus den USA, die auf eine stärkere Nachfrage hindeuten. Auch in Amerika gibt es dank der Fracking-Technologie ein zu hohes Angebot an Rohöl - die Ölreserven hatten zuletzt ein Rekordhoch über der Marke von 500 Millionen Barrel erreicht. Die Produktion in der US-Industrie ist aber zu Beginn des Jahres überraschend kräftig gestiegen. Deshalb spekuliert der Markt auch wieder auf eine stärkere Ölnachfrage in den USA.

Quelle: n-tv.de

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