Wirtschaft
"Die Ausblicke werden entscheidend sein": Beweglichkeit und Überblick können sich an der Börse schnell auszahlen.
"Die Ausblicke werden entscheidend sein": Beweglichkeit und Überblick können sich an der Börse schnell auszahlen.(Foto: REUTERS)

"Rückenwind droht abzunehmen": Dax-Anleger erwarten den Zahlenregen

Kommt die Hoffnung auf eine Frühjahrserholung am Aktienmarkt zu früh? Oder geht es doch weiter aufwärts? Experten blicken vorsichtig optimistisch in die neue Woche. Eine Welle an Unternehmenszahlen könnte einen neuerlichen Absturz verhindern.

Die anstehende Flut an Bilanzen wird die Anleger am deutschen Aktienmarkt in der neuen Woche auf Trab halten. Die Erwartungen sind hoch gesteckt: Gerade die deutschen exportorientierten Konzerne dürften dank eines schwächeren Euro glänzen.

"In den nächsten Tagen muss sich zeigen, ob die vielen Zahlen das Zeug dazu haben, den Dax von den Kursschwankungen in den USA und Asien loslösen zu können", sagt Andreas Lipkow, Marktstratege beim Berliner Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. In der zu Ende gehenden Woche hat der deutsche Leitindex knapp fünf Prozent zugelegt, seit Jahresbeginn steht aber immer noch ein sattes Minus von rund zwölf Prozent zu Buche.

Am letzten Handelstag vor dem Wochenende hatte der Dax 0,80 Prozent tiefer bei 9388,05 Punkten geschlossen. Der MDax der mittelgroßen Werte rutschte um 0,60 Prozent auf 19 009,38 Punkte ab. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,42 Prozent auf 1612,67 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx50 büßte 0,83 Prozent auf 2871,05 Punkte ein.

Rückenwind durch die Euro-Schwäche

In der kommenden Woche steht auf Unternehmensebene ein ganzer Schwung an frischen Zahlen an. Während die meisten US-Firmen ihre Bücher bereits geöffnet haben, nimmt die Bilanzsaison in Deutschland in den kommenden Tagen erst so richtig Fahrt auf.

"Die Ausblicke werden entscheidend sein - sollten die Konzerne wie kürzlich Siemens positiver in die Zukunft blicken, wäre das schon die halbe Miete", sagt Aktienmarkt-Experte Robert Halver von der Baader Bank. Andere Börsianer mahnen allerdings zur Vorsicht: "Der Rückenwind durch die Euro-Schwäche für die Unternehmensgewinne wird bereits im derzeitigen Quartal deutlich abnehmen", heißt es bei der Commerzbank. Schließlich sei in den ersten Wochen des Jahres der Euro-Dollar-Kurs nur leicht niedriger als im ersten Quartal 2015, im Vergleich zu vielen Schwellenländer-Währungen habe die Gemeinschaftswährung sogar deutlich aufgewertet.

US-Tochter könnte der Telekom helfen

Video

Die Telekom wird am Donnerstag ihr Zahlenwerk präsentieren. Dabei werden die Investoren vor allem das Amerika-Geschäft unter die Lupe nehmen. Die Gewinne der US-Tochter und der hohe Dollar-Wechselkurs dürften dafür sorgen, dass die Bonner ihre Prognose weit übertreffen.

Bei Vorlage der Bayer-Zahlen ebenfalls am Donnerstag werden die Investoren vor allem darauf achten, wie sich das Geschäft der Leverkusener nach der Abspaltung der Kunststofftochter Covestro entwickelt hat.

Am Freitag folgt BASF: Der Chemiekonzern hat mit dem schwachen Ölpreis zu kämpfen, daher sind die Aussichten für die Ludwigshafener eher trübe.

Zudem warten im Dax noch Henkel (Donnerstag), Fresenius und FMC (beide Mittwoch) mit Zahlen auf. Der Dax-Aufstiegskandidat Prosieben muss am Donnerstag zeigen, ob das TV-Werbegeschäft den Medienkonzern weiter antreibt und wie stark die Digitalsparte wächst.

Vorhang auf für den Ifo-Index

Bei den Konjunkturdaten aus Deutschland sticht am Dienstag der Ifo-Index für den Monat Februar hervor, der die Investitionslaune der Unternehmen widerspiegelt. Die jüngsten Börsenturbulenzen und Sorgen vor einer starken Konjunkturabkühlung in China drücken derzeit auf die Stimmung. Zudem geht in den deutschen Chefetagen auch die Angst vor einer Destabilisierung der vom Ölpreis-Verfall geschwächten Förderstaaten um. Im Januar hatte sich das Ifo-Geschäftsklima angesichts der vielen internationalen Krisenherde überraschend kräftig eingetrübt.

Auch in den USA stehen in der neuen Woche einige Konjunkturdaten auf der Agenda. Neben Daten zum privaten Einkommen und Konsum am Freitag dürfte etwa auch das Verbrauchervertrauen im Februar (Dienstag) von Anlegern und Händlern aufmerksam verfolgt werden.

Zudem sind Reden einiger Fed-Vertreter geplant - so äußern sich unter anderem Vize-Chef Stanley Fischer am Dienstag und der Präsident der Fed von Atlanta, Dennis Lockhart, am Donnerstag. Von ihren Worten erhoffen sich die Märkte Hinweise, ob die US-Notenbank an ihrem geplanten Kurs schrittweiser Zinserhöhungen in diesem Jahr festhält. Eine schwache Wirtschaft hatte dies zuletzt fraglich erscheinen lassen.

Die Vorgaben aus New York sehen vielversprechend aus: Im Wochenvergleich verbesserte sich der Dow-Jones-Index der Standardwerte um 2,6 Prozent, der S&P-500 um 2,8 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq um 3,8 Prozent.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen