Wirtschaft
"Die Investoren befinden sich in einer Warteschleife": Erst der "Job Report" könnte den Märkten eine neue Richtung geben.
"Die Investoren befinden sich in einer Warteschleife": Erst der "Job Report" könnte den Märkten eine neue Richtung geben.(Foto: dpa)

New York legt vorsichtig zu: Dax-Anleger gehen auf Nummer sicher

Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach: Mit diesem Motto bewegen sich derzeit viele Anleger durch den Aktienmarkt. Nach einem 280-Punkte-Plus binnen zwei Handelstagen fallen die Kurse im Dax - mit einigen deutlichen Ausnahmen.

Die 9800-Punkte-Latte hat für den Dax am Donnerstag zu hoch gelegen. Nur kurz konnte er die Marke knacken. Der Leitindex, der an den beiden Handelstagen zuvor insgesamt rund 280 Punkte zugelegt hat, markierte bei 9809 Stellen sein Tageshoch. Das Tagestief lag bei 9726. "Der Dax beißt sich an der 9800er Marke fest", sagte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. "Das Vertrauen der Anleger schwindet wieder. Sie halten sich zurück", kommentierte Meyers Kollegin Susanne Althoff.

Der Dax beendete den Handel mit einen Abschlag von 0,3 Prozent und 9752 Punkten. Während am Montag noch ein Minus am Handelsende stand, kletterte der Leitindex am Dienstag rund 220 Punkte. Zur Wochenmitte kamen dann etwa 60 Zähler dazu. Die Dynamik in der Aufwärtsbewegung ließ aber spürbar nach. Der MDax schloss 0,1 Prozent im Minus bei 19.642 Stellen. Der TecDax verlor ebenfalls 0,1 Prozent auf 1650 Stellen.

Für Verstimmung besorgte bereits im frühen Handel der Konjunkturbericht Beige Book der US-Notenbank Federal Reserve (Fed): Während sich die Lage am Arbeitsmarkt generell verbessere, stagniere zugleich die Industrie, hieß es darin. Auch aus China kamen eher ernüchternde Daten: Der Dienstleistungssektor verlangsamte im Februar sein Wachstum im Vergleich zum Vormonat.

Rohstoffe: Kein einheitliches Bild

Der Ölpreis präsentierte sich uneinheitlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 36,78 Dollar. Das waren rund 0,4 Prozent weniger als zur Wochenmitte. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) kletterte dagegen 0,2 Prozent auf 34,74 Dollar.

Das auffälligste Merkmal der Preisbewegungen in den vergangenen Tagen sei eine Beruhigung des Marktes, sagte Michael McCarthy, Experte beim Finanzdienstleister CMC Marktes. "Der Rückgang der Volatilität und der täglichen Schwankungsspanne legt nahe, dass wir uns in einem stabileren Umfeld befinden." Ein deutlicher Preisanstieg sei daher vorerst nicht zu erwarten.

Am Mittwoch hatte es zudem gegenläufige Signale aus den USA gegeben: Zwar erhöhten sich die Vorräte an Rohöl in der vergangenen Woche um mehr als zehn Millionen Fass auf einen neuen Rekordwert von 518 Millionen Barrel. Allerdings war der Zuwachs vor allem auf gestiegene Importe zurückzuführen. Zudem ging die Ölproduktion leicht zurück, was eine Folge zahlreicher Bohrlochschließungen sein dürfte. Das geht auf den Ölpreisverfall in den vergangenen Monaten zurück, der eine Förderung zunehmend unattraktiv gemacht hat.

Dax: VW-Aufwärtstrend hält

Die Zahlen von Vonovia seien "in line" ausgefallen, sagte ein Marktteilnehmer. Das gleiche gelte für den Ausblick. "Offensichtlich stellt sich der Markt darauf ein, dass die Preise und Renditen am Immobilienmarkt toppen", so der Händler weiter. Die Titel zogen etwa 1 Prozent an.

VW setzten ihren Aufwärtstrend fort, die Titel gewannen rund 1 Prozent. Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn hat eingeräumt, schon 2014 von den Abgas-Manipulationen gewusst zu haben. Dadurch könnte auf den Konzern eine Klagewelle von Aktionären zukommen, die Milliarden schwer sein könnte.

Conti als "Outperformer"?

Continental liebäugelt mit Übernahmen. Die Aktien kletterten etwa 4,5 Prozent. Grund für die Käufe seien nicht nur die guten Jahreszahlen 2015 und die im erwarteten Rahmen gesteigerte Dividende von 3,75 Euro. "Man merkt immer deutlicher, dass der Markt eine Bodenbildung der Auto-Branche spielt", sagte ein Händler. Die Conti-Aktien hätten ihren Doppelboden bei 175 Euro auf den Hochs des Jahres 2014 als Unterstützung gefunden. Das sei ein starkes Signal, dass dieser Preis als unterstes Level für Conti gesehen werde. "Die Aktie hat damit die Chance, für längere Zeit der Outperformer im Sektor zu werden."

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Adidas will die Dividende für 2015 auf 1,60 Euro je Aktie erhöhen von 1,50 im Jahr 2014. Analysten rechneten allerdings teilweise sogar mit einer höheren Dividende. Der Aktienkurs war am Vortag auf ein Rekordhoch gestiegen. Die Titel schlossen 1,8 Prozent tiefer. Gewinnmitnahmen, sagten Marktteilnehmer. Adidas hatten 2015 mehr als 50 Prozent zugelegt.

K+S droht nach siebenjähriger Zugehörigkeit zwar der Abstieg aus dem Dax. Dennoch legten die Titel weiter stramm zu. "Kurzfristig hat die Aktie einen Boden ausgebildet", sagte ein Marktteilnehmer. Im Kurs seien schon viele Risiken eingearbeitet, hieß es mit Blick auf den Sturz der vergangenen sieben Monate. Rund 3 Prozent ging es nach oben.

MDax: Evonik enttäuscht

Bei den Nebenwerten standen Evonik im Blick. "Die Zahlen passen zu den Prognosen des Chemieverbands VCI", sagte Heino Ruland vom Brokerhaus ICF zum Ausblick von Evonik. Während der Markt bei Evonik mit einem mehr oder weniger unveränderten EBITDA gerechnet hatte, erwartet Evonik einen deutlichen Rückgang auf 2 bis 2,2 Milliarden Euro von 2,465 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. "Das wird ein schwieriges Jahr in der Gewinnentwicklung bei den Zyklikern", sagte Ruland. Der Kurs sackte rund 12 Prozent ab.

Von einer leichten Dividendenenttäuschung sprachen Händler bei Axel Springer. Statt der erhofften 1,85 Euro schüttet der Medienkonzern wie im Vorjahr 1,80 Euro je Aktie aus. Die Zahlen und der Ausblick lägen im Rahmen der Erwartungen. Die Aktien schlossen nahezu unverändert.

Jungheinrich schaffte im vergangenen Jahr zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn. Unter dem Strich stand ein Nachsteuergewinn von 138 Millionen, ein Anstieg von 9,5 Prozent. Aufgrund der positiven Ergebnisentwicklung soll die Dividende für 2015 auf 1,13 Euro je Stammaktie nach zuvor 0,98 Euro angehoben werden. Die Titel gewannen 1,5 Prozent.

USA: Abwarten ist angesagt

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An den US-Börsen sind die Anleger am Donnerstag auf Nummer sichergegangen. Vor Veröffentlichung des wichtigen Arbeitsmarktberichts am Freitag herrschte Zurückhaltung. n-tv Börsenkorrespondent Jens Korte sprach von einem "vorsichtigen Abtasten".

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent höher bei 16.943 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,3 Prozent auf 1993 Zähler. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,1 Prozent auf 4707 Punkte vor.

"Die Investoren befinden sich in einer Warteschleife, bevor wir etwas Klarheit bekommen", sagte Marktökonom Peter Cardillo vom Finanzhaus First Standard Financial mit Blick auf den am Freitag anstehenden großen Arbeitsmarkt der US-Regierung die Mitte März angesetzte Sitzung der US-Notenbank.

Die Ölpreis- und die Börsenentwicklung seien nach wie vor stark aneinander gekoppelt, hieß es am Markt. Mit Blick auf die Konjunkturdaten dürfte es dagegen erst an diesem Freitag richtig spannend werden, denn dann wird der Arbeitsmarktbericht für Februar veröffentlicht. Er hat großen Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank (Fed), deren nächste Sitzung am 16. März ansteht.

Die Beschäftigungsstatistik dürfte weitere Hinweise auf den Zustand der weltgrößten Volkswirtschaft liefern und damit auf die künftige Geldpolitik der Federal Reserve (Fed). "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im März die Zinsen anhebt, ist sehr gering", sagte Jeff Powell, geschäftsführender Gesellschafter von Polaris Greystone Financial Group. Unterstützung erhielten die Börsen vor allem im späten Geschäft von Kursgewinnen bei den Banken- und Energiewerten.

Zu den Kursverlierern an der Wall Street zählten insbesondere Aktien aus der Gesundheitsbranche. Der Sektorindex büßte 0,4 Prozent ein. Herbalife brachen rund sieben Prozent ein. Das Unternehmen, das Nahrungsergänzungsmittel vertreibt, hat nach eigener Auskunft die Zahl der Mitglieder seines Handelsnetzes wegen eines Datenfehlers teilweise zu hoch eingeschätzt. Die Titel von Kroger rutschten um acht Prozent ab. Der US-Supermarktbetreiber verfehlte mit seinem Quartalsumsatz die Markterwartungen.

Devisen: Euro über 1,09

Der Euro erhielt spürbaren Rückenwind. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,0926 Dollar, nachdem sie am Morgen bis auf 1,0854 Dollar gefallen war. Der Aufschlag zur Wochenmitte betrug 0,5 Prozent. Die EZB setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,0901 Dollar fest nach  1,0856 Dollar am Mittwoch.

Ausschlaggebend für die Euro-Gewinne war zum einen die schlechtere Stimmung an den Börsen Europas und in den USA. Der Euro, der in letzter als sicherer Anlagehafen betrachtet wird, profitierte davon. Zum anderen gab der US-Dollar zu vielen Währungen nach. Hierzu trugen durchwachsene Wirtschaftsdaten bei. So hatte die amerikanische Industrie im Januar nicht so viele Aufträge wie erhofft erhalten, während die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt hinter den Erwartungen zurückblieben. Die Stimmung im großen Dienstleistungssektor hatte sich dagegen nur leicht eingetrübt. Die Konjunkturzahlen aus dem Euroraum waren unter dem Strich etwas besser ausgefallen als erwartet und unterstützen den Euro zusätzlich.

Asien: Was macht der Volkskongress?

An den ostasiatischen Aktienmärkten setzte sich die Rally fort. Allerdings mit deutlich verminderter Dynamik. Der Nikkei-Index beendete den Handel mit einem deutlichen Gewinn von 1,3 Prozent beim Stand von 16 960 Zählern. Der breiter gefasste Topix stieg 1,4 Prozent auf 1369 Punkte. In Australien kletterte der S&P/ASX-200 1,2 Prozent.

Der Shanghai-Composite legte 0,5 Prozent auf 2.865 Punkte zu. Anleger setzten in China auf die Verabschiedung ökonomischer Stimuli auf dem ab Samstag tagenden Volkskongress, der sich zu seiner jährlichen Versammlung zusammenfindet.

In Peking trifft sich derweil eine Expertenkommission, die der Politik beratend zur Seite steht. Die hat auch einiges zu tun, denn die Zunahme der Aktivität im chinesischen Dienstleistungssektor hat sich im Februar gemäß Caixin-Index verlangsamt. Der Index lag deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt. Damit verstärken sich die Signale für eine träge Wirtschaftsentwicklung auch außerhalb der Industrie trotz der Anschubbemühungen der Regierung.

Quelle: n-tv.de

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