Wirtschaft
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Nochmal unter 9000er Marke?: Ölpreis pusht weder Dax noch Dow Jones

Obwohl der Ölpreis steigt und der Euro zum Dollar nachgibt, klettern die Kurse am deutschen Aktienmarkt nicht auf breiter Front. Der Dax fällt im Tagestief bis auf 9332 Punkte. Auch die US-Börsen geben nach.

Am ersten Handelstag der Woche und am letzten des Monats sind die Kurse am deutschen Aktienmarkt gefallen. Zeitweise lag der Dax näher an der 9300er Marke als an 9400 Punkten. Als "charttechnisch angeschlagen" bezeichnete n-tv-Börsenexperte Frank Meyer den Leitindex. Im späten Handel erholte sich der Dax etwas: Er hing "am Tropf der Wall Street", so Meyer.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 0,2 Prozent und 9495 Punkten. Das Tagestief lag bei 9332 Stellen. Am Freitag war der Dax noch bei 9513 Zählern und einem Plus von knapp 180 Punkten oder 2,0 Prozent aus dem Handel gegangen. Der MDax legte dagegen 1,2 Prozent auf 19.422 Stellen zu. Der TecDax positionierte sich mit 1613 Punkten 0,6 Prozent im Plus.

Noch einmal unter die 9000?

Marktteilnehmer machten eine so genannte Bullenfalle bei Öl vom Freitag aus, "einem Tag mit zeitweiligen, starken Kursgewinnen, die bis zum Handelsschluss nicht verteidigt werden konnten", sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst von CMC Markets. Er verwies darauf, dass der Schlusskurs bei der US-Ölsorte WTI am Ende sogar unter den des Vortages gefallen sei.

Auch auf der Aktienseite sah es Händlern zufolge nicht viel besser aus. Viele US-Indizes, aber auch der Dax-Future, hatten am Freitag so genannte Shooting-Stars ausgebildet, denen häufig einige Tage mit Kursverlusten folgen. Als mögliches Ziel des aktuellen Rücksetzers machten Marktteilnehmer im Dax weiter das noch offene Gap aus, die Kurslücke zwischen 9079 und 8968 Punkten.

Börsianer sehen Draghi am Zug

Etwas stützend wiederum wirkten zwischenzeitlich die im Februar überraschend gefallenen Verbraucherpreise in der Eurozone. Sie sanken zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent. Ökonomen hatten mit stagnierenden Preisen gerechnet. Im Januar lag die Teuerung noch bei 0,3 Prozent. Insbesondere der Ölpreisverfall sorgte dafür, dass die Lebenshaltungskosten sinken: Energie verbilligte sich im Februar binnen Jahresfrist um 8,0 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht seit Monaten, die Inflation wieder in Richtung ihres Zielwertes von zwei Prozent zu bringen. Dazu hatte sie ein Programm zum Ankauf von Anleihen von monatlich rund 60 Milliarden Euro aufgelegt. EZB-Chef Mario Draghi hatte Mitte Februar gesagt, die Zentralbank werde nicht zögern, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, falls nötig. Die nächste Sitzung des EZB-Rates findet am 10. März statt.

Dax: Was macht die Autobranche?

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Bei den Einzelwerten im Dax standen nachrichtenseitig die Autowerte im Fokus: Bei VW gibt es im Abgasskandal einem Pressebericht zufolge Hinweise darauf, dass Ex-Konzernchef Martin Winterkorn bereits Anfang September über die Betrugsfälle Bescheid gewusst haben soll. Aber erst rund zwei Wochen später war der Konzern an die Öffentlichkeit getreten. Zudem droht eine weitere Sammelklage.

Daimler wiederum steht Ärger in den USA ins Haus. Dort will die Umweltbehörde Abgastests mit Modellen des Autobauers durchführen, nachdem es Klagen von Autofahrern bereits gibt. Gleichzeitig verzeichnete der Konzern aber einen Großauftrag über 1000 Actros-Lkw. Daimler drehten etwas mehr als 0,5 Prozent ins Plus. BMW schlossen etwa 1,6 Prozent fester. VW legten mehr als 3 Prozent zu - und waren größter Dax-Gewinner.

Deutlich unter Druck standen dagegen BASF mit einem Abschlag von rund 1,6 Prozent. Auch die Versorger zeigten Schwächen: RWE gaben 1,3 Prozent an, Eon büßten fast 2 Prozent ein.

Analysten machen Kurse

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Auch auf die Umstufungen der Analystenhäuser wurde geschaut. Die Analysten von Credit Suisse hatten das Kursziel von Salzgitter deutlich auf 17 von 22,50 Euro gesenkt und die Kollegen der Deutschen Bank das Kursziel für SGL auf 9 von 15 Euro. Salzgitter schlossen nach anfänglichen Verlusten rund 2,5 Prozent ins Plus, SGL büßten dagegen 0,3 Prozent ein. Berenberg empfahl die Aktien von Aurubis zum Kauf. Diese zogen daraufhin fast 3 Prozent an.

Manz im Höhenflug

Mit deutlichen Kursgewinnen warteten die Titel des Spezialmaschinenbauers Manz auf. Er bekommt einen neuen Großaktionär. Die Shanghai Electric Group will über eine Kapitalerhöhung durch Bareinlagen rund ein Drittel an dem Unternehmen erwerben. Die Anleger feierten: Das Kursplus betrug zeitweise mehr als 16 Prozent. Am blieb ein Aufschlag von mehr als 12 Prozent in den Kursbüchern.

USA: Ölpreis-Anstieg hilft nicht

Mit Abgaben haben die Aktienkurse an der Wall Street den Handel beendet. Schwache US-Konjunkturdaten, Enttäuschung über das G20-Teffen am Wochenende und anhaltende China-Sorgen belasteten das Sentiment. Dagegen blieb der kräftige Anstieg der Ölpreise, sonst ein Antriebsmotor für die Börsen, ohne Auswirkungen. Doch insgesamt schloss die Wall Street den Monat Februar mit einer leicht positiven Tendenz.

Der Dow-Jones-Index reduzierte sich zu Wochenbeginn um 0,7 Prozent auf 16.516 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 0,8 Prozent auf 1.932 Punkte. Der Nasdaq100 gab um 0,81 Prozent auf 4.201 Punkte nach.

An der Börse stand der Steuerstreit zwischen Intel und den US-Finanzbehörden im Blick der Investoren. Der Entscheid eines Berufungsgerichts könnte für viele Unternehmen der Technologiebranche von Bedeutung sein. Falls Intel sich durchsetzt, könnte allein die Google-Mutter Alphabet Steuervorteile von 3,5 Milliarden Dollar gewinnen. Die Summe ist höher als Googles Steueraufwendungen des Jahres 2015. Der Kurs von Intel reduzierte sich um 0,7 Prozent, Alphabet gaben um 1,1 Prozent nach.

IBM-Titel verloren 0,8 Prozent. Der Investor Warren Buffett hatte im Sender CNBC gesagt, ein Kauf weiterer Aktien des Konzerns "könnte ein Fehler sein". Trotz eines 2,6 Milliarden Dollar schweren Buchverlustes halte er aber an seiner Beteiligung fest.

Rohstoffe: US-Schwund gibt Öl-Preis Schub

Die Ölpreise legten kräftig zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 35,97 Dollar - ein Plus von 2,5 Prozent. Zur Begründung wurde auf die erneut gesunkene Zahl der US-Bohrfelder verwiesen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zog um 3,0 Prozent auf 33,75 Dollar an.

Zur Begründung wurde auf die erneut gesunkene Zahl der US-Bohrfelder verwiesen. Diese ist in der Vorwoche auf den niedrigsten Stand seit 2009 gerutscht. Aber auch die weiter bestehenden Hoffnungen, die Förderquote von Saudi-Arabien, Katar, Russland und Venezuela auf dem Januar-Niveau einzufrieren, stützte das Sentiment.

Der Goldpreis schloss einen starken Monat mit einem leichten Plus ab. Auslöser waren die schwachen US-Daten. Für die Feinunze ging es um 1,1 Prozent auf 1.234 Dollar nach oben. Mit einem Aufschlag von 10,6 Prozent war der Februar für Gold der erfolgreichste Monat seit vier Jahren. Seit Jahresbeginn ging es bereits um 16 Prozent nach oben. Händler berichteten zu Wochenbeginn vor allem von einer lebhaften Nachfrage aus China.

Devisen: Euro unter 1,09

Der Euro ist nach schwachen Preisdaten aus der Eurozone unter die Marke von 1,09 Dollar gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zum Schluss mit 1,0881 Dollar und damit nahe des Tagestiefs von 1,0862 Dollar gehandelt. Im frühen Handel war der Euro noch bis auf 1,0963 Dollar gestiegen. Die EZB setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0888 fest nach 1,1006 Dollar am Freitag.

Die in der Eurozone im Jahresvergleich gesunkenen Verbraucherpreise lasteten laut Händlern auf dem Eurokurs. "Der Rückgang der Inflationsrate ist vor allem den Energiepreisentwicklungen geschuldet", kommentiert Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Zudem sei aber auch die Kernrate (ohne Energie, Lebens- und Genussmittel) niedriger als erwartet ausgefallen. Die EZB dürfte sich daher in ihrem Vorhaben bestätigt sehen, weitere Lockerungsschritte vorzunehmen, so Umlauf.

Flucht in den Yen

Nach Wechselkursen um knapp 114 Yen für den Dollar am Freitagabend schloss der Dollar am Montagabend 112,69 Yen. Die Flucht in den Yen begründeten Devisenhändler auch mit der Enttäuschung über die mauen G20-Absprachen.   

Mit 6,5490 Yuan pro Dollar wurde die chinesische Binnenwährung so niedrig wie zuletzt am 5. Februar gefixt. Seit Mitte Februar hatte der Yuan damit rund 1 Prozent zum Dollar abgewertet. Der Referenzkurs wurde am Montag das fünfte Mal in Folge niedriger festgestellt - diesmal um 0,2 Prozent.

Asien: Rote Vorzeichen

Zwei Tage, nachdem sich die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt ausdrücklich gegen eine Manipulation der Wechselkurse zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ausgesprochen haben, hat die chinesische Zentralbank den Renminbi auf den niedrigsten Stand seit drei Wochen abgewertet. Händler in China sprachen zudem von Enttäuschung über die Unverbindlichkeit der G20-Verlautbarungen. Konkrete Schritte zur Belebung der insbesondere in China lahmenden Konjunktur seien ausgeblieben, hieß es.

Der Shanghai-Composite verlor vor allem im späten Geschäft deutlich, schloss mehr als 4 Prozent schwächer, aber über der 2600-Punkte-Marke. Seit seinen Junihochs ist der chinesische Leitindex um 48 Prozent eingebrochen. Auch der Hongkonger Hangseng gab ab.

In Japan stützten robuste Industriedaten nur bis zum späten Handel, dann gaben die Kurse deutlicher nach. Im Januar kletterte der industrielle Ausstoß stärker als erwartet und zugleich mit der höchsten Rate seit einem Jahr. Allerdings verhindert die Stärke des Yen einen nachhaltigen Anstieg japanischer Aktienkurse. Der Nikkei schloss 1 Prozent schwächer mit 16.027 Punkten.

Quelle: n-tv.de

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