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Neues Jahrestief gerissen: Dax erlebt schwarzen Freitag

Ein dramatischer Wochenschluss für den Dax: Anfangs noch stabil, stürzt der deutsche Leitindex später ins Bodenlose. Mehr als 200 Punkte geht es bergab. Die zahlreichen Hiobsbotschaften zur Weltkonjunktur verderben Anlegern die Kauflaune.

Die Börsengewinne eines ganzen Jahres sind futsch: Sorgen um die Konjunktur und die Sorge vor steigenden US-Zinsen haben den Dax am Freitag tief in negatives Terrain befördert. Zeitweise fiel der Leitindex deutlich unter die Marke von 8800 Punkten und markierte bei 8788 Zählern ein neues Jahrestief.

Am Ende schloss der Dax mit minus 2,4 Prozent bei 8789 Punkten. Der MDax verzeichnete ein Minus von 1,4 Prozent und fiel auf 14.989 Punkte - zuvor erreichte auch er ein neues Jahrestief bei 14.797 Zählern. Der TecDax verlor 2,3 Prozent und schloss bei 1157 Zählern.

Wegen der trüben Stimmung der Investoren profitierten die Börsen nicht einmal mehr von Notenbank-Signalen für eine weitere Lockerung der Geldpolitik, schrieb Aktienhändler Jonathan Sudaria vom Brokerhaus Capital Spreads in einem Kommentar. Sie würden stattdessen als Anzeichen für eine weitere Abschwächung der Konjunktur gewertet.

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Börsianer hatten für den Dax einen Test der 8900-Punkte-Marke erwartet. Ein nachhaltiges Unterschreiten würde nicht nur technisches Abwärtspotenzial bis 8000 Punkte eröffnen - mit einem Unterschreiten wäre auch der Topbildungsprozess im Dax abgeschlossen, hieß es. IG spricht denn auch von einem "kritischen Niveau". Ein Fall der Schlüsselmarke käme einem technischen Wendepunkt für den Markt gleich. Charttechniker sehen im Bereich bei 8400 bis 8500 Punkten eine erste Unterstützung.

Es sind vor allem Aktien aus dem zyklischen Sektor, von denen sich die Anleger als erstes in einer Abwärtsbewegung trennen. Ihr Geschäftsmodell leidet am stärksten, wenn das Wirtschaftswachstum schwächelt. Gut halten sich dagegen die Unternehmen aus dem defensiven Sektor. Dazu gehören unter anderem die Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. So liegt die Aktie von Merck seit Jahresbeginn 8 Prozent im Plus, die Aktie von Fresenius Medical Care (FMC) immerhin noch 6 Prozent im grünen Bereich. Insgesamt notieren seit Jahresbeginn die Aktien von 23 Dax-Unternehmen im Minus, sieben noch im Plus.

Warnungen, Warnungen, Warnungen

Es ist die Sorge um die globale Wirtschaft, die die Investoren vorsichtiger werden läßt. Diese ist auch im Öl-Preis abzulesen: Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent ist am Terminmarkt auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen. Mit einem schwächeren globalen Wirtschaftswachstum sinkt die Nachfrage nach dem Energieträger. Auf der anderen Seite ist der Versorgungslage gut.

Das Mantra, die Notenbanken werden alles richten und die Wirtschaft in Schwung bringen, greift momentan nicht mehr an den Börsen. Vielmehr schauen die Investoren auf die Fakten. Und diese Belegen, dass vor allem in Europa und hier besonders in Deutschland die jüngsten Wachstumsraten enttäuschten. Am Rande der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank warnte IWF-Chefin Christine Lagarde vor einem Rückfall der Eurozone in die Rezession und forderte mehr staatliche Investitionen.

Spannend wird nun, ob diese Gruppe von Marktteilnehmer in einem großen Umfang ihre Positionen anpassen muss. Dies würde bedeuten, dass vom Terminmarkt Verkäufe in Aktien an die Börsen kommen. Dies würde zum Wochenschluss zu einem deutlichen Angebotsüberhang am Aktienmarkt führen, und die Kurse zusätzlich belasten.

Industriedaten aus der Eurozone

Auf der Agenda stehen neben den Produktionszahlen der Industrie in Frankreich und Italien auch die Importpreise, die in den USA veröffentlicht werden. Wie erwartet zeigte sich bei Letzteren für September der dritten Rückgang in Folge.

Bei den Einzelaktien standen Infineon im Fokus: Kräftig nach unten ging es für die Aktie, sie verlor 6,8 Prozent und markiert zwischenzeitlich ein neues Jahrestief bei 7,14 Euro. An der Börse wurde auf die Umsatzwarnung von Microchip Technology nach Handelsschluss in den USA verwiesen. Ein anderer Marktteilnehmer nannte die teure Infineon-Übernahme von International Rectifier in den USA als möglichen Grund.

Gewinner gab es keine: SAP liegen mit einem Minus von 0,2 Prozent an der Spitze des Dax. FMC verzeichnen zunächst noch leichte Gewinne - am Mittag gesellte sich jedoch auch dieser Titel zu den anderen in der Verlustzone und schloss mit 1,3 Prozent im Minus.

Die Papiere des Sportartikelherstellers Adidas gaben weiter nach, nachdem sie bereits am Vortag kräftig eingebüßt hatten. Adidas haben im vergangenen halben Jahr mehr als ein Viertel an Wert verloren. Dennoch hält eine Mehrzahl der Analysten die Aktie noch auf "Kaufen". Die Aktie schloss mit einem Minus von 3,3 Prozent.

Südzucker standen weiterhin unter Druck, nachdem Berenberg das Kursziel auf 8,80 Euro gesenkt hat. Die Aktie schloss mit X,X Prozent im Minus. Weit hinten im MDax landeten die Aktien des Stahl- und Metallhändlers Klöckner & Co - sie büßten etwa 3,6 Prozent ein. Ein weiteres Unternehmen aus der Stahlbranche - die als frühzyklisch gilt - verlor ebengfalls kräftig: Salzgitter AG ließen um 4,1 Prozent nach. Schlusslicht im MDax waren Osram-Titel mit einem Minus von 6,8 Prozent.

LEG Immobilien haben eine Kapitalerhöhung abgewickelt - 4,1 Millionen Aktien wurden zu einem Preis von 50 Euro je Aktie bei institutionellen Investoren platziert. Die Aktie gewann am Ende 7,9 Prozent hinzu.

Quelle: n-tv.de

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