Wirtschaft
Der Dax gibt ab.
Der Dax gibt ab.(Foto: picture alliance / dpa)

Krim-Krise belastet: Dax fällt auf Jahrestief

Die Anleger am Frankfurter Aktienmarkt bleiben vorsichtig. Die Unsicherheit bleibe hoch, warnen Börsianer. Der Leitindex verliert kräftig an Höhe.

Der deutsche Aktienmarkt hat einen neuen Erholungsversuch abgebrochen. Nach festerem Verlauf fiel der Dax am Nachmittag zurück und schloss mit kräftigen Verlusten. Er ging mit einem Minus von 1,8 Prozent auf 9017 Punkten aus dem Handel und damit auf dem tiefsten Stand des Jahres. "Vor der Krim-Abstimmung bauen die Anleger Risiken ab", sagte ein Marktteilnehmer. "Der Markt hat einfach zu viele offene Flanken, und Anleger wollen vor dem Wochenende eher Short-Postitionen aufbauen", ergänzte er.

Der MDax verlor 1,1 Prozent auf 16.066 Punkte, während der TecDax 2 Prozent auf 1222 Punkte angab.

Zwar hob eine überraschend kräftige Dividendenanhebung bei der Lufthansa zunächst die Stimmung, und auch Volkswagen und BMW konnten mit ihren Bilanzen punkten. Doch sorgten der Konflikt um die Krim und die Zweifel an den Wachstumsaussichten Chinas wie schon in den letzten Tagen für Zurückhaltung. "Die Anleger sorgen sich, dass weitere Sanktionen gegen Russland zum Bumerang werden könnten", sagte ein Händler. Zudem werden die Kurse nicht mehr von den US-Vorlagen gestützt, nachdem der Markt dort leicht ins Minus gedreht hat

Starker Euro belastet

Möglicherweise dämpfte auch der Anstieg des Euro auf 1,3967 Dollar - das war der höchste Kurs seit Oktober 2011 - die Kaufneigung, erklärte ein Händler. Denn mit dem starken Euro verschlechtern sich die Wettbewerbschancen für die Unternehmen der Eurozone auf dem Weltmarkt. Als Grund für die Euro-Stärke gelten nachlassende Spekulationen auf eine Zinssenkung durch die EZB. Die Analysten der Metzler Bank halten das Erreichen der Marke von 1,40 Dollar nur für eine Frage der Zeit. Etwas besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten - der Einzelhandel in den USA setzte im Februar etwas mehr als erwartet um - stütze den Dollar am Nachmittag etwas, so dass der Euro am Nachmittag um 1,3940 Dollar pendelte.

"Man könnte argumentieren, dass die EZB bei einem Euro über 1,40 Dollar und weiteren Kursgewinnen in Richtung 1,45 Dollar einen erheblich vorsichtigeren Ton anschlagen dürfte", sagte Chris Weston vom australischen Borker IG. Dies umso mehr, als große EU-Staaten wie Italien und Frankreich einen Euro benötigten, der eher bei 1,25 Dollar liegt. Die aktuelle Stärke des Euro wertet Weston gleichwohl als Indiz für starke Zuflüsse in europäische Aktien und Bonds.

Wie die Commerzbank anmerkt, ist es der EZB mit ihren vorsichtigen verbalen Interventionen bisher nicht gelungen, die Stärke des Euro zu beseitigen. "Sollte der Markt die 1,40 nun testen, dürfte von EZB-Seite sicherlich mehr zu hören sein."

China startet mau ins Jahr

Keine neue Belastung für den Markt sehen Händler in den unter Erwartung liegenden Daten zur chinesischen Industrieproduktion. "Das umfasst denselben Zeitraum wie die schlechten Exportdaten, die den Markt so nach unten gebracht hatten", meinte ein Händler: "Darin steckt nichts Neues". In den ersten beiden Monaten wuchs die Herstellung so langsam wie seit fünf Jahren nicht.

Gleichzeitig könne auch hier der gleiche Fehler zugrunde liegen wie bei den Exporten: "Einige Analysten hatten den Sondereffekt durch die zweiwöchige Pause wegen des chinesischen Neujahrs ignoriert und alte Wachstumsdaten extrapoliert". Daher sei es zu unrealistischen Prognosen gekommen. Dieses Problem dürfte ebenso auf die Erwartungen an die Industrieproduktion zutreffen. Wichtiger seien dagegen die zuversichtlichen Äußerungen von Chinas Premier, man habe die Probleme am Kreditmarkt im Blick.

Lufthansa zahlt wieder Dividende

Lufthansa-Papiere bekamen aufgrund der vorgelegten Jahreszahlen Auftrieb und legten 3,8 Prozent zu. Europas größte Fluggesellschaft konnte mit dem Überschuss für das vergangene Jahr die Markterwartungen deutlich übertreffen, obwohl der Gewinn infolge von Sparmaßnahmen gesunken war. Ohne Sondereffekte war das operative Ergebnis aber deutlich geklettert.

Doch vor allem der Dividendensprung sorgte für Käufe. Nach der Nullrunde vor einem Jahr sollen die Aktionäre nun auch wieder eine Dividende von 45 Cent pro Anteil erhalten. "Damit liegt die Dividende um 50 Prozent über der Konsensschätzung. Etliche Marktakteure hatten auch für 2013 nicht mit einer Ausschüttung gerechnet, sagt ein Händler. Dazu zählten mit Morgan Stanley und der Citigroup "Schwergewichte", die nun entsprechend positiv auf die Dividende reagieren dürften.

Volkswagen verloren mit 0,3 Prozent nur unterdurchschnittlich. Der Automobilkonzern will sein eigentlich für 2018 angepeiltes Absatzziel von zehn Millionen Fahrzeugen bereits dieses Jahr erreichen. BMW gaben nach der Vorlage eines gesteigerten Jahresgewinns und der Ankündigung einer Rekorddividende lediglich 0,1 Prozent ab.

Enttäuscht zeigten sich die Anleger von der Unternehmensprognose von K+S. Die Aktien des Dünger- und Salzproduzenten verloren am Dax-Ende fast 10 Prozent. Die Kasseler blieben nach einem Gewinneinbruch 2013 zurückhaltend für das laufende Jahr. Aufgrund der spürbar niedrigeren Durchschnittspreise bei Kali- und Magnesium dürfte das Umfeld weiter schwierig bleiben, hieß es. Bereits am Vortag hatte das Unternehmen Eckdaten vorgelegt - negative Kommentare von Analysten sorgen nun für zusätzlichen Druck auf die Aktie.

Im MDax fielen die Aktien von Hugo Boss um 3,9 Prozent. Anlegern missfallen der vorsichtige Ausblick und der Dividendenvorschlag. Unter den Gewinnern standen Rhön Klinikum mit einem Plus von 2,1 Prozent ganz oben. Nach dem Verkauf von zwei Dritteln seines Geschäfts an den Gesundheitskonzern Fresenius steht der Klinikbetreiber zwar vor einem Neuanfang. Doch will er zunächst die Aktionäre möglicherweise über einen Aktienrückkauf an den Einnahmen aus dem Verkauf seiner Kliniken beteiligen.

Quelle: n-tv.de

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