Wirtschaft
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Minus an der Wall Street : Dax klopft bei 11.000 an - und versagt

Langeweile sieht anders aus: Bis zum Nachmittag kennt der Dax nur eine Richtung, legt zeitweise mehr als 2 Prozent und 220 Punkte zu. Am Ende fällt das Plus deutlich geringer aus. Die US-Börsen leiden unter dem Rückgang des Ölpreises.

Vom "Draghi-Schock" hat zum Start in die neue Handelswoche seinen Schrecken endgültig verloren. "Der Dax trumpft stark auf", sagte stattdessen n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Ihre Kollegin Corinna Wohlfeil verwies auf den "Nachholbedarf" des deutschen Leitindex und die "robusten US-Arbeitsmarktdaten" vom Freitag. Diese "guten US-Vorgaben" stützten hierzulande die Kurse. Händler sprachen von einem marktbreiten Erholungsschub.

Der Dax ging mit einem Plus von 1,3 Prozent bei 10.886 Punkten aus dem Handel. Das Tageshoch hatte er bei  10.993 nur unweit der 11.000er Marke markiert - am Nachmittag war dem Dax etwas der Schwung vom Vormittag abhanden gekommen, auch weil die Kurse an der Wall Street zunächst nachgaben. Der MDax schloss 1,7 Prozent fester bei 21.261 Zählern. Der TecDax gewann 1,9 Prozent auf 1869 Stellen. Zeitweise lag der Index im Bereich eines 14-Jahreshochs (Tageshoch: 1889 Punkte).

Erst Draghi, nun Fed

In der vergangenen Woche war der deutsche Leitindex um knapp fünf Prozent eingebrochen. Vor allem die Enttäuschung über eine ausgebliebene Aufstockung der monatlichen Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Dax zuletzt abrutschen lassen. EZB-Präsident Mario Draghi betonte jedoch am Freitag umgehend, die Zentralbank werde, "falls nötig", weiter handeln. "Draghi hat keine Zeit vergeudet und am Freitag die Verhältnisse wieder schlecht geredet", kommentierte Erik Nielsen von Unicredit. "Davon bekommen wir noch mehr - und auch von geldpolitischen Lockerungen", fügte der Chefvolkswirt hinzu.

"Wir schauen nun auf die Amerikaner", prophezeite n-tv-Börsenexpertin Wohlfeil. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) entscheidet in der nächsten Woche über ihre Zinspolitik. Nach den jüngsten Arbeitsmarktdaten verdichten sich die Hinweise auf eine erste Zinserhöhung seit mehreren Jahren. Den Aktienmarkt schockt das nicht mehr, weil sich die konjunkturelle Lage deutlich gebessert hat. Bis zur 11.000er Marke gebe es im Dax keine nennenswerten Widerstände, sagte ein Marktteilnehmer.

Dax: Autowerte stark, Vonovia auch

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Im Dax gehörten die Autowerte zu den größten Gewinnern. Daimler legten rund 1 Prozent zu, BMW 1,8 Prozent. Vor allem auf VW lag aber das Augenmerk der Anleger, denn Konzernchef Müller hat versucht, beim Großaktionär Katar die Wogen des Abgasskandals zu glätten. Gleichzeitig hängt die Tochter Seat in den Seilen. Die VW-Titel schlossen 0,2 Prozent fester.

Linde zogen nur leicht an. "Die Aktie bleibt nach der Gewinnwarnung ein Underperformer, das ist auch heute wieder zu sehen", sagte ein Händler. Die Übernahme von American HomePatient sei "zu klein", um den Aktienkurs stärker zu bewegen. Denn mit einem Umsatz von American HomePatient von 260 Millionen Euro kaufe sich Linde einen zusätzlichen Umsatz von rund 1,5 Prozent hinzu.

Vonovia verteuerten sich um mehr als 3  Prozent. Hier dürfte eine wesentliche Rolle gespielt haben, dass der Immobilienkonzern bei seiner geplanten 14-Milliarden-Euro-Übernahme von Deutsche Wohnen vorankommt. Das Bundeskartellamt hatte grünes Licht signalisiert.

Merck verloren dagegen etwas mehr als 0,5  Prozent. Die Titel führten damit die kurze Verliererliste an. "Das sollte es aber auch nach unten gewesen sein", sagte ein Händler. Zwar sei es negativ, dass Merck den Einsatz von Evofosfamiden bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsen- und Weichteilkrebs nicht weiterverfolge. "Eine Blockbuster-Erwartung für den Einsatz hat es nicht gegeben", so der Händler. Zudem wolle Merck die frei werdenden Mittel nun für andere Indikationen verwenden.

… und andere Deals

Hapag-Lloyd stiegen um rund 7,5 Prozent. Ein Händler führte den Kursanstieg auf den Übernahmepreis von 2,4 Milliarden Dollar plus 3 Milliarden Dollar Schulden von Neptune Orient Lines durch die französische Reederei CMA CGM zurück. "Die Übernahme selbst war am Markt ein offenes Geheimnis, aber der Kaufpreis erscheint uns attraktiv", sagte er. Die Konsolidierung in der stark fragmentierten Container-Schifffahrt nehme zusehends Fahrt auf und sorge für höhere Bewertungen an den Märkten, so der Händler weiter

Morphosys kletterten mehr als 6 Prozent. Ein Marktteilneher verwies auf die guten vorläufigen Studienergebnisse des humanen Antikörpers MOR202 zurück. "Der Antikörper befindet sich zwar noch in einer eher frühen Entwicklungsphase, gilt aber am Aktienmarkt als Hoffnungsträger", sagte der Händler. So habe beispielsweise die Deutsche Bank Anfang November in einer Analyse zu Morphosys auf mögliche positive Nachrichten von der ASH-Jahrestagung zu MOR202 aufmerksam gemacht. "Die sind nun gekommen", so der Händler.

Rohstoffe: Preisrutsch beim Öl

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Die Aussicht auf eine anhaltende Rohölschwemme setzte dem Ölpreis erneut kräftig zu. Brent verbilligte sich um 3 Prozent auf 41,97 Dollar je Barrel, WTI kostete mit 38,19 Dollar je Fass sogar rund 5 Prozent weniger. "Nun droht ein nachhaltiger Fall unter 40 Dollar", kommentierte ein Händler. Die Marke gilt als "Schlüssel-Unterstützung": einstmals der Deckel für den Preis, war sie in den vergangenen Jahren immer wieder Untergrenze. Sollte sie nachhaltig brechen, dürfte das weiteres deutliches Abwärtspotenzial auslösen, "für den Ölpreis und die Ölaktien", so ein weiterer Marktteilnehmer.

Schon am Freitag war es für die Ölpreise ordentlich bergab gegangen. Die Opec hatte zum Wochenschluss in Wien entschieden, an ihrer bisherigen Förderpolitik festzuhalten. In der Abschlusserklärung wurde keine Zahl für die Obergrenze genannt, die bislang bei 30 Millionen Barrel (Fass zu je 159 Liter) pro Tag liegt.

Die Preise für Öl haben sich seit Juni 2014 mehr als halbiert. Hintergrund ist ein Überangebot im Zuge des Schiefergas-Booms in den USA durch die umstrittene Fracking-Technik. Zudem schwächelt die Nachfrage infolge der mauen Weltkonjunktur.

USA: Ölpreis bremst Wall Street aus

Auf die US-Börsen lastete der Rückgang des Ölpreises. Besonders die Aktien großer Energie-Konzerne litten. Der Dow-Jones-Index sackte um 0,7 Prozent ab und schloss bei 17.731 Punkten. Auch die anderen wichtigen Indizes gaben nach: Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,7 Prozent auf 2077 Zähler, der Nasdaq Composite ging um 0,8 Prozent auf 5102 Punkte runter.

In den vergangenen Wochen stand am Markt immer wieder die Frage im Raum, ob die US-Notenbank in der kommenden Woche die Zinswende einleiten wird. Einer Studie von GME Group zufolge gehen inzwischen 79 Prozent der Händler davon aus, dass die Fed bei ihrem Treffen am 15. und 16. Dezember die Erhöhung tatsächlich durchziehen wird. Der Markt berücksichtige den Schritt bereits, sagte auch Art Hogan von Wunderlich Securities. Ein Rückgang der Rohstoffpreise wie am Montag werde als "vorübergehender Faktor" gesehen werden.

Den Energiekonzernen bockte der Preisverfall herbe Verluste ein. Titel von Exxon und Chevron verloren je 2,2 Prozent. Nach der Übernahme von Keurig Green Mountain durch die deutsche Milliardärs-Familie Reimann stiegen die Aktien des US-Kaffeekapsel-Produzenten um 72,7 Prozent.

In einer ähnlichen Größenordnung - 82,3 Prozent - ging es runter für Threshold Pharmaceuticals, ein Partner des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck. Ein gemeinsames Krebsmedikament wirkt nicht wie erhofft.

Devisen: Euro fällt wieder

Der Euro stand zu Wochenbeginn unter Druck und gab einen Teil der starken Gewinne aus der Vorwoche wieder ab. Der Kurs der Gemeinschaftswährung fiel zeitweise knapp unter 1,08 Dollar und stand am Abend bei 1,0840 Dollar. Am vergangenen Donnerstag hatte der Euro einen Kurssprung von vier Cent hingelegt und war bis knapp unter 1,10 Dollar gestiegen, nachdem die EZB ihre Geldpolitik nur moderat gelockert hatte. Den Referenzkurs hatte die EZB am Mittag auf 1,0809 Dollar festgesetzt nach noch 1,0902 Dollar am Freitag. Der Dollar kostete damit 0,9252  Euro.

Nach Einschätzung des Experten Eugen Keller von der Privatbank Metzler hat die Regionalwahl in Frankreich den Euro belastet: "Zur heutigen Schwäche trägt sicherlich auch der französische Rechtsruck bei." Händler begründeten die Euro-Verluste aber auch mit durchwachsenen Konjunkturdaten. In Deutschland hatte das Verarbeitende Gewerbe seine Produktion im Oktober zwar leicht gesteigert. Der Zuwachs blieb aber hinter den Markterwartungen zurück. Marktteilnehmer sprachen außerdem von einer allgemeinen Dollar-Stärke am Devisenmarkt.

Asien: Tankan-Bericht erfreut Nikkei

Vor einer ganzen Reihe von chinesischen Konjunkturdaten in dieser Woche hielten sich die Anleger an den asiatischen Aktienmärkten noch zurück. Gestützt wurden die Börsen von überraschend gut ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten. In Tokio machte sich zudem der schwächere Kurs des Yen positiv bemerkbar. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte schloss knapp 1 Prozent höher bei 19.698 Punkten. Der breiter gefasste Topix gewann 0,7 Prozent auf 1585 Zähler.

Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte mit Ausnahme Japans notierte leicht im Minus. Sydney verabschiedet sich 0,1 Prozent höher aus dem Handel. In Shanghai beendete der Composite den Handel 0,3 Prozent im Plus, auch in Hongkong stiegen die Kurse leicht. Am Dienstag werden Handelszahlen, am Mittwoch Daten zur Inflation und am Samstag zum Einzelhandel erwartet, sagte ein Marktteilnehmer.

Quelle: n-tv.de

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