Wirtschaft

Wall Street knickt vor Yellen ein: Draghi wird zum Albtraum für Anleger

Die Überraschung ist dem EZB-Chef gelungen. Allerdings ist es für Anleger keine angenehme. Mit seinem Verzicht auf eine Erhöhung der monatlichen Ankäufe sorgt Draghi für eine herbe Enttäuschung - und schickt den Dax in die Tiefe. Der Euro hingegen steigt.

Eine herbe Enttäuschung waren die Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi für den Aktienmarkt. Der Dax brach um mehr als drei Prozent ein und stürzte unter die 11.000-Punkte-Marke. Zwar nahmen die Verluste im Laufe des Nachmittags wieder etwas ab, am Ende schloss der deutsche Leitindex jedoch wieder mit einem satten Minus von 3,6 Prozent auf 10.789 Punkten. Klarer Gewinner der EZB-Entscheidungen war der Euro, der in der Spitze bis auf knapp 1,09 Dollar nach oben schoss.

Die EZB belässt die monatlichen Anleihekäufe bei 60 Milliarden Euro, verlängert das Kaufprogramm jedoch um sechs Monate bis März 2017. Damit bleibt die Euro-Notenbank deutlich hinter den Erwartungen zurück. "Es gab im Extrem Erwartungen, dass die Asset-Käufe auf bis zu 80 Milliarden Euro monatlich ausgeweitet werden und dass sie unbegrenzte Zeit laufen. Das sind überraschend schwache Aussagen Draghis", sagt ein Händler. Hinzu komme, dass die EZB die Inflationserwartungen für 2016 und 2017 gesenkt habe.

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"Mario Draghi hat ebenso wie Janet Yellen in den USA in den vergangenen Jahren die Märkte an immer mehr frisches Geld gewöhnt und in den USA fällt es der Notenbankchefin extrem schwer, die Investoren vom Billiggeld loszueisen", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research die Marktreaktion. Draghi müsse mittlerweile sogar seine expansive Geldpolitik noch deutlich übertreffen, sonst gebe es lange Gesichter.

Für Ernüchterung sorgte auch Fed-Chefin Janet Yellen, die nach Handelsschluss der europäischen Börsen im US-Kongress sprach. Sie sagte, die Zentralbank stehe wahrscheinlich kurz davor, die Geldpolitik zu straffen. Zudem zeigte sie sich angesichts der Konjunktur optimistisch. Damit zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Fed die Leitzinsen im Dezember erstmals seit etwa einem Jahrzehnt anheben wird.

Wenig Begeisterung zeigte die Börse bereits kurz zuvor nach der Entscheidung der EZB, den Einlagensatz nur um 10 BP auf nun minus 0,30 Prozent zu senken. "Die Senkung des Einlagezinses um zehn Basispunkte ist eine klare Enttäuschung", sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Im Markt war mit einer Senkung um 15 oder 20 Basispunkte gerechnet worden."

Einige Marktteilnehmer dürften sich bestätigt fühlen, denn sie hatten die Bedeutung der EZB-Sitzung generell eher skeptisch gesehen. Nun tritt aus ihrer Sicht die Zinsspekulation in den USA wieder in den Vordergrund. Sie hatte bereits am Mittwoch die Wall Street belastet, nachdem US-Notenbankchefin Janet Yellen die Weichen auf Zinserhöhung Mitte Dezember gestellt hatte. Am Freitag steht in den Vereinigten Staaten zudem der November-Arbeitsmarktbericht zur Veröffentlichung an.

Frankfurt: Zalando sind einziger Gewinner im MDax

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Der Dax büßte am Ende 3,6 Prozent ein und sank auf 10.789 Punkte. Der MDax büßte 2,5 Prozent ein und sank auf 20.851 Zähler. Für den TecDax ging es ebenfalls nach unten und zwar um 2,0 Prozent auf 1837 Punkte. Ein neues Allzeithoch hatte der technologielastige Index zuvor bei 1887 Punkten markiert. Ein Minus von 3,3 Prozent bedeutete für den Euro-Stoxx-50 ein Kursrutsch hinab auf 3355 Punkte.

Gewinner gab es im Dax am Ende keine mehr. Am besten hielten sich noch Eon, die lediglich 0,3 Prozent verloren nachdem der US-Broker Jefferies die Aktie zum Kauf empfohlen hatte. Auch Linde schlossen mit einem Minus von 0,4 Prozent besser als der Gesamtmarkt.

Lufthansa lagen mit 1,5 Prozent ebenfalls verhältnismäßig gering im Minus, hielten sich also klar besser als der Gesamtmarkt. Händlern zufolge kommt der Job-Gipfel der Lufthansa bei Anlegern gut an. Ein besseres Klima im Unternehmen erhöhe die Chance, dass Tarif- und Rentendiskussionen künftig ohne Streitigkeiten in der Presse geregelt würden.

Im MDax gab es hingegen einen Gewinner: Goldman Sachs ist von der Zalando-Aktie überzeugt und hatte sie auf eine Kaufliste genommen. Der Kurs des Online-Modehändlers stieg um 1,7 Prozent.

USA: Wall Street von EZB-Entscheid nicht geschockt

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Die Wall Street ist am Donnerstag unter dem Eindruck von Yellen falkenhaftem Statement im Kongress mit Kursverlusten aus dem Handel gegangen. Der Dow-Jones-Index fiel um 1,4 Prozent auf 17.477 Punkte. Der S&P 500 schloss mit einem Minus von ebenfalls 1,4 Prozent auf 2049 Zähler. Beim Nasdaq-Index betrug der Verlust 1,7 Prozent. Er beendete bei 5037 Stellen den Tag.

 

 

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Unter den Einzelaktien bleiben Yahoo weiterhin im Fokus. Der chinesische E-Commerce-Konzern Alibaba ist offenbar nicht am Kerngeschäft des US-Konzerns interessiert. Es sei unwahrscheinlich, dass Alibaba im Falle eines Verkaufs für die Internetaktivitäten der Kalifornier bieten werde, sagte eine mit der Denkweise von Alibaba vertraute Person. Der Yahoo-Board hält dieser Tage eine Reihe von Treffen ab, um über einen Verkauf des schwächelnden Internetgeschäfts zu beraten. Die Yahoo-Aktie gibt -3,67 Prozent ab, hatte allerdings am Vortag deutlich zugelegt. Alibaba verlieren -2,94 Prozent.

Asien: Schwache US-Vorgaben belasten

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Die Erwartung einer Zinsanhebung der Fed noch in diesem Monat hat die Stimmung an den Aktienmärkten in Asien getrübt. Auslöser waren Äußerungen von Fed-Chefin Janet Yellen. Sie bereitete die Börsen in einer Rede auf ein Zinserhöhung vor, ohne jedoch einen Termin anzudeuten. Die aktuellen Niedrigzinsen gelten als eine der Hauptursachen für die hohen Aktienkurse.

Marktbeobachtern zufolge hielten sich viele Investoren zudem vor der Ratssitzung der EZB zurück. Diese wird nach Einschätzung von Experten aus Sorge über die anhaltend niedrige Inflation eine Ausweitung ihrer Anleihenkäufe beschließen.

In Tokio trat der Leitindex Nikkei bei rund 19.939 Punkten auf der Stelle. Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte mit Ausnahme Japans sank 0,5 Prozent. In Hongkong tendierte der Markt mit 0,4 Prozent im Minus. Die chinesische Leitbörse in Shanghai gewann dagegen 1,4 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise klettern

Der Ölpreis erholt sich etwas von den deutlichen Vortagesabgaben, als es auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten nach unten ging. US-Leichtöl der Sorte WTI erholte sich um 1,29 Cent auf 41,23 Dollar. Das Fass der Sorte Brent legte am späten Nachmittag um 1,49 Dollar zu auf 43,99 Dollar.

Im Fokus steht die Sitzung der Opec am Freitag in Wien. Das Erdölkartell denkt laut über Förderkürzungen nach. Saudi-Arabien und weitere Staaten aus der Golf-Region sind sich bewusst, dass eine Verringerung der Ölförderquote nötig ist, um die Preise zu stabilisieren, wollen dies jedoch nicht ohne die Zustimmung anderer Länder wie dem Iran, dem Irak und Russland umsetzten, so ein Opec-Offizieller aus den Golf-Staaten.

Quelle: n-tv.de

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