Wirtschaft
Der Dax stößt in neue Höhen vor - doch erste Anleger warnen vor der dünner werdenden Luft.
Der Dax stößt in neue Höhen vor - doch erste Anleger warnen vor der dünner werdenden Luft.(Foto: REUTERS)

Aussicht auf Ende im Etatstreit: Dax schließt erstmals über 8800 Punkten

Neues Allzeithoch und neuer Schlussrekord - der deutsche Leitindex strebt angesichts der sich anbahnenden Lösung im US-Etatstreit in neue Sphären. Für Rückenwind sorgen auch gestiegene Erwartungen der Finanzexperten. Doch es gibt erste Mahner.

Sich mehrende Anzeichen auf eine Einigung im US-Etatstreit haben für deutliche Aufschläge am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Getrieben wurden die Kurse ferner von einem überraschend deutlich gestiegenen ZEW-Index. In der Folge markierte der Leitindex mehrfach neue Höchststände seiner 25-jährigen Geschichte. Erstmals schloss der Dax dabei über 8800 Punkten. Zwischenzeitlich war das Börsenbarometer sogar bis auf 8821 Zähler gestiegen.

Am Ende ging der Dax mit einem Plus von 0,9 Prozent auf 8804 Zähler aus dem Handel. Der MDax legte 1,1 Prozent auf 15.423 Punkte zu. Der TecDax gewann 1,1 Prozent auf 1099 Stellen.

Auch der Euro-Stoxx-50 konnte sich der guten Stimmung nicht entziehen. Der Index der wichtigsten Aktien aus der Eurozone legte 0,9 Prozent zu auf 3004 Zähler zu. Zuletzt hatte er im Mai 2011 die 3.000-Punkte-Marke übersprungen.

Blick richtet sich wieder auf Konjunktur

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Insidern zufolge sieht der diskutierte Kompromiss vor, die Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar so weit anzuheben, dass die Zahlungsfähigkeit der USA bis mindestens Mitte Februar gewährleistet ist. Gleichzeitig solle bis Jahresende eine Einigung zur Sanierung des defizitären Haushalts erzielt werden. Die seit fast drei Wochen geschlossenen Regierungsbehörden könnten mit diesem Vorschlag bis Mitte Januar finanziert werden.

Nachdem sich in den USA alles zum Guten zu wenden scheint, "setzen die Investoren nun auf eine gute Berichtssaison, nachdem die Wirtschaft im Euroraum in den vergangenen drei Monaten konstruktive Zeichen der Erholung gesendet hat", umschrieb ein Händler die Stimmung.

ZEW-Index auf höchstem Stand seit Oktober 2010

Zudem haben sich die Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren für Deutschland im Oktober entgegen den Erwartungen weiter aufgehellt. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index stieg auf 52,8 Zähler. Das ist der höchste Stand seit April 2010.

"Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldengrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest die Daten.

"Eine temporäre Anhebung wird in der Zwischenzeit von den Märkten erwartet und dürfte vollständig eingepreist sein", sagt ein Händler zur Debatte über die US-Schuldengrenze. Daher schließe er bald einsetzende Gewinnmitnahmen nicht aus gemäß dem Motto "Buy the rumours, sell the facts". In den USA beginnt die Wall Street bereits leichter. Viel Optimismus sei bereits in die Kurse am Vortag eingeflossen. Zudem herrsche Vorsicht, solange der Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten nicht unter Dach und Fach sei, heißt es am Markt.

Autowerte gesucht

Im Dax beendeten Commerzbank den Tag als Sieger. Die Papiere verteuerten sich um 3,0 Prozent auf 9,48 Euro. Lanxess kletterten ebenfalls um 3,0 Prozent auf 49,36 Euro. Hier stützten starke Absatzzahlen von Michelin, was zugleich auch gute Nachrichten für das Kautschukgeschäft von Lanxess sind. BMW und Daimler legten 2,9 und 2,1 Prozent zu. Positiv für deutsche Automobilhersteller werteten Händler derweil die vor allem an Deutschland gescheiterte Einigung der EU-Umweltminister auf eine CO2-Obergrenze ab 2020.

Deutsche Telekom verteuerten sich um 2,2 Prozent. Das Unternehmen mit einer starken Fokussierung auf Europa wird als einer der Gewinner des konjunkturellen Aufschwungs in der Eurozone gesehen. ThyssenKrupp gewinnen 2,0 Prozent. Der Stahlkonzern profitiert von ermutigenden Zahlen vom Rohstoffkonzern Rio Tinto. Dessen gute Produktionszahlen und -prognosen stützen den ganzen Sektor der Rohstoff- und Stahlunternehmen.

Verluste mussten Siemens verbuchen, die nach Gewinnmitnahmen 1,1 Prozent nachgaben. Fresenius Medical Care, Infineon und Linde komplettierten das Verlierer-Quartett.

In der zweiten Reihe zogen Symrise 5,0 Prozent an. Wincor erhöhten sich um 4,4 Prozent. Aareal Bank gewinnen 4,0 Prozent.

Leichter schlossen unter anderem ProSiebenSat1, Wacker Chemie und EADS. Für EADS hat JPM das Kursziel gesenkt, sieht den Flugzeughersteller aber weiter als die bevorzugte kurzfristige Empfehlung im Sektor.

Quelle: n-tv.de

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