Wirtschaft
Alle auf die Plätze: Anleger wollen dabei sein, wenn es aufwärts geht.
Alle auf die Plätze: Anleger wollen dabei sein, wenn es aufwärts geht.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Einstiegskurse locken: Dax schüttelt Italien ab

Anleger steigen wieder ein, es locken die niedrigeren Kurse. Die Sorgen um die politische Zukunft in Italien treten dabei in den Hintergrund. In den Fokus rücken dafür eine Reihe Unternehmenszahlen. Ende der Woche droht Ungemach aus den USA.

Politisch hat es am vorletzten Handelstag nichts Neues zu verarbeiten gegeben. Die Aufregung um Italien hat sich gelegt. Es kam sichtlich Ruhe auf, in den Fokus rückte damit wieder die Bilanzsaison. Politische Börsen seien oft nur von kurzer Dauer, kommentierte Ralf Umlauf von der Helaba den sukzessiven Kursanstieg trotz des Wahlpatts in Italien.

Der Dax nahm 7741 Punkte mit in den Feierabend, das entsprach einem Plus von 0,9 Prozent . Das Börsenbarometer knüpfte so an seine Kursgewinne vom Vortag an. Mit der Rückkehr über 7700 Punkte näherte er sich auch wieder seinem Stand vor dem Kursrutsch am Dienstag. Der MDax stieg derweil um 1,2 Prozent auf 13.301 Punkte. Der TecDax gewann 1,1 Prozent auf 918 Punkte.

Viele Anleger nutzen offenbar das gedrückte Kursniveau zum Einstieg. Es scheint, als ob die Sorgen um Italien von der Aussicht auf eine weiterhin lockere US-Geldpolitik vertrieben würden. Die Verteidigung der ultralockeren Geldpolitik durch Fed-Chef Ben Bernanke hatte bereits die Börsen in New York und Asien beflügelt. Auch EZB-Chef Mario Draghi bekräftigte, dass die Notenbank an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten werde.

Das nächste Ungemach droht jetzt vom US-Haushaltsstreit. In den USA sind die politischen Lager so entzweit, dass vermutlich am Freitag milliardenschwere Ausgabenkürzungen in Kraft treten, die der weltgrößten Volkswirtschaft schaden dürften. "Unter solchen Umständen ist es ganz schön schwierig, optimistisch zu bleiben", sagte ein Händler. Auch wenn die Kurse stiegen und in New York selbst die Aussicht auf eine unverminderte Schwemme von Zentralbankgeld die Anleger am Vortag beruhigt habe.

Das Eingeständnis der Niederlande, 2013 das EU-Defizit-Ziel vermutlich zu verfehlen, verstimmte vor allem die Anleger am Devisenmarkt. Der Euro gab zum Vortag etwa 0,4 Prozent auf 1,3084 Dollar nach. Ohne neue Störfeuer aus Rom konzentrierten sich die Anleger ansonsten auf die zahlreichen Unternehmensbilanzen.

Lufthansa im Sog von IAG fester 

An die Dax-Spitze setzten sich die Titel von Lufthansa. Die Aktien verteuerten sich um 3,4 Prozent. Die British-Airways-Obergesellschaft IAG hat für das Gesamtjahr 2012 einen geringeren Verlust als erwartet ausgewiesen. Zudem kündigte das Unternehmen an, die Zügel bei den Restrukturierungsplänen für die schwächelnde Fluggesellschaft Iberia anzuziehen. Börsianern zufolge kam das am Markt gut an.

Den Milliardenverlust bei der Deutschen Telekom straften die Anleger zunächst mit Verkäufen ab. "Cashflow und Ausblick sind in Ordnung, das Nachsteuerergebnis ist sogar etwas besser", sagte ein Händler zu den Zahlen. Ein anderer Marktteilnehmer monierte allerdings das adjustierte Ebitda und besonders die Entwicklung im US-Geschäft: "Die Marge dort fällt weiter und der Kundenschwund in den USA ist stärker als befürchtet." Per Saldo sei noch keine klare Kursrichtung aus den Zahlen erkennbar. Die Telekom-Aktien machten am Ende ihre Verluste wieder gut und schlossen unverändert.

Bayer auf Rekordkurs

Bayer kamen mit ihrer Bilanz besser an. Nach vorbörslich leichteren Kursen zogen die Titel im Xetra-Handel um 2,7 Prozent an und setzten sich damit ebenfalls an die Dax-Spitze. Bayer habe sich zuversichtlich für 2013 und 2015 geäußert, schrieb Equinet-Analystin Marietta Miemietz in einem Kommentar. Konzernchef Marijn Dekkers erklärte, er erwarte für 2013 und darüber hinaus eine Fortsetzung des Rekordkurses. Allein fünf neuen Präparaten zur Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Augenleiden traut Bayer zusammen einen jährlichen Spitzenumsatz von mehr als 5,5 Mrd. Euro zu. Die Analystin geht jedoch davon aus, dass der Markt die positiven Aussichten zum Großteil bereits eingepreist hat und die Aktie daher nur begrenzt Luft nach oben haben dürfte. Sie bekräftigte ihr "Accumulate"-Rating und das Kursziel von 75 Euro.

Ebenfalls zu den Spitzenreitern zählten nach einer Hochstufung von Morgan Stanley auf "Overweight" die Aktien von RWE mit plus 1,9 Prozent. "Nach den anderen Aussagen hätte ich so eine starke Reaktion nicht erwartet", sagte ein Händler. Die UBS hatte umgekehrt das Kursziel gesenkt und ein "Verkaufen" empfohlen, die Rating-Agentur Fitch einen negativen Ausblick gegeben und kommende Abstufungen als möglich genannt.

Im MDax hagelte es ebenfalls Bilanzen: Enttäuscht reagierten die Anleger auf die Zahlen von Hochtief, die hinter den Erwartungen zurückblieben. Die Aktien brachen um 7,2 Prozent ein.   

Im TecDax machte ein Gewinneinbruch den Aktien des Netzwerkausrüsters Adva Optical schwer zu schaffen: Die Titel stürzten um 4,3 Prozent ab.

Gefallen auf den zweiten Blick fanden die Anleger an Aixtron: Die Aktien legten nach der Vorlage von Geschäftszahlen um knapp 10,0 Prozent zu, nachdem sie zunächst 1,4 Prozent schwächer gestartet waren. Die kurzfristigen Aussichten für Aixtron blieben zwar düster, schrieb LBBW-Analyst Walter Schneider in einem Kommentar. Mittelfristig dürfte der Spezialmaschinenbauer jedoch vom Wachstum des LED-Beleuchtungsmarkts profitieren. Im vergangenen Jahr ist Aixtron tiefer in die Verlustzone gerutscht als vom Markt erwartet worden war.

Quelle: n-tv.de

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