Wirtschaft
Dax muss schwere Treffer einstecken.
Dax muss schwere Treffer einstecken.(Foto: REUTERS)

Adidas, DMG und Tipp24 zerlegt: Dax prallt hart auf die 9400 Punkte

Tiefrote Vorzeichen am Markt. Mit dem zunehmenden Rückzug internationaler Investoren fallen die Kurse. Dabei werden selbst Unternehmen mit guten Geschäften abgestraft. Andere Papiere werden nach schlechten Zahlen regelrecht zerlegt.

Das Handelsende dürften alle Beteiligten herbei gesehnt haben: Verkäufe quer durch alle Indizes haben den Markt durchgeschüttelt. Seit seinem Rekordhoch vor gut sechs Wochen hat der Leitindex mehr als 600 Punkte verloren. Gedrückt wurde die Stimmung am Superdonnerstag von teils verheerenden Quartalsberichten, dem zunehmenden Rückzug internationaler Anleger sowie der näherrückenden Zinswende in den USA. Hinzu kamen schwache Inflationsdaten aus der Eurozone. Der Zahlungsausfall Argentiniens wird dagegen als Einzelfall wahrgenommen und belastet nicht weiter.

Der Dax schleppt sich am Ende mit einem Minus von 1,9 Prozent bei 9407 Punkten in den Feierabend. In den Tag war er noch 186 Punkte höher gegangen. Am Nachmittag hatten maue US-Börsen die Talfahrt abermals beschleunigt. In Summe verbuchte der Dax den größten Tagesverlust seit fünf Monaten. Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust 1,5 Prozent. Der MDax sackte 2,3 Prozent auf 15.791 Zähler ab. Der TecDax büßte 2,4 Prozent auf 1218 Stellen ein. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 verlor 1,7 Prozent auf 3116 Punkte.

Anleger flüchten aus MDax

"Deutschland ist bei internationalen Investoren nicht mehr angesagt", meint ein Händler  Auch bei den Einzelunternehmen lasse sich das erkennen: Dort seien Kursausschläge nach unten wesentlich stärker als nach oben "und oft auch nicht mehr der fundamentalen Lage angemssen", sagte er. Daneben scheint es "Raus aus der zweiten Reihe!" zu heißen. Der MDax verliert erneut stärker als der Dax. Schon länger sei zu beobachten gewesen, dass internationale Kunden nicht mehr als Käufer aufgetreten seien.

Gleichzeitig seien bestehende Long-Positionen mit sehr engen Stops versehen worden, so dass bereits Intraday-Bewegungen reichten, um sie auszustoppen. "Typisch für Fonds, die nach oben dabei sein wollen, weil es alle sind, aber eigentlich keine rechte Überzeugung für den Titel mehr haben", sagt der Händler weiter.  "Die Unternehmen können mit ihren Zahlen nichts dafür, das ist eine reine Story von Kapitalabzug", schließt der Händler.

Adidas abgestraft

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Im Dax erlebten Adidas nach ihrer Gewinnwarnung einen Tag für die  Geschichtsbücher. Anleger würden das Minus von sagenhaften 15,4 Prozent wohl aber gern vergessen. Die Probleme in Russland und im Golfgeschäft machen dem Konzern stärker zu schaffen als bislang gedacht. "Das ist für viele eine Riesenenttäuschung - gerade nach der Fußball-Weltmeisterschaft", sagte ein Händler. "Die Aktien dürften noch weiter fallen, da ist noch viel Luft nach unten." Bei einem leichten Umsatzplus und einem Gewinneinbruch habe das Unternehmen ein kapitales Margenproblem, sagte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit gut ein Drittel an Wert eingebüßt.

Lufthansa sackten 7,3 Prozent ab. Der Pilotenstreik und sinkende Ticketerlöse auf einigen Strecken haben der Fluggesellschaft das Frühjahr verhagelt. Das operative Ergebnis und der Konzerngewinn brachen weit stärker ein als erwartet. Auf Halbjahressicht konnte die Lufthansa ihren Verlust zwar mindern, in die schwarzen Zahlen schaffte sie es aber nicht.

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Infineon gaben einen Tag nach Zahlen weitere 4,1 Prozent nach. Volkswagen verloren nach Zahlen 0,7 Prozent. Europas größter Autobauer verdiente im zweiten Quartal mehr und hatte lange Zeit im Plus gehandelt. Siemens fielen noch um 0,3 Prozent. Der Konzern hat im abgelaufenen Quartal deutlich mehr verdient, die Erwartungen des Marktes übertroffen und die Prognose bestätigt. Das Sparprogramm zeigt Wirkung.

Von den insgesamt 30 Titeln im Hauptindex können lediglich zwei den tag schadlos beenden: Die beiden Fresenius-Werte kletterten 3,7 und 2,6 Prozent. Grund sei ein starkes Ebit im zweiten Quartal, schreibt DZ-Bank-Analyst Sven Kürten. Auch der Zwischenbericht der Dialysetochter FMC kam bei den Investoren gut an.

Kaum Gewinner im TecDax

In der zweiten Reihe verlieren die Werte durch die Bank. Als Grund für Verkäufe wird auch die gesenkte Jahresprognose des Maschinenbauverbandes VDMA angeführt. Am stärksten trifft es DMG Mori Seiki, die gerupft wurden und um 10,8 Prozent einbrachen. Vieles von den guten Zahlen sei bereits eingepreist gewesen, sagte ein Börsianer. Daher dürften einige Investoren nun Kasse machen. Duerr ermäßigten sich um 6,8 Prozent. Metro fielen 6,1 Prozent. Trotz guter Zahlen bereitet Anlegern hier das Russland-Engagement Sorgen. Osram ermäßigen sich nach der Enttäuschung vom Vortag mit Stellenstreichungen und grundsätzlichen Geschäftsproblemen um weitere 2,9 Prozent.

Im TecDax verbilligten sich SMA Solar nach dem Einbruch am Vortag um weitere 11,4 Prozent. Aixtron gaben 6,2 Prozent nach. Eine gesenkte Ergebnisprognose des LED-Anlagenherstellers Veeco Instruments aus den USA belastet. Nordex sanken um 5,4 Prozent.

Im SDax kamen Tipp24 unter die Räder und fanden erst nach einem Abschlag von 19,1 Prozent einen Boden. Händler führen den Kursrutsch auf einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zurück, wonach Bundesländer ihre Lottogesellschaften vor internationaler Konkurrenz schützen wollen, indem sie Banken und Kreditkartengesellschaften Überweisungen von Lottospielern aus Deutschland an ausländische Glücksspielvermittler untersagen. Dem Bericht zufolge bieten Firmen wie Tipp24 aus Großbritannien Einsätze auf das deutsche Zahlenlotto an.

Quelle: n-tv.de

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