Wirtschaft
Mit Sorgen verfolgten heute Händler den Absturz des deutschen Leitindex.
Mit Sorgen verfolgten heute Händler den Absturz des deutschen Leitindex.(Foto: picture alliance / dpa)

US-Konjunkturdaten belasten: Dax verliert fast drei Prozent

Dem ohnehin schwächelnden deutschen Leitindex geben am Mittwoch enttäuschende US-Konjunkturdaten einen kräftigen Stoß nach unten. Um rund drei Prozent bricht der Dax zwischenzeitlich ein - und markiert ein neues 12-Monats-Tief.

Diese Konjunkturdaten aus den USA sorgten für panikartige Verkäufe an der deutschen Börse: Ein überraschend schwacher Empire State Index im Oktober, eine unerwartet rückläufige Teuerung bei den Erzeugerpreisen und schwache Einzelhandelsumsätze im September hatten den Dax mit zwischenzeitlich 8556 Zählern auf den tiefsten Stand seit einem Jahr fallen lassen. Am Ende schließt er mit einem Verlust von 2,9 Prozent bei 8572 Punkten.

"Bei 8700 Punkten dürften Stop-Loss-Kurse ausgelöst worden sein", sagte ein Händler. Die Konjunkturzahlen seien "durchweg eine Enttäuschung". Beim Empire State Index - ein wichtiger volkswirtschaftlicher Frühindikator in den USA - sei zwar mit einer Korrektur von den starken September-Daten gerechnet worden. "Aber dass der Index derart einbricht, hat niemand erwartet", sagt der Händler.

Der MDax verlor 2,0 Prozent und landet bei 14.754 Punkten. Der TecDax büßte 2,6 Prozent ein auf 1120 Zähler.

Dax verliert seit Jahresbeginn zehn Prozent

Das Jahr 2014 droht immer mehr zu einem schwarzen Jahr für Aktien zu werden. Seit Jahresbeginn hat der deutsche Leitindex nun bereits zehn Prozent verloren. Keiner der 30 Dax-Titel konnte sich am Mittwoch dem starken Abwärtsdruck entziehen. Die Börsenumsätze sind hoch, es steht also echter Verkaufsdruck hinter den Verlusten.

Verkauft wurden vor allem konjunkturabhängige Titel sowie Bankenaktien. Beide gelten unter Risikoaspekten als verlustträchtige Investments. So büßten Commerzbank, Deutsche Bank, Deutsche Post, Infineon und ThyssenKrupp zwischen 3,3 und 5 Prozent ein.

Deutsche Pharma-Aktien wie Bayer, FMC, Fresenius und Merck gaben stark nach. Als Grund vermuteten Experten, dass die 54 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des britischen Pharmaunternehmens Shire durch den US-Konkurrenten AbbVie zu scheitern droht. Shire-Aktien brachen in London um rund 23 Prozent ein und zogen den gesamten, ohnehin seit Wochen von Übernahme- und Fusionsgerüchten getriebenen Pharmasektor mit nach unten. Neben den weichenden Übernahme- und Fusionsfantasien lastete nach wie vor auch die konjunkturelle Schwäche in der Eurozone auf der Börse.

Der Ölpreisverfall hatte einige Einzelwerte zunächst beflügelt. "Let´s rally", hatte ein Händler vor Handelsbeginn gesagt. Er meinte, Luftfahrt- und Chemieaktien - wie Lufthansa oder BASF - dürften von dem Preisrückgang besonders profitieren, aber auch Stahl- und andere Industrieaktien. Mit dem Kursrutsch an der Frankfurter Börse ist dies jedoch Makulatur: Lufthansa schlossen mit 1,3 Prozent im Minus. Ein anderer Händler deutete dies so: "Wenn der starke Ölpreisrückgang als Zeichen einer weltweiten konjunkturellen Nachfrageschwäche gedeutet wird, dann ist das klar negativ für die Flugbranche." Die Airlines seien außerordentlich zyklisch, sowohl beim Passagier- als auch beim Frachtgeschäft. "Eine schwache Konjunktur schlägt bei der Auslastung und somit bei den Renditen viel stärker durch, als ein rückläufiger Kerosinpreis auf der Kostenseite für Entlastung sorgt", sagt der Händler.

K+S gehörten mit minus 1,2 Prozent noch zu der Dax-Spitzengruppe - Beiersdorf verzeichneten gegen den Trend noch länger einen minimalen Zuwachs, gaben am Ende aber auch 0,6 Prozent ab. BASF verloren 2,7 Prozent. Auch die Stromversorger Eon und RWE wurden verkauft, beide Aktien verloren jeweils knapp vier Prozent. Sollte die Konjunktur erlahmen, dürfte eine sinkende Stromnachfrage der Industrie die Erträge der Versorger spürbar belasten.

IBM und SAP vertiefen ihre Kooperation

Intel hat den Umsatz im dritten Quartal um 7,9 und den Nettogewinn um 12 Prozent gesteigert. Für das laufende Quartal sagt Intel weiteres Wachstum voraus mit einem möglichen Umsatzanstieg von 10 Prozent. Das Geschäftsergebnis übertraf die Erwartungen der Analysten und widersprach den düsteren Vorhersagen des Rivalen Microchip Technology. Infineon kann davon zunächst profitieren: Die Aktie des deutschen Chipherstellers legt am Morgen um ein Prozent zu, rutscht am späten Vormittag jedoch in die Verlustzone. Am Ende hatte auch die Infineon-Aktie ein dickes Minus von 3,3 Prozent.

IBM und SAP vertiefen ihre seit Jahrzehnten bestehende Kooperation. Die Anwendungen der Echtzeitdatenbank Hana und der dazugehörigen Unternehmenssoftware Business Suite sollen künftig auch in virtuellen Rechenzentren von IBM untergebracht werden. Für die SAP-Titel macht sich noch kein Effekt bemerkbar: Sie fielen wie die anderen Werte - genauer gesagt um 3,1 Prozent.

Sorgen machte im Handel die Schwäche der Munich Re. Sie verloren 2,4 Prozent auf 145,00 Euro. "Auffallend ist gestern ein krasser Anstieg der Optionsprämien gewesen", sagte ein Händler bereits am Morgen. Gleichzeitig habe die Aktie die Unterstützung um 148 Euro nach unten durchbrochen. "Das sieht ein bisschen so aus, als bereitet sich jemand auf richtig schlechte Nachrichten vor", so der Händler weiter.

Aktienrückkauf bei Rhön

Metro sieht Wachstumschancen im stationären Geschäft und auch beim Online-Handel der Elektronikkette Media-Saturn. Firmenchef Pieter Haas und Einkaufsvorstand Klaus-Peter Voigt wollen innerhalb von drei Jahren das Online-Geschäft von 7 auf 10 Prozent des Umsatzes erhöhen, sagten sie der "Süddeutschen Zeitung". Die Aktie des Handelskonzerns schloss mit einem Minus von 3,1 Prozent.

Rhön-Klinikum startet am 16. Oktober den geplanten Aktienrückkauf und will im Zuge dessen bis zu 65,8 Millionen eigene Aktien außerhalb der Börse erwerben. Der Angebotspreis liegt bei 25,18 Euro - der Aktienkurs notierte am Nachmittag 0,5 Prozent leichter, endete aber mit einem Zugewinn von 0,6 Prozent.

Die höheren Wachstumsziele von ProSiebenSat.1 kamen bei den Anlegern gut an. Die Aktien legten am Mittwoch in der Spitze 5,5 Prozent auf 30,34 Euro zu und waren damit Spitzenreiter im MDax. Das blieben sie auch bis zum Ende - angesichts des allgemeinen Kursverfalls reduzierte sich das Plus auf nur noch 1,1 Prozent. Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand nun mit einem Umsatzanstieg im hohen einstelligen Prozentbereich.

Quelle: n-tv.de

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