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Neue Woche, alte ProblemeDax vor erneuter Talfahrt

27.08.2011, 10:26 Uhr
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Die bangen Blicke bleiben: Der Dax steht vor einer weiteren schwierigen Woche. (Foto: picture alliance / dpa)

Das einzig Beständige an den Börsen ist derzeit die Unbeständigkeit. Die Aktienmärkte dürften Experten zufolge in der kommenden Woche ihre Abwärtstendenz beibehalten, unterbrochen von kurzen Berg-und-Tal-Fahrten. Immer mehr Parallelen zum Krisenjahr 2008 werden sichtbar.

Ausruhen. Entspannen. Durchatmen. Aktieninvestoren sollten das Wochenende gut zum Auftanken nutzen. Denn die neue Woche verspricht neuen Nervenkitzel. Die Themen bleiben indes die alten: die Angst vor einer weltweiten Rezession und die ungelöste Schuldenkrise der Eurozone.

Experten sind sich einig: Die Talfahrt geht weiter. Kurze technische Korrekturen seien zwar möglich, aber nachhaltig werden sie nicht sein. "Weder aus fundamentaler Sicht noch unter charttechnischen Aspekten deutet sich ein Ende der Talfahrt an", stellt die Landesbank Berlin fest. Deren Strategen rechnen vielmehr damit, dass der Dax auf neue Jahrestiefs fallen wird.

Parallelen zu 2008

In der alten Woche hat sich der Leitindex vergleichsweise gut geschlagen. Nach vier Wochen steiler Talfahrt verzeichnete der Dax diesmal auf Wochensicht ein Plus von einem Prozent. Diese Bilanz sollte aber nicht täuschen.

Immer mehr Börsianer befürchten, dass sich das Szenario von 2008 wiederholen könnte, als Aktien auf einen monatelangen Sinkflug gingen und erst Anfang 2009 die Trendwende einsetzte. "Es gibt durchaus Parallelen", sagt Volkswirt Matthias Thiel von MM Warburg. "Auch 2008 haben wir eine sukzessive Eintrübung der konjunkturellen Indikatoren gesehen und Unternehmen waren noch sehr lange sehr optimistisch. Ein zusätzlicher Trigger war damals die Pleite von Lehman. Heute haben wir die Schuldenkrise."

Misstrauische Banken

Die gestiegene Nervosität spiegele sich anschaulich im Interbankenhandel wider, so Thiel. Zuletzt haben sich die Banken mit Krediten an andere Institute wieder sehr viel stärker zurückgehalten. "Der Markt ist noch nicht ausgetrocknet wie damals, aber die Prämien steigen. Banken werden zunehmend misstrauisch, wie viel als Sicherheit hinterlegte Staatsanleihen tatsächlich wert sind."

Trotz Hilfspaketen und einer Stützungsaktion der EZB für italienische und spanische Staatsanleihen ist nach wie vor unklar, ob es die schuldengeplagten Euroländer in absehbarer Zukunft schaffen, wieder auf die Beine zu kommen.

ISM und Arbeitsmarkt im Fokus

Angesichts der grassierenden Rezessionsangst werden vor allem US-Konjunkturdaten mit einer gewissen Sorge erwartet. Mit dem ISM-Index und dem Arbeitsmarktbericht für August stehen die am meisten beachteten monatlichen Indikatoren an. "Die Investoren dürften sie genau darauf abklopfen, ob die US-Wirtschaft in eine Rezession abrutscht", sagt Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank.

Daneben steht das vom Conference Board erfasste Verbrauchervertrauen auf der Agenda. Zudem wird das Protokoll zur Sitzung des Offenmarktausschusses am 9. August Aufschluss über die Diskussionen innerhalb der Fed geben. An diesem Tag hatte sich die US-Notenbank auf langfristig niedrige Zinsen festgelegt.

Hoffnung sirbt zuletzt

Im Euroraum dürfte nach Meinung der Experten der Economic Sentiment Indicator, der das Vertrauen der Unternehmen in die Industrie und den Dienstleistungssektor erfasst, den wirtschaftlichen Abschwung belegen.

Trotz der absehbar negativen Signale - nach Meinung von Commerzbank-Stratege Andreas Hürkam ist eine ähnlich schlimme Entwicklung am Aktienmarkt wie 2008 nicht zu befürchten. "Gegen dieses Szenario sprechen insbesondere die extrem expansive Geldpolitik der US-Notenbank Fed, starke Unternehmensbilanzen und moderate Lohnzuwächse."

Quelle: rts