Wirtschaft
Ein Hoch auf die Kursgewinne am deutschen Aktienmarkt zum Start in die neue Handelswoche.
Ein Hoch auf die Kursgewinne am deutschen Aktienmarkt zum Start in die neue Handelswoche.(Foto: picture alliance / dpa)

"Bottom-Picking": Dax zündet "kleines Kursfeuerwerk"

Die Anleger können ihre Nervosität auch in der neuen Handelswoche nicht ablegen: Die Kurse klettern, nachdem der Euro zum Dollar nachgibt. Sie fallen mit neuen Sorgen um Griechenland. Aber am Ende zählt wie immer nur eines.

Am Ende zählt, was hinten rauskommt. Und das war am deutschen Aktienmarkt zum Start in die neue Handelswoche positiv. Dass der Dax davor erneut auf eine Berg-Talfahrt gegangen ist; dass er eine Handelsspanne von mehr als 200 Punkten aufwies - vergessen. Was bleibt, ist das "kleine Kursfeuerwerk" vom Vormittag, einem schwächeren Euro geschuldet, und das "Bottom-Picking" am späten Nachmittag, das noch einmal positiven Schwung in den Markt brachte und die Griechenland-Sorgen verdrängte.

Der Dax schloss mit einem Plus von 1,3 Prozent bei 11.594 Punkten. Der MDax verbesserte sich um 0,3 Prozent auf 20.655 Zähler und der TecDax zog um 1,2 Prozent auf 1689 Stellen an. In der Vorwoche hatte der Dax mehr als 2 Prozent eingebüßt, allein rund 1 Prozent am Freitag.

Die Nervosität am Markt war aber erneut greifbar. Wieder ist die eventuell kurz bevor stehende Pleite Griechenlands der Belastungsfaktor für die Kauflaune der Anleger: Ohne ein Einlenken im Schuldenstreit droht Athen nach Ansicht der Bundesbank die Insolvenz. "Die Zahlungsfähigkeit Griechenlands ist akut bedroht", mahnten die Experten. Auch die EU-Kommission warnte vor einem Liquiditätsengpass in dem südeuropäischen Krisenstaat. Es gebe Fortschritte in den Gesprächen, aber das Tempo müsse erhöht werden, sagte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici. "Diese Kommentare schüren bei vielen Anleger wieder die Ängste vor einer Staatspleite der Griechen", sagte ein Händler.

Ein Blick auf die Charttechnik

Aus technischer Sicht raten Marktteilnehmer weiterhin zur Vorsicht, solange der Dax-Abwärtstrend bei 11.650 Punkten noch intakt ist. Darüber ist ein schneller Anlauf an das Zwischenhoch bei 11.750 Punkten wahrscheinlich, es gilt als letzte signifikante Hürde vor der 12.000er Marke. Negativ wären dagegen neue Tiefs unter 11.168 Punkten.

Einzelwerte: Bottom-Picking

Am deutschen Aktienmarkt schauten die Anleger auf die Bankenwerte. Die US-Ratingagentur Fitch könnte die Kreditwürdigkeit der europäischen Großbanken senken, wie es in einem Zeitungsbericht hieß. Commerzbank und Deutsche Bank gaben jeweils rund 0,5 Prozent nach.

Stärkster Verlierer im Leitindex waren RWE-Titel. Hier zeigten sich die Anleger verstimmt darüber, dass der Konzern Ärger mit dem Finanzamt hat. Er soll eine Gewerbesteuernachzahlung für mehrere Jahre leisten. Der Abschlag lag zeitweise bei mehr als 2 Prozent - der Kurs markierte ein neues Jahrestief. Am Ende gingen RWE rund 1,5 Prozent leichter aus dem Handel. Ein weiterer nennenswerter Verlierer waren Deutsche Börse, deren Titel 0,6 Prozent abgaben.

Gefragt waren dagegen Autowerte: BMW, Daimler und Volkswagen konnten zwischen 1,0 und 3,1 Prozent zulegen. Die Deutsche Bank hatte das VW-Kursziel auf 280 Euro erhöht und die Aktie des Autobauers zum Kauf empfohlen. Marktteilnehmer sahen bei VW auch "Bottom-Picking" - ebenso bei Deutscher Telekom. Deren Titel zogen auch deutlich an: um mehr als 2,5 Prozent.

Im MDax öffnete Kabel Deutschland die Bücher und präsentierte sich zurück in der Gewinnzone. Der Aktienkurs gab dennoch ab: 0,6 Prozent.

Im SDax schauten die Anleger auf Sixt. Der Autovermieter, der jüngst erst erfolgreich seine Leasing-Tochter an der Börse platziert hatte, wächst deutlich und bekräftigt seine Prognose. Der Kurs von Sixt fiel um mehr als 1 Prozent, der von Sixt Leasing verbesserte sich um rund 1 Prozent.

Pluszeichen an der Wall Street

Spekulationen auf eine spätere Zinserhöhung in den USA schickten die New Yorker Börsen auf Rekordjagd geschickt. Sowohl der Dow-Jones-Index der Standardwerte als auch der breiter gefasste S&P-500 markierten im Handelsverlauf ein neues Allzeithoch. Abermals enttäuschende Konjunkturdaten - diesmal vom Häusermarkt - schürten Vermutungen unter den Anlegern, dass die Erholung der US-Wirtschaft für die Notenbank nicht robust genug ist, um schon in den nächsten Monaten die Zinswende einzuleiten. Derzeit werde eine Zinserhöhung im September immer unwahrscheinlicher, sagte John Burke, Chef vom Broker Burke Financial Strategies. "Es sieht so aus, dass es erst Ende des Jahres oder Anfang 2016 so weit sein wird."

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,1 Prozent und schloss bei 18.299 Punkten. Der S&P-500 gewann 0,3 Prozent auf 2129 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte 0,6 Prozent auf 5078 Stellen.

Gefragt an der Wall Street waren Aktien von Apple. Sie stiegen um 1,1 Prozent, nachdem Großaktionär Carl Icahn den Druck auf das Management erhöhte und eine abermalige Aufstockung des Aktienrückkaufprogramms forderte, um den Kurs anzuschieben. Die Aktien von Altera legten um 7,2 Prozent zu. Die "New York Post" hatte berichtet, der Chip-Hersteller Intel führe mit dem kleineren Rivalen wieder Fusionsgespräche und der Deal könne ein Volumen von mehr als 13 Milliarden Dollar haben.

Devisen: Euro im Auf und Ab

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Der Euro lag zunächst deutlich unter der 1,14er Marke, was die Aktienkurse am Vormittag beflügelte. Am späte n Mittag gewann die Gemeinschaftswährung verlorenen Boden zurück, der Dollar geriet dagegen unter Druck. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs auf 1,1389 fest. Sogar die 1,14er Marke wurde zurückerobert. Am Abend fielen die Notierungen wieder ab: 1,1351 Dollar. Durch einen billigeren Euro werden Waren deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger.

Asien: Japan kann ausbrechen

In Asien belasteten Sorgen über die Konjunktur in den USA die Märkte. Die meisten Indizes tendierten schwächer. Gegen den Trend verbuchte allerdings die japanische Börse Gewinne. Investoren konzentrierten sich in Tokio auf heimische Unternehmen, sagten Analysten. So rückte der Versicherer Dai-ichi Life ins Zentrum des Geschehens. Die Aktie verteuerte sich um 10,6 Prozent, nachdem der Konzern ein Aktienrückkaufprogramm und höhere Ausschüttungen an seine Anteilseigner ankündigte. Das schürte auch die Kurse anderer Versicherer. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 0,8 Prozent fester bei 19.890 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index legte 1,2 Prozent auf 1627 Zähler zu. Der Index für die asiatischen Aktien außerhalb Japans  tendierte dagegen 0,6 Prozent schwächer.

Rohstoffe: Gold auf Dreimonatshoch

Der Gold-Preis zog auf den höchsten Stand seit Mitte Februar. Das Edelmetall verteuerte sich um bis zu 0,7 Prozent auf 1232,20 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Bereits in der Vorwoche war der Gold-Preis um 3 Prozent gestiegen, das war der größte Wochengewinn seit vier Monaten. Eine Serie enttäuschender US-Konjunkturdaten hatte zuletzt Spekulationen auf eine verzögerte Zinswende in Amerika geschürt.

Die Ölpreise gerieten am Abend unter Druck. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete 66,29 US-Dollar. Das waren knapp 0,9 Prozent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni fiel um 0,8 Prozent auf 60,31 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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