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Wall Street mit Verlusten: EZB holt Dax auf den Boden zurück

Der Start gelingt, der anschließende Schwächeanfall verfehlt seine Wirkung aber auch nicht. Die EZB ist dafür verantwortlich - und nur Fed-Chefin Yellen hätte das Blatt noch wenden können.

"Einfach irre", lautet das Fazit von n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil zum Handel am deutschen Aktienmarkt am Dienstag. Einem "starken Beginn", der völlig unerwartet daherkam, folgte ein "Schwächeanfall" vor dem Mittag. Neben Konjunkturdaten schauten die Anleger auch bei Einzelwerten genauer hin. Eine Aktie "rockte" laut n-tv-Börsenexperte Frank Meyer besonders. Es half aber alles nichts, zum Handelsende stand das Minus.

Der Dax ging mit einem Abschlag von 0,2 Prozent und 10.148 Punkten aus dem Handel, nachdem zum Wochenstart ein Plus von 0,6 Prozent gestanden hatte. Die Handelsspanne betrug vergleichsweise geringe 115 Punkte mit einem Tagestief von 10.080 Stellen und einem Tageshoch von 10.195. Allerdings fielen laut Marktteilnehmern auch die Umsätze vergleichsweise gering aus. Der MDax verabschiedete sich0,1Prozent schwächer bei 19.728 Zählern. Der TecDax verlor ebenfalls 0,1 Prozent auf 1760 Punkte.

Kreditvergabe kommt in Schwung

Als stützend erwiesen sich zunächst die Entwicklung der Erzeugerpreise aus. Sie waren im September mit minus 2,1 Prozent zum Vorjahr deutlich stärker gefallen als prognostiziert.

Die darauffolgenden jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Kreditvergabe der Banken des Euroraums bremsten den Markt dann aber rasant aus. Laut EZB haben die Institute wegen der milliardenschweren Anleihekäufe der Zentralbank in den vergangenen sechs Monaten mehr und billigere Unternehmenskredite vergeben, als das ohne die Quantitative Lockerung (QE) der Fall gewesen wäre. Wie aus dem aktuellen Quartalsbericht der EZB zur Kreditvergabe hervorging lockerten die Banken die Standards für Unternehmenskredite wegen QE für sich genommen besonders deutlich. Eine Aufstockung des EZB-Programms wurde damit zunächst einmal als unwahrscheinlicher von Anlegerseite betrachtet. Allerdings könnten diesbezüglich bereits am Mittwoch auf der Sitzung der Zentralbank neue Details bekanntgegeben werden.

Yellen liefert nicht

Fed-Chefin Janet Yellen ließ sich bei einer Rede nicht in die Zinskarten schauen: Sie äußerte sich nicht zu den Aussichten für die US-Wirtschaft oder zur Geldpolitik. Bei diesbezüglichen Aussagen werden Marktteilnehmer hellhörig. Yellen hob lediglich die besondere Bedeutung der US-Agentur für Arbeitsmarktstatistik bei der Erstellung genauer und vertrauenswürdiger Daten zur konjunkturellen Entwicklung hervor. Sie machte die Aussagen bei einer Veranstaltung in Washington anlässlich des Weltstatistiktages der Vereinten Nationen. 

Seit heute sind die Geldpolitiker der US-Notenbank Fed in der sogenannten Blackout Period, in der sie sich mit Aussagen zu Themen mit Relevanz für die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) zurückhalten müssen. Die Sitzung findet am 27. und 28. Oktober statt.

Dax: Telekom "rockt", Deutsche Bank nicht

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Bei den Einzelwerten "rockte" vor allem die Deutsche Telekom den Markt, sagte n-tv-Börsenexperte Meyer. Zeitweise kletterten die Papiere 2,5 Prozent. Am Handelsende blieb ein Aufschlag von 1,8 Prozent. Wesentlicher Impulsgeber war eine Heraufstufung durch Goldman Sachs.

SAP stemmten sich erfolgreich gegen den Negativsog einer IBM-Gewinnwarnung vom Vorabend. Die Titel verabschiedeten sich 0,5 Prozent fester. Detailliertere Quartalszahlen und ein bekräftigter Ausblick halfen dabei. Bei der ersten Zahlenvorlage waren vor allem die guten Zuwächse im Cloud-Geschäft hervorgehoben worden. "Meckern kann man bei SAP nicht", sagte Meyer. Nun richtet sich der Blick darauf, wie sich SAP im kommenden Quartal schlagen werden. "Das vierte Quartal ist für SAP üblicherweise das wichtigste", betonte ein Händler.

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Lufthansa verloren dagegen 1,0 Prozent. Bei dem Konzern stehen zum Jahresende erneut Streiks an. Mehrere Berufsgrupp en haben mit Ausständen gedroht. Das könnte für millionenschwere Belastungen sogen - wieder einmal.

Bei der Deutschen Bank wirkte zum Einen das jüngste Zahlenwerk noch nach. Zum Anderen belastete das Bekanntwerden einer milliardenschweren Panne aus dem Sommer. Ein "fat finger" hatte eine milliardenschwere Fehlbuchung zugunsten eines Hedgefonds verursacht. Deutsche-Bank-Aktien büßten deutliche 1,2 Prozent ein.

MDax: Ein neuer Kopf

Eine Personalie beschäftigte indes die Anleger bei Airbus. Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte  des Konzerns bekommt einen neuen Chef. Der bisherige Siemens-Manager Dirk Hoke werde den Posten zum 1. April kommenden Jahres übernehmen, so der Flugzeugkonzern. Der 62-jährige Amtsinhaber Bernhard Gerwert geht nach 36 Jahren in der Branche in den Ruhestand. Der 46-Jährige Hoke leitete zuletzt bei Siemens das Geschäft mit Großantrieben. Airbus-Titel schlossen rund 0,5 Prozent tiefer.

TecDax: Sartorius im Wechselbad

Als "ausgezeichnet" wurden zwar die Zahlen des Laborzulieferers Sartorius am deutschen Aktienmarkt aufgenommen. "Das sieht noch besser aus als die ohnehin schon hohen Erwartungen", sagte ein Händler. Vor allem die auf rund 15 Prozent erneut erhöhte Wachstumsprognose beim Umsatz liege deutlich über dem Marktkonsens von rund 12 Prozent währungsbereinigt. Die Aktie sei bei Investoren immer noch etwas vernachlässigt, sagte zudem ein Händler. Alles Unken half dem Kurs aber nicht. Er konnte nur zwischenzeitlich anziehen, am Ende gingen die Papiere 1,3 Prozent schwächer aus dem Handel.

Besser machten es da Manz - mit einem Zuwachs von 4,5 Prozent. Zeitweise hatte das Plus fast 10 Prozent betragen. Hintergrund war Händlern zufolge eine Kooperation mit Adidas. Die stellt das Unternehmen noch breiter auf und sorgt für eine bessere Risikostreuung. Umsatz- und Gewinnseitig sollte sich das Ganze auch positiv bemerkbar machen. Das sorgte bei den Anlegern für Fantasie, bisher blieben die Titel weit hinter der Index-Entwicklung zurück.

USA: Zahlen, Zahlen und "Big Deals"

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Die laufende Bilanzsaison der US-Unternehmen hielt zunächst die Anleger an der Wall Street zurückhaltend agieren. Der Dow-Jones-Index verlor 0,1 Prozent auf17.219 Punkte. Ebenso machte es der S&P-500. Der Nasdaq gab 0,5 Prozentpunkte ab und schloss bei 4881 Zählern. Auf der Stimmung lastete nach Angaben aus dem Handel der enttäuschende Quartalsausweis von IBM, den das Unternehmen am Montag nach Börsenschluss vorgelegt hatte. Die Aktie gab um 5,8 Prozent nach.

An wichtigen Konjunkturdaten wurden nur die Baubeginne und -genehmigungen aus dem September veröffentlicht. Bei den Baubeginnen wurde eine überraschend deutliche Zunahme um 6,5 Prozent verbucht, während Volkswirte im Schnitt ein Plus von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat erwartet hatten.

Vor der Startglocke hatten unter anderem United Technologies und Verizon über den Verlauf des dritten Quartals berichtet. Beide Unternehmen haben die Markterwartungen übertroffen. Für Verizon ging es um 1,3 Prozent nach oben, United Technologies gewannen gar 4 Prozent. Ebenfalls gut kamen die Zahlen des Versicherers Travelers an, dessen Aktien um 2,5 Prozent zulegten. Harley-Davidson sahen sich nach einem schwachen Quartal gezwungen, Arbeitsplätze abzubauen. Vorstandschef Matt Levatich räumte ein, dass das dritte Quartal nicht das lieferte, was sich sein Unternehmen versprochen hatte. Die Aktie brach um 14 Prozent ein. Nach dem Ende der Börsensitzung wird Yahoo seinen Drittquartalsbericht vorlegen. Die Aktie des Internetunternehmens zeigte sich knapp behauptet.

Daneben brachte Übernahmefantasie Bewegung in den Markt. Laut Medienberichten könnte der Speicherkarten-Spezialist SanDisk kurz vor der Übernahme durch Western Digital stehen. Das trieb die Aktie um fast 4,4 Prozent nach oben, während jene des potenziellen Käufers um 7 Prozent sank.

Asien: Abwarten und schauen

An den asiatischen Aktienmärkten hielten sich Anleger angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten in China mit Käufen weitgehend zurück. Die Ausnahme bildeten die Märkte in Japan, wo der Fokus eher auf den einheimischen und amerikanischen Unternehmensdaten lag. Vor den anstehenden Sitzungen der EZB, der Fed und der Bank of Japan war der Handel aber insgesamt ruhig.

In Tokio stieg der Nikkei-Index 0,4 Prozent auf 18.207 Punkte. Auch die Börse in Shanghai machte im Handelsverlauf anfängliche Verluste wieder wett. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gab dagegen 0,5 Prozent nach. In Hongkong fiel der Index um rund 0,8 Prozent. Auch in Australien belasteten die chinesischen Konjunkturdaten vom Vortag noch Konzerne aus der Energie- und Bergbaubranche. Das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik hatte  sich im dritten Quartal weiter abgeschwächt und fiel mit 6,9 Prozent so gering aus wie seit Anfang 2009 nicht mehr.

Devisen: Euro klettert

Dem Euro halfen die robusten Daten zur Kreditvergabe auf die Sprünge. Die Gemeinschaftswährung stieg auf 1,1342 Dollar.

Die EZB setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1373 Dollar fest nach 1,1333 zum Wochenbeginn. Durchwachsene Daten zum US-Häusermarkt sorgten am Nachmittag kaum für Bewegung am Devisenmarkt.

Rohstoffe: Öl versucht Stabilisierung

Dank des nachgebenden Dollar erholte sich der Goldpreis. Die Feinunze stiegt um 7 Dollar auf 1177 Dollar.

Die Ölpreise gaben zunächst nach, später stabilisierten sie sich etwas. Die US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 0,7 Prozent auf 45,55 Dollar je Fass. Für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember waren 48,71 Dollar fällig. Das waren 0,2 Prozent mehr als am Montag.

Die Aussichten auf ein weiter starkes Rohölangebot und schwache Konjunkturdaten aus China hatten die Ölpreise zu Wochenbeginn gedrückt. Zudem bereitete der Iran laut Angaben seines Rohölministers Bijan Namdar Zanganeh die Ausweitung seiner Förderung vor. Dies geschehe unabhängig von Entscheidungen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Die bisherigen Sanktionen gegen das Land sollen bald aufgehoben werden.

Quelle: n-tv.de

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