Wirtschaft
Devisenanleger harren der Dinge: Auch aus Jackson Hole wird es keine Hinweise darauf geben, wann die Fed denn nun mit der Reduzierung der Wertpapierkäufe beginnen wird.
Devisenanleger harren der Dinge: Auch aus Jackson Hole wird es keine Hinweise darauf geben, wann die Fed denn nun mit der Reduzierung der Wertpapierkäufe beginnen wird.(Foto: picture alliance / dpa)

Flucht aus Lira und Rupie: Euro hält die Balance zum Dollar

Das große Thema bleibt die Fed und ihre Anleihekäufe. Sollte die Notenbank diese reduzieren, profitiert der Greenback. Umgekehrt treibt die Aussicht auf eine nachlassende Schwemme billigen US-Notenbankgeldes die Investoren in Scharen aus Devisenanlagen in Schwellenländern. Nicht nur Indien muss gegensteuern.

Der Euro notiert wenig verändert zur US-Währung um das Niveau von 1,3340. Das in Jackson Hole stattfindende Notenbanktreffen dürfte auch am Freitag keine Akzente setzen. "Der Grund ist relativ einfach: Ben Bernanke, der seit seinem Amtsantritt 2006 immer zu Beginn gesprochen hat, nimmt diesmal nicht teil", sagt Lutz Karpowitz von der Commerzbank.

Und damit erhoffe sich der Markt auch keine Hinweise darauf, wann die Fed denn nun mit der Reduzierung der Wertpapierkäufe beginnen werde, so der Analyst weiter. Auch EZB-Präsident Mario Draghi bleibt dem Treffen dieses Jahr fern. Teil nimmt hingegen Fed-Vize Janet Yellen, der neben Larry Summers die größten Chancen auf die Nachfolge von Ben Bernanke eingeräumt werden.

Der Greenback profitiert generell weiter von der Aussicht auf den Rückzug der Fed von den Anleihekäufen und den daraus resultierenden steigenden Renditen am US-Rentenmarkt. Das mache sich besonders im Handel mit dem Yen bemerkbar.

Der ist zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit rund drei Wochen zurückgefallen. Der Greenback kostete im asiatisch dominierten Handel 99,01 Yen, verglichen mit Tagestiefs unter 98 Yen am Vortag.

"Angesichts der Erholung am Aktienmarkt reagiert der Yen wieder stärker auf die sich ausweitende Zinsdifferenz (zwischen Japan und den USA)", sagte Minori Uchida, Chef-Analyst bei der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Sollte es am Aktienmarkt nicht zu einem Rücksetzer kommen, dürfte der Dollar in der kommenden Woche wieder die 100er Marke testen, so der Experte weiter. Am Devisenmarkt haben die Währungen der Schwellenländer gegenüber dem Dollar weiterhin einen schweren Stand.

Indische Rupie gewinnt etwas an Kraft

Die indische Rupie legte nach ihrer jüngsten Talfahrt allerdings wieder etwas zu. Für einen Dollar wurden 64,51 Rupien gezahlt. Damit hat die Währung seit ihrem Rekordtief vom Vortag bei 65,56 Rupien rund 1,7 Prozent an Wert gewonnen.

Die indonesische Rupia fiel dagegen auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Für einen Dollar wurden 10,83 Rupia gezahlt, das war so viel wie seit April 2009 nicht mehr. Die Währung steuert auf die Woche mit der schlechtesten Wertentwicklung seit fünf Jahren zu.

In den vergangenen Jahren galten Anlagen in Schwellenländern wie Indien oder Indonesien unter ausländischen Investoren als äußerst renditeträchtig. Derzeit haben die Länder aber mit einer stockenden Konjunktur zu kämpfen. Deshalb ziehen immer mehr Investoren ihr dort angelegtes Kapital ab und setzen lieber auf eine konjunkturelle Erholung zum Beispiel der USA.

Die Ratingagentur Fitch hat unterdessen gesagt, Indien und Indonesien drohe zwar nicht unmittelbar eine Herunterstufung der Bonität. Sollten die Regierungen es allerdings nicht schaffen, die Finanzmärkte mit überzeugenden Schritten zu beruhigen, könnte das ein Thema werden.

Türkei sorgt für Verwirrung

Aus Furcht vor den Folgen einer nachlassenden Schwemme billigen US-Notenbankgeldes haben Anleger am Vortag erneut türkische Lira verkauft. Daran änderten auch Devisen-Verkäufe der türkischen Notenbank im Volumen von 350 Millionen Dollar nichts. Die türkische Zentralbank hat deshalb ein neues Bündel an Maßnahmen angekündigt, um den freien Fall der Lira zu stoppen und den Finanzmarkt des Landes zu stabilisieren.

Ökonomen sagten jedoch, der neue Schritt steigere nur die ohnehin schon große Verwirrung über die Politik des Notenbankgouverneurs Erdem Basci, was die türkische Wirtschaft endgültig zur Entgleisung bringen könnte.

Die Notenbank will täglich um 10.30 Uhr in Ankara jede zusätzliche Straffung der Geldpolitik ankündigen und außerdem den Minimumbetrag für Devisenverkäufe mitteilen.

Quelle: n-tv.de

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