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Dow Jones verliert nur leicht: Hat der Dax bei 8773 den Boden gefunden?

Eine Handelsspanne von 270 Punkten beweist, wie labil der Dax derzeit ist. Einem vielversprechenden Start folgt ein Kursrutsch, auf eine Gegenbewegung erneut ein Absacker. Öl und Euro belasten - aber nicht nur.

Am deutschen Aktienmarkt hat auch am Dienstag die Nervosität regiert. Nach dem Kursrutsch zu Wochenbeginn kletterte der Dax zunächst bis auf sein Tageshoch von 9042 Punkten, ehe es in einer wilden Berg- und Talfahrt mehrmals runter, rauf und wieder runter ging. Das Tagestief markierte der Leitindex bei 8773 Zählern. Eine daran anschließende Kaufwelle reichte aber nicht aus, um den Leitindex ins Plus zu hieven. Am Ende blieb ein "ruppiger Handel" - so n-tv Börsenexperte Frank Meyer - und erneut ein deutlicher Abschlag.

Der Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 1,1 Prozent und 8879 Punkten aus dem Handel. Am "Panic Monday" war der Leitindex 3,3 Prozent leichter bei 8979 Zählern aus dem Handel gegangen, nachdem er bereits in der Vorwoche insgesamt rund 5 Prozent abgegeben hatte. Seit Jahresbeginn summiert sich der Abschlag damit auf rund 17 Prozent. Der MDax schloss 0,6 Prozent tiefer bei 17.745 Stellen. Der TecDax verlor 0,6 Prozent auf 1490 Zähler. Aber auch bei MDax und TecDax lagen die Tagestiefstände deutlich darunter mit 17.434 und 1464 Punkten.

Am Montag war vor allem der Finanzsektor wegen der Angst vor Kreditausfällen in der Energiebranche unter die Räder geraten. Anleger fürchteten nun, dass der seit Monaten fallende Ölpreis viele Firmen aus dem Energie-Sektor in Bedrängnis bringen könnte. "Die Käufer stehen an der Seitenlinie und schauen erst einmal zu", sagte ein Händler. Daniel Saurenz von Feingold Research sprach von einem "Käuferstreik": "Die Mutigen fehlen."

USA: Wall Street mit geringem Minus

An der New Yorker Wall Street herrschte ein nervöser Handel. Größere Sorgen um eine andauernde Abkühlung der Weltkonjunktur und die sinkenden Ölpreise drückten die Stimmung. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte minimierte zum Handelsende hin seine Verluste und schloss nur 0,1 Prozent tiefer bei 16.014 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 fiel ebenfalls 0,1 Prozent auf 1852 Zähler. Der Nasdaq Composite verlor 0,4 Prozent auf 4269 Punkte.

Angesichts der weltweiten Finanzmarktturbulenzen zeigten sich viele Anleger vorsichtig. Sie investierten Händlern zufolge lieber in als sicher eingeschätzte Werte wie Gold, das weiter in der Nähe eines Sieben-Monatshochs notierte. Es sei sehr wahrscheinlich, dass es zu einer weiteren Korrektur bei Aktien komme, sagte der Chef von B Capital Wealth Management, Lorne Baring. An der Spitze dieser Entwicklung stünden Bankwerte. So verloren die Papiere der größten US-Bank JP Morgan 1,3 Prozent.

Auch für die Medienkonzerne ging es abwärts. Die MTV-Mutter Viacom fiel um 17,3 Prozent. Der Umsatz war im abgelaufenen Quartal wegen niedrigerer Werbeeinnahmen in den USA deutlicher zurückgegangen als erwartet. Niedrige DVD-Verkäufe brockten wiederum Twenty-First Century Fox niedrige Erlöse als prognostiziert ein. Die Aktie verbilligte sich um 2,4 Prozent.

Der Walt-Disney -Konzern wollte nach Börsenschluss seinen Quartalsbericht veröffentlichen. Der jüngste Teil der "Star Wars"-Saga hat dem Unternehmen zufolge einen Rekordstart hingelegt. Die Aktie verbilligte sich um 1,1 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise purzeln wieder

Am Abend ging es mit den Ölpreisen wieder kräftiger runter. Nordsee-Öl Brent kostete zum US-Handelsschluss mit 30,88 Dollar 6,1 Prozent weniger als am Montagabend. Das US-Leichtöl WTI verbilligt sich um 4,1 Prozent auf 28,48 Dollar je Fass (159 Liter), zwischenzeitlich lag der Preis unter der 28-Dollar-Marke.

Einer der Hauptprofiteure der aktuellen turbulenten Entwicklung an den Finanzmärkten ist Gold. Das vor nicht allzu langer Zeit noch für tot erklärte Edelmetall steigt seit Tagen massiv im Preis - und tat dies auch am Dienstag wieder. Eine Feinunze kostete am Abend 1197 Dollar. Das waren 0,7 Prozent mehr als zum Wochenauftakt.

Dax: Deutsche Bank als "Getriebene"

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Im Leitindex standen die Aktien der Deutschen Bank im Fokus. Vor allem die Aussagen zur Zinszahlungsfähigkeit wurden von einigen kritisiert. "Die Deutsche Bank wirkt wie ein Getriebener", sagte ein Händler: "Mit solchen Aussagen verspielt sie ihre Souveränität." Eine solche Großbank sollte es nicht nötig haben, sich dazu zu äußern, ob sie einen demnächst anstehenden Bond bedienen kann, dies sei eine Selbstverständlichkeit.

Die Titel zogen zeitweise mehr als 5 Prozent an, drehten am Nachmittag aber wieder ins Minus und schlossen mehr als 4 Prozent tiefer. Am Montag waren die Papiere um fast 10 Prozent eingebrochen. Coba-Anteilscheine warteten mit Abgaben von mehr als 4 Prozent auf. Auch sie waren am Montag um rund 9 Prozent eingebrochen. Auf der Gewinnerseite standen FMC und Deutsche Telekom mit Aufschlägen von jeweils um die 1 Prozent.

TecDax: SMA stark

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SMA Solar zählten zu den wenigen Werten mit deutlichen Gewinnen. Auf rund 6 Prozent belief sich das Plus am Handelsende. Händler führten dies auf eine Gegenbewegung gegen den heftigen Kurseinbruch vom Montag zurück. "Wir habe damit noch nicht einmal das Minus von gestern ausgebügelt, als alle Nebenwerte von Fonds geschüttet wurden", sagte ein Marktteilnehmer.

Holpriger Börsengang

Das Biotechunternehmen Brain ging trotz der aktuellen Turbulenzen an den Aktienmärkten an die Börse. Der erste Kurs der Aktie im Prime Standard der Frankfurter Börse lag bei 9,15 Euro und damit knapp über dem Ausgabepreis von 9 Euro. Schon zuvor musste das Unternehmen aber Abstriche beim Preis akzeptieren und sich von den erhofften bis zu 12 Euro verabschieden. Der Schlusskurs lag bei 8,95 Euro.

Asien: Nikkei bricht ein

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Abgabedruck kam am Morgen vor allem aus Asien. Hintergrund waren wachsende Sorgen über die Weltwirtschaft und die Stabilität des Finanzsektors. In Tokio brach der Nikkei um mehr als 5 Prozent ein. Er ging mit einem Abschlag von 5,4 Prozent bei 16.085 Punkten aus dem Handel. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte rund 1 Prozent niedriger. Viele Märkte in Asien  - darunter die Börsen in China - bleiben wegen des Neujahrsfestes die komplette Woche geschlossen. In Sydney fielen die Kurse zeitweise um mehr als 2 Prozent. Der Leitindex notierte auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

In Tokio gaben die Papiere der Finanzhäuser Mitsubishi UFJ Financial Group und Sumitomo Mitsui Financial Group jeweils rund 9 Prozent nach. Aktien der Mizuho Financial Group verloren mehr als 6 Prozent. Auch die Autowerte büßten deutlich ein.

Händler sprachen insgesamt von einer übertriebenen Reaktion am Aktienmarkt, zumal es fundamental kaum Neuigkeiten gebe. Denn Argumente wie sinkendes Wachstum bis hin zu Rezessionsängsten und der Ölpreisverfall sind keineswegs neu.

Devisen: Yen stark, Euro auch

Zugleich stieg die japanische Währung Yen auf den höchsten Wert gegenüber dem Dollar seit November 2014. Der Anstieg des angesichts der Unsicherheiten auf den Märkten als Rückzugswährung geschätzten Yen dämpft den Kauf von Aktien großer japanischer Exportfirmen. Vor diesem Hintergrund warnte der japanische Finanzminister Taro Aso vor der Yen-Rally und den Auswirkungen für die Volkswirtschaft. Der US-Dollar fiel auf 114,67 Yen nach Wechselkursen um 117,40 Yen am Montag. Zu Monatsbeginn stand die US-Währung noch bei 121.

Der Euro präsentierte sich ebenfalls wechselhaft - legte ab dem Nachmittag aber dann deutlich zu. Die Gemeinschaftswährung notierte am späten Abend bei 1,1294 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag noch auf 1,1236 Dollar fest nach 1,1101 Dollar zu Wochenbeginn.

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Quelle: n-tv.de

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