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Gleich zur Eröffnung war der Dax um mehr als vier Prozent eingebrochen.
Gleich zur Eröffnung war der Dax um mehr als vier Prozent eingebrochen.(Foto: REUTERS)

Dow und Dax getroffen: Hellas-Drama presst Märkte ins Minus

Das Scheitern der Verhandlungen zwischen Athen und seinen Geldgebern lässt die Aktienmärkte nicht kalt. Zwar bemühen sich Anleger, die Vorgänge zu relativieren. Doch die Vorzeichen sind teils tiefrot.

Der Schock der Griechenland-Verhandlungen hat an den Aktienmärkten für tiefrote Vorzeichen gesorgt. An der Wall Street schlossen die Indizes mit Verlusten. In Frankfurt ging es Markt ebenfalls deutlich bergab. Dort hatten gescheiterten Gespräche zwischen Griechenland und seinen Geldgebern den Leitindex gleich zur Eröffnung mehr als vier Prozent absacken lassen. Danach ging es aber wieder etwas nach oben. "Von Panik kann keine Rede sein", sagte ein Händler. Die Umfragen in Griechenland deuteten an, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung für einen Deal mit den Gläubigern aussprechen wird.

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Die Deutsche Bank warnte allerdings davor, dass selbst bei einem "Ja" der Griechen zu den Gläubiger-Plänen die Kuh noch nicht vom Eis sei. Das Problem sei die fehlende Glaubwürdigkeit der aktuellen Regierung in Athen, beschlossene Reformen in der Praxis auch umzusetzen. Ein Regierungswechsel sei daher möglicherweise von Nöten. Um dies zu bewerkstelligen, müsse möglicherweise der Druck seitens der Finanzmärkte zunächst weiter steigen.

Für Entsetzen hatte die Ankündigung des griechischen Premiers Alexis Tsipras gesorgt, eine Volksabstimmung zu den Reformforderungen einzuberufen und seine gleichzeitige Empfehlung, diese abzulehnen. Europas Finanzminister und der IWF sehen damit keine Vertrauensgrundlage für weitere Verhandlungen mehr. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Ela-Nothilfen danach auf dem aktuellen Niveau eingefroren, Banken und Börsen in Griechenland blieben geschlossen.

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Das Thema "Griechenland" wurde aber nicht nur negativ gesehen: "Viel wichtiger ist, dass die Eurozone klare Spielregeln für ihre Mitglieder definiert und sich daran hält", sagte ein Händler. Könne dies nur über einen Ausstieg der Griechen kommuniziert werden, sei dies eben der Preis dafür. Auch politisch sei das Signal stark: "Ein Grexit wäre gut für die längerfristige Stabilität der Eurozone", sagte Heino Ruland von Ruland Research. Im Gespräch mit n-tv.de sagte Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, dass nicht so sehr die Zukunft des wirtschaftlich eher unbedeutenden Griechenland die Entwicklung der Kurse künftig bestimmen dürfte, sondern vielmehr das globale wirtschaftliche Umfeld. Und dieses sei intakt.

"Damit hat niemand gerechnet"

An der Wall Street verlor der Dow-Jones-Index der Standardwerte zwei Prozent auf 17.596 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 sank 2,1 Prozent auf 2057 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 2,4 Prozent auf 4958 Punkte nach. Anfänglich hielten sich die US-Börsen noch recht wacker, doch mit weiteren Hiobsbotschaften nahm der Abgabedruck im Sitzungsverlauf stetig zu. Auch wenn der drohende Zahlungsausfall Griechenlands und der mögliche Austritt des Landes aus der Eurozone die US-Börsen belasten hatten, europäisches Niveau erreichten die Abgaben nicht.

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"Niemand hat damit gerechnet, dass die Lage so dramatisch ist. Die Wahrscheinlichkeit eines griechischen Austritts aus der Eurozone hat signifikant zugenommen", sagte Marktstrategin Rebecca O'Keeffe von Interactive Investor. In der zweiten Sitzungshälfte wurde bekannt, dass die griechische Regierung die am Dienstag fällige Rate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht überweisen wird. Doch damit nicht genug: Angesichts der geschlossenen Banken und der Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland hatte der Pensionsfonds IKA angekündigt, am Dienstag keine Renten auszuzahlen.

Am Aktienmarkt galt das Interesse General Electric. Die Aktien des Mischkonzerns verloren 1,7 Prozent, nachdem das Unternehmen den Verkauf seines Flottengeschäfts in Mexiko, Australien und Neuseeland angekündigt hatte. Überdurchschnittlich hoch fielen die Verluste der Aktien der großen US-Banken aus. Sie folgten den Aktien ihrer Wettbewerber aus der Eurozone nach unten, die allerdings mit durchschnittlich über 5 Prozent Minus deutlich stärker unter der jüngsten Entwicklung der griechischen Schuldenkrise litten.

Im Technologiesektor büßten Google 2,1 und Oracle "nur" 1,4 Prozent ein. Der Internetkonzern war im Urheberrechtsstreit um Oracles Java-Softwareplattform vor dem Obersten Bundesgericht der USA gescheitert. Der Supreme Court wies eine Beschwerde von Google zurück. Sysco fielen um 2,1 Prozent.

Angesichts des gerichtlichen Widerstands gab der Caterer die geplante Übernahme des Rivalen US Foods auf. Der südkoreanische US-Autobauer Hyundai ist neuer Sponsor der National Football League. Er verdrängt US-Wettbewerber General Motors, dessen Aktie sank um 3,3 Prozent.

Deutschland: Bank-Aktien sind die größten Verlierer

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Der Dax schloss am Ende mit einem Minus von 3,6 Prozent auf 11.083 Punkten. Sein Tagestief hatte er kurz nach Handelsbeginn bei 10.964 Punkten markiert. Der Nebenwerte-Index MDax büßte 2,7 Prozent auf 19.807 Zähler ein, auch er erlitt zu Handelsbeginn deutlichere Verluste. Der technologielastige TecDax verlor 2,8 Prozent auf 1645 Zähler. Für den Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 ging es 4,1 Prozent nach unten auf 3472 Punkte.

Größter Verlierer im Dax waren die Aktien der Deutschen Bank, die 5,8 Prozent abgaben. Die Commerzbank-Aktie musste ebenfalls deutliche Abgaben verkraften und fiel um 4,8 Prozent.

Die Deutsche Telekom, die an dem führenden griechischen Telekom-Anbieter OTE beteiligt ist, rutschte um 3,9 Prozent ab. Verhältnismäßig gut hielten sich noch Adidas und ThyssenKrupp, die lediglich 1,5 und 1,8 Prozent abgeben.

Trotz Griechenland-Krise zeigte sich der nächste Börsen-Aspirant in Deutschland optimistisch: Der Schmuckhändler Elumeo will trotz allem am Freitag noch vor dem Griechenland-Referendum den Gang auf das Börsenparkett wagen. Ado Properties zog allerdings die Reißleine. Der für diese Woche geplante Börsengang wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Devisen: Euro steigt wieder über 1,11 Dollar

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Die dramatischen Ereignisse in Griechenland vom Wochenende haben den Euro vorerst nicht aus der Bahn werfen können. Nachdem die Gemeinschaftswährung zunächst um zwei US-Cent schwächer in die neue Woche gestartet war, konnte der Euro seine Verluste im Tagesverlauf wieder wett machen. Am späten Nachmittag wurde der Euro bei einem Tageshoch von 1,1173 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,1133 (Freitag: 1,1202) US-Dollar festgesetzt.

Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank sieht beim Euro trotz der Turbulenzen wegen der Griechenland-Krise Erholungspotenzial. Es sollte bald deutlich werden, dass ein Kollaps der Gemeinschaftswährung nicht bevorsteht. Leuchtmann verweist auf die Rettungsinstrumente der EZB. Devisenstratege Athanasios Vamvakidis von Merrill Lynch äußerte sich hingegen weniger optimistisch: "Die Ereignisse werden zu einer Wiederaufnahme des Abwärtstrends beim Eurokurs führen."

Asien: Nikkei büßt wegen Hellas-Sorgen stark ein

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Die Sorge um eine nahende Staatspleite Griechenlands hat die Stimmung an den Märkten in Fernost gedrückt. In Japan fiel der Nikkei-Index der 225 führenden Werte am Montag um 2,9 Prozent auf 20.109 Punkte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans büßte ebenfalls mehr als zwei Prozent ein.

An den Finanzmärkten wird erwartet, dass Griechenland in den nächsten Tagen seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Die Banken des Landes bleiben diese Woche geschlossen.

An den Märkten in Asien herrsche die Sorge, dass Griechenland nach der drohenden Pleite die Euro-Zone verlasse, sagten Analysten. Für negative Vorzeichen sorgte auch die konjunkturelle Abkühlung Chinas. Die Zentralbank in Peking hatte am Wochenende zwar die Geldschleusen weiter geöffnet, aber den Kursverfall damit nicht bremsen können.

Der Leitindex in Shanghai gab etwa 3,7 Prozent nach. In Hongkong wurde ein Minus von 2,8 Prozent verzeichnet. Die Börse in Südkorea ging mit einem Minus von mehr als 1,5 Prozent aus dem Handel.

Rohstoffe: Griechenland-Krise belastet auch Ölpreise

Rohöl verbilligte sich dagegen mit den Schlagzeilen um Griechenland. US-Leichtöl der Sorte WTI schloss bei 58,33 Dollar und damit 2,2 Prozent unter Freitagsniveau, europäisches Referenzöl der Sorte Brent gab in ähnlicher Größenordnung nach. Am Markt machten Befürchtungen die Runde, die Nachfrage könnte zurückgehen. Die überraschende Zinssenkung der chinesischen Notenbank wurde als neuer Beweis dafür gewertet, dass die Wirtschaft des nach den USA zweitgrößten Ölverbrauchers schwächelt.

Außerdem schien eine Einigung im iranischen Atomstreit möglich, so dass schon bald die Sanktionen fallen und das Ölangebot damit steigen könnten. Zuletzt war wieder Bewegung in die Verhandlungen zwischen dem Iran und der internationalen Delegation gekommen. Bei den Verhandlungen hatten die internationalen Verhandlungspartner dem Iran einen Kompromissvorschlag zur Beilegung des Streits um die Inspektion von Militäranlagen vorgelegt.

Derweil zog der Goldpreis um 0,4 Prozent auf 1180 Dollar je Feinunze an. Lediglich die Kupfer-Kontrakte standen bei den Anlegern höher im Kurs, was Händler mit der chinesischen Zinspolitik begründeten. Kupfer verteuerte sich um 1,3 Prozent auf 5830 Dollar je Tonne. Chinas Notenbank hatte am Wochenende im Kampf gegen die Konjunkturabkühlung die Geldschleusen weiter geöffnet. China ist weltweit der größte Kupfer-Verbraucher. Allerdings gaben die Preise für die übrigen Industriemetalle wie Nickel und Zinn je zwei Prozent nach..

Quelle: n-tv.de

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