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Party, Kater, Party!: Dax feiert zum Abpfiff

Die Handelsspanne des Dax kann sich sehen lassen: 120 Punkte. Allerdings kostet das Auf und Ab einige Anlegernerven. Dafür hauptverantwortlich zeichnen Konjunkturdaten - aus Deutschland und den USA. Am Ende stimmt aber das Ergebnis.

Erst rauf, dann runter, und zum Handelsende wieder nach oben: Dieses Bild zeigte der Tageschart des Dax am Dienstag. Den deutlichen Kursgewinnen zum Handelsauftakt folgte am Vormittag bereits die Ernüchterung. "Enttäuschende Konjunkturdaten haben dem Dax den Wind aus den Segeln genommen", sagte n-tv-Börsenexpertin Sibylle Scharr. Erst bremsten schwächer als erwartet ausgefallene ZEW-Konjunkturerwartungen den Markt ein, das Plus blieb aber zunächst. Am Nachmittag legten frische US-Konjunkturdaten noch einmal nach. Die Ukraine-Krise und der Irak-Konflikt sorgten zudem weiter für eine "schwierige Gesamtgemengelage", unterstrich Scharr.

Der Dax schloss mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 9920 Punkten. Das Tageshoch betrug 9983 Zähler, das Tagestief 9861. Der MDax gewann am Ende 0,6 Prozent auf 16.932 Punkte. Der TecDax hielt sich mit einem Aufschlag von 1,3 Prozent bei 1313 Stellen am besten. Die Wall Street eröffnete mit leichten Abgaben, der Dow hangelte sich dann aber auf unverändertes Niveau nach oben.

Frühes Auf ...

Eine Summe positiver Faktoren machten Händler für das plötzliche Kursplus im frühen Handel aus. Eine nachrichtlich fundamentale Neuigkeit habe es dagegen nicht gegeben. "Eigentlicher Grund war der Sprung im Dax-Futures", sagte ein Marktteilnehmer. Hier habe die stabile Unterstützung bei 9900 Punkten für Eindeckungskäufe gesorgt und anschließend bei 9930 Punkten Kauf-Stops ausgelöst. "Angesichts der positiven Nachrichtenlage wollte sich dem auch niemand entgegenstellen", so der Händler weiter: "Verstärkt wird das durch Eindeckungen vor dem großen Verfall am Freitag. Ein Händler stellt sich auf einen Verfall im Dax zwischen 9900 und 10.000 Punkten ein. "In dem Bereich scheinen sich die meisten Anleger wohlzufühlen", hieß es.

Weiter im Fokus blieb auch der Konflikt im Irak und damit die Ölpreise, die zum Wochenstart auf ein Neumonatshoch gestiegen waren und am Dienstag wieder nachgaben.

... schnelles Ab

Die ZEW-Konjunkturerwartungen bremsten die Aufholbewegung des Dax dann aus. Im Mai fielen sie unter die Marke von 30 Punkten. Erwartet worden war ein weiterer Anstieg, der neunte in Folge. Auch von der US-Seite kamen am Nachmittag keine frischen Kaufimpulse - im Gegenteil: Die Verbraucherpreise stiegen stärker als erwartet, Baubeginne und -genehmigungen sanken dagegen stärker als prognostiziert. Insgesamt zeigte sich damit, dass der Erholungspfad für den US-Häusermarkt holprig bleibt. Die Baugenehmigungen gelten als Vorlaufindikator für die künftige Bauaktivität.

In den USA blicken die Marktteilnehmer aber bereits auf den Mittwoch und den Zinsentscheid der Federal Reserve. Beobachter erwarten, dass die Federal Reserve das Volumen der monatlichen Anleihekäufe von 45 auf 35 Milliarden Dollar senken wird. Interessanter ist aber die Frage, welchen künftigen Zinskurs die Fed den Marktteilnehmern signalisieren wird. Wenig Bewegung gibt es im Vorfeld der Fed-Sitzung auch am Devisenmarkt. Der Euro präsentierte sich ebenfalls mit Aufs und Abs.

Siemens im Dax-Blick

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Bei den Einzelaktien stand das Gebot von Siemens mit Mitsubishi Heavy für Teile von Alstom im Fokus. Sehr positiv für den Siemens-Kurs sahen Händler die nun vorgelegte offizielle Offerte. "Es ist das erhoffte gesichtswahrende Angebot", sagte ein Händler. Siemens zeige damit ein sehr vorsichtiges und damit anlegerfreundliches Vorgehen. Mit dem Gas-Turbinen-Geschäft biete Siemens wirklich nur für den Teil von Alstom, der das Unternehmensportfolio sinnvoll ergänze.

Die Angst, der Konzern "könnte sich politisch motiviert auch die unproduktiven Teile Alstoms ans Bein binden, ist damit vom Tisch", so ein anderer Marktteilnehmer. "Zudem ist die Gefahr beseitigt, dass im Rahmen eines Bieterkrieges zu viel bezahlt wird." Der Kurs legte 0,3 Prozent zu.

Pharmabranche vor nächstem Mega-Deal?

Bei den Sektoren profitierte unter anderem der Pharma-Bereich von erneuter Übernahmefantasie, diesmal bei Shire in Großbritannien. Das ziehe auch Bayer und Merck KGaA mit, hie0 es am Markt. Bayer verteuerten sich um 0,1 Prozent, Merck um 0,2 Prozent.

Acea-Zahlen pushen Autowerte

Im Automobil-Sektor hätten dagegen die guten Acea-Absatzzahlen überrascht, was durch positive Analystenkommentare noch einmal vestärke. Dementsprechend führe der Sektor die Branchenliste an, hieß es auf dem Parkett. Volkswagen gewannen 0,5 Prozent. Der erneute Millionen-Rückruf des US-Konkurrenten General Motors spielte den Wolfsburgern zusätzlich in die Karten. BMW drehten am Ende mit 0,2 Prozent ins Minus.

Die deutlichsten Gewinne wiés aber Daimler mit 0,9 Prozent auf. "Zusätzlich zu den guten Acea-Absatzzahlen hat die BNP Paribas Continental und Daimler auf ihrer Focus List nochmal explizit empfohlen", sagte ein Händler. Das sorgte für zusätzliche Käufe. Conti zeigten sich unbeeindruckt - weil unverändert.

Lufthansa im Abwärtssog

Die Lufthansa-Aktien setzten ihre Abwärtsbewegung fort. Im Handel wurden zwei Hauptgründe für den andauernden Druck ausgemacht. Die Papiere litten weiter unter der jüngsten Gewinnwarnung, sagte ein Händler. Ein zweiter Teilnehmer verwies dagegen vornehmlich auf den ausufernden Irakkonflikt, der einen Anstieg des Ölpreises zur Folge gehabt habe. Zwar gebe der Ölpreis am Dienstag leicht nach. Anleger, die an eine länger andauernde Krise glaubten, dürfte dies aber nicht allzu sehr beruhigen, begründete der Marktteilnehmer. Lufthansa verloren 2,0 Prozent.

Telekom-Sektor am Ohr

Positiv für Telefonica Deutschland werteten Händler Presseberichte, wonach die EU das Gebot für E-Plus von KPN genehmigen wird. Telefonica will den deutschen Konkurrenten für 8,6 Milliarden Euro übernehmen, hatte dazu aber noch keine offizielle Genehmigung von der EU-Wettbewerbsbehörde erhalten. "Wenn es nun endlich offiziell ist, sollte das den Kurs stützen", so ein Händler. Die Anteilsscheine legten fast 5 Prozent zu.

Tui flattern

Tui gewinnen 0,1 Prozent. Deutlich abwärts ging es für Moller-Maersk nach unten - um fast 7 Prozent. Der dänische Logistikkonzern hat mitgeteilt, dass eine geplante Allianz mit der französischen CMA-CGM und der Schweizer Mediterranean Shipping Company am Widerstand der chinesischen Behörden gescheitert ist. Die Logistikkonzerne hatten sich durch die gemeinsame Nutzung von Frachtschiffen und Hafenanlagen erhebliche Kosteneinsparungen erhofft.

Quelle: n-tv.de

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