Wirtschaft
Portugals Bankensektor macht wieder Probleme. Die Anleger sind alarmiert.
Portugals Bankensektor macht wieder Probleme. Die Anleger sind alarmiert.(Foto: picture alliance / dpa)

190 Punkte abwärts: Euro-Krise verunsichert Dax-Anleger

Portugals Bankensektor ist das Hauptthema an den Aktienmärkten. Die Sorgen der Anleger vor einem Flächenbrand sind nicht von der Hand zu weisen. Und so sacken die Kurse deutlich ein - auf breiter Front.

Isoliertes Problem oder doch ansteckende Krankheit? Die Kursverluste an der Lissaboner Börse sind am Donnerstag auch voll auf den deutschen Aktienmarkt durchgeschlagen. Die Anleger reagierten verschreckt angesichts der Angst vor einem Wiederaufleben der Bankenkrise. Sie verkauften queerbeet. Schwache Daten zur Industrieproduktion aus Frankreich und Italien und enttäuschende Konjunkturzahlen aus China und Japan taten ihr Übriges.

Der Dax ging mit einem Abschlag von 1,5 Prozent und einem Stand von 9659 Punkten aus dem Handel. Damit zeigte er sich wieder etwas von seinem Tagestief bei 9617,59 Zählern erholt. Zum Start hatte der deutsche Börsenleitindex noch bei 9807,25 Stellen gelegen - das war auch sein Tageshoch. Der MDax lag am Schluss 0,9 Prozent tiefer bei 16.280 Punkten, der TecDax 2,1 Prozent bei 1267 Stellen. Auch die Wall Street verzeichnet zum Start fallende Kurse.

Erst die Fed, dann die Eurozone

"Der Dax bekommt richtig eins auf die Mütze", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Sibylle Scharr bereits am Nachmittag Die Wochenverluste summierten sich beim Dax damit mittlerweile auf rund 3,5 Prozent.

Die Börse in Portugal setzte ihre Talfahrt der vergangenen Tage beschleunigt fort und brach zeitweise um gut 4 Prozent ein. In Madrid und Mailand ging es um rund 2,5 Prozent abwärts. Der Euro verlor ebenfalls. Großer Gewinner war neben deutschen Bundesanleihen der sichere Hafen Gold.

Angst vor der "Espirito-Krise"

Am portugiesischen Aktienmarkt brach sich die seit Tagen herrschende Angst vor den Folgen undurchsichtiger Investments Bahn. Wie befürchtet hat nun das portugiesische Konglomerat Espirito Santo International die Rückzahlung von Geldmarktpapieren verschoben. Die portugiesische Holding hält 25 Prozent an der Banco Espirito Santo über die Tochter Espirito Santo Financial Group. An den Märkten geht nun die Furcht vor einer Ansteckung und einer neuen, sich ausbreitenden Bankenkrise um.

"Die Zuspitzung der Krise da unten dehnt sich auch auf Spanien und Italien aus", so ein Händler. Investoren werde immer schmerzlicher bewusst, dass sie in Anleihen dieser Staaten überinvestiert waren. Kurzzeitig lagen Spaniens Renditen sogar unter denen der US-Treasuries. "Das wird nun angesichts der Espirito-Krise massiv korrigiert", hieß es am Markt. Bereits in den vergangenen Tagen waren die Renditen Portugals, aber auch Spaniens und Italiens deutlich gestiegen.

An der Börse in Lissabon hat Espirito Santo Financial seine Aktien und Anleihen vom Handel aussetzen lassen. Banco Espirito Santo setzten ihren freien Fall derweil mit einem Minus von deutlich mehr als 10 Prozent fort. Für Portugal Telecom ging es ebenfalls deutlich abwärts. Das Unternehmen ist in der unglücklichen Lage, Gläubiger der problembehafteten Papiere zu sein.

"Wenn es irgendwelche Probleme mit einheimischen Banken (Banco Espirito Santo) geben sollte, dann ist nicht wirklich klar, wie diese gelöst werden", hieß es von RBC. Und selbst wenn es sich bei der Banco Espirito Santo um einen Einzelfall handeln sollte, so zeige dieser doch die Probleme auf, die ein früher Exit aus dem Rettungsschirm bei einer gleichzeitig schwachen Konjunktur, einem wackeligen Bankensystem und maroden Staatsfinanzen aufwerfe.

Banken abgestraft

Unter den Einzelwerten im Dax - alle schlossen leichter -lagen dann auch die Banktitel an der Spitze der Verliererliste: Commerzbank sackten 1,6 Prozent weg, Deutsche Bank brachen 1,9 Prozent ein.

Sinkflug bei der Lufthansa

Auch Lufthansa zogen deutlich nach unten: 3,8 Prozent. Die Pläne von Unternehmenschef Carsten Spohr für eine Zusammenarbeit mit Turkish Airlines sorgten für Irritationen. Die Türken wiesen Spohrs Darstellung von "fortgeschrittenen Gesprächen" zwischen den beiden Unternehmen zurück.

"Adidas-Finale"

Auch die Autowerte standen auf der Verliererseite: Am deutlichsten reduzierten sich BMW mit 1,4 Prozent. Daimler gaben 1,6 Prozent ab, VW noch 0,1 Prozent.

Adidas drehten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus: 0,4 Prozent. Stützend wirkte lange Zeit das anstehende Fußball-WM-Finale Deutschland gegen Argentinien. Beide Teams werden von den Herzogenaurachern ausgerüstet. Das dürfte den bisher bereits gut laufenden Geschäften von Adidas noch einmal Auftrieb geben. Gastgeber Brasilien und die Niederlande - beides Nike-Teams - bestreiten das Spiel um Platz drei.

Endlich mal keine Gewinnwarnung

Darüberhinaus wanderten die Blicke der Anleger zu den Nebenwerten: Erleichtert reagierte der Markt auf die Quartalszahlen von Südzucker. "Endlich gibt es mal keine Gewinnwarnung von Südzucker", sagte ein Händler mit Blick auf mehrere Gewinnwarnungen des Zuckerproduzenten in der jüngeren Vergangenheit. Der operative Gewinn liege im ersten Quartal um mehr als ein Viertel über der Konsensprognose. Südzucker lagen lange mehr als 3 Prozent im Plus, schlossen dann aber doch 0,9 Prozent schwächer.

Positiv sahen Händler auch den Zwischenbericht von Gerresheimer, ein Marktteilnehmer sprach von "soliden" Geschäftszahlen. Am Ende gingen die Anteilsscheine 3,5 Prozent fester aus dem Handel.

Tui warteten mit einem Minus von 0,5 Prozent auf, nachdem JP Morgan die Aktien mit einem Kursziel von 14,50 Euro auf "Übergewichten" angehoben hatte.

Dagegen konnten Fraport von positiven Monatszahlen nicht profitieren, die Anteilsscheine verloren 1,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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