Wirtschaft
Ein nahezu vollbesetzter Passagierjet fällt dem Ukraine-Konflikt zum Opfer: An der New Yorker Wall Street treten Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen in den Hintergrund.
Ein nahezu vollbesetzter Passagierjet fällt dem Ukraine-Konflikt zum Opfer: An der New Yorker Wall Street treten Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen in den Hintergrund.(Foto: REUTERS)

Jet-Abschuss, Gaza-Offensive: Dow fällt unter 17.000

Die Weltpolitik teilt harte Schläge aus: Mit den beunruhigenden Nachrichten aus dem Nahen Osten und der Ukraine kippt im New Yorker Aktienhandel die Stimmung. Das jüngste Rekordhoch ist Geschichte.

Nach einem vergleichsweise ruhigen Handelstag überschlagen sich kurz vor Handelsschluss die Ereignisse: Die sich wieder zuspitzende Ukraine-Krise hat den US-Leitindex unter die Marke von 17.000 Punkten gedrückt.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,94 Prozent im Minus bei 16.976,81 Punkten. Im Verlauf hatte der Dow noch ein neues Rekordhoch bei 17.151 Punkten markiert. Der marktbreite S&P-500-Index fiel um 1,18 Prozent auf 1958,12 Punkte. An der Technologiebörse büßte der Auswahlindex Nasdaq 100 1,38 Prozent auf 3878,01 Punkte ein. In Frankfurt war der Dax zuvor bereits deutlich zurückgefallen.

Auslöser der Trendwende waren die Berichte über einen Flugzeugabsturz im Osten der Ukraine. Eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines stürzte inmitten des von Separatisten kontrollierten Gebiets ab. Regierungstruppen und Separatisten beschuldigen sich gegenseitig, den Jet abgeschossen zu haben. Beobachter werten den Vorfall als Eskalation der Gewalt - mit bislang kaum überschaubaren Folgen.

"Aus Sicht der Finanzmärkte muss man hoffen, dass sich zwischen dem Absturz der Maschine und Russland keine Verbindungen ergeben", sagte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Denn dann könnte die Lage auch am Energiemarkt eskalieren. Weitere Sanktionen gegen Russland wären wohl die Folge mit vermutlich unabsehbaren Auswirkungen. Ein solches Szenario wäre der sprichwörtliche "schwarze Schwan", mit dem niemand an den Märkten rechnen könne.

Am Abend erreichten dann auch noch die Nachrichten aus dem Nahen Osten den New Yorker Handel. Die israelischen Streitkräfte drangen mit Bodentruppen in den Gazastreifen vor. Die Operation soll nach israelischen Angaben ein begrenzter Einsatz sein. "Es werden bestimmte Orte im Gazastreifen angegriffen", sagte Militärsprecher Arye Shalicar. Es werde im Norden, Süden und Osten des Küstenstreifens operiert. Ziel der Offensive sei die Infrastruktur der radikal-islamischen Hamas. Das militärische Vorgehen schürt an den US-Börsen Ängste vor einer weiteren Eskalation der Gewalt.

Bau enttäuscht, gute Arbeitsmarktdaten

In dem vergleichsweise ruhigeren Handel zuvor hatten Konjunkturdaten ein gemischtes Bild der Wirtschaft der Vereinigten Staaten gezeichnet. Bei den US-Konjunkturdaten fallen die Baubeginne gegenüber dem Vormonat um 9,3 Prozent auf den Jahreswert von 893.000, was der schwächste Wert seit September 2013 ist. Ökonomen haben dagegen einen Anstieg um 1,4 Prozent prognostiziert. Der langfristige Durchschnitt der Baubeginne in den USA liegt aufs Jahr gerechnet bei rund 1,5 Millionen.

Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen ist im Juni um 4,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. Hier hatte die Prognose auf ein Plus von 3,5 Prozent gelautet. Die Baugenehmigungen gelten als Vorlaufindikator für die künftige Bauaktivität.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind in der Woche zum 12. Juli wider Erwarten leicht gesunken. Im Vergleich zur Vorwoche fiel die Zahl auf saisonbereinigter Basis um 3000 auf 302.000 Anträge. Volkswirte haben einen Anstieg auf 310.000 vorhergesagt. In der Woche zum 5. Juli erhielten zudem 2,51 Millionen Personen Arbeitslosenunterstützung. Dies war eine Abnahme gegenüber der Vorwoche um 79.000.

Das verarbeitende Gewerbe in der Region Philadelphia wächst nach den Ergebnissen einer Umfrage im Juli unerwartet stark. Der von der Federal Reserve Bank of Philadelphia berechnete Diffusionsindex für die allgemeine Wirtschaftstätigkeit in der Region stieg auf plus 23,9. Volkswirte haben einen plus 16,0 erwartet, nachdem der Index im Vormonat bei plus 17,8 gelegen hat. Negative Werte deuten auf eine Kontraktion der Geschäftstätigkeit, positive Zahlen auf eine Expansion. Auf Unternehmensseite nahmen US-Anleger die jüngsten Quartalszahlen überwiegend positiv auf.

Paypal hilft Ebay

Am Vorabend hatte Ebay seinen Quartalsbericht vorgelegt. Der Online-Handelskonzern bekam die Auswirkungen eines Hackerangriffs zu spüren. Der Umsatz des Unternehmens fiel etwas schlechter aus als von Analysten erwartet. Vor allem dank seines erfolgreichen Bezahldienstes PayPal konnte Ebay im Quartal aber immer noch ein Umsatzplus von 13 Prozent verzeichnen auf annähernd 4,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6 Prozent auf unterm Strich 676 Millionen Dollar. Ebay-Aktien schlossen 0,6 Prozent fester.

Morgan Stanley liefert

Morgan Stanley (MS) hat den Gewinn im Kerngeschäft im zweiten Quartal mehr als verdoppelt. Anders als an der Wall Street teilweise erwartet, war der Ertrag des Investment Bankings nicht leicht rückläufig. Damit ist die Berichtssaison im US-Bankensektor abgeschlossen. Die Ergebnisse fielen bei weitem nicht so schlecht aus, wie zunächst befürchtet worden war. Die Aktie von MS fielen 0,6 Prozent zurück.

Microsoft im Sparmodus

Microsoft-Chef Satya Nadella greift fünf Monate nach seinem Amtsantritt durch und will die Struktur des Konzerns vereinfachen. Dies betrifft besonders das kürzlich übernommene Handy-Geschäft von Nokia. Bis zu 18.000 Stellen sollen in den kommenden zwölf Monaten wegfallen, teilte Microsoft mit. Die Belastungen durch die Restrukturierung werden auf 1,1 bis 1,6 Milliarden Dollar vor Steuern beziffert. Der Aktienkurs stieg um gut 1 Prozent.

Zur Wochenmitte hatte der Dow-Jones-Index mit einem Aufschlag von rund 0,5 Prozent bei 17.138 Punkte geschlossen und damit das dritte Rekordhoch in dieser Woche in Folge perfekt gemacht. Der S&P-500 war 0,4 Prozent auf 1982 Zähler angesprungen. Der Nasdaq Composite hat sich um 0,2 Prozent auf 4426 Stellen verbessert.

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Quelle: n-tv.de

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