Wirtschaft
Moskau stemmt sich mit aller Macht gegen den freien Fall des Rubel.
Moskau stemmt sich mit aller Macht gegen den freien Fall des Rubel.(Foto: picture alliance / dpa)

Angst vor Pleite wie 1998: Moskau kämpft gegen Rubel-Panik

Moskau geht im Kampf mit den Märkten in die nächste Runde: Nach der verpufften Zinserhöhung soll es weitere Schritte geben. Die russische Börse erlebt den schlimmsten Sturz ihrer Geschichte, die Märkte spielen schon eine Pleite Russlands durch.

Kreml und russische Zentralbank stemmen sich mit allen Mitteln gegen den dramatischen Absturz des Rubels, der die Gefahr einer erneuten Staatspleite des Riesenreichs heraufbeschwört. Notenbankchefin Elwira Nabiullina versicherte, im Schulterschluss mit der Regierung weitere gegen den freien Fall des Rubels vorzugehen. "Nach der Entscheidung zur Anhebung der Zinsen werden von Seiten der Zentralbank noch weitere Schritte folgen", sagte der stellvertretende Gouverneur Sergei Schwetsow. Die Lage sei schwierig und ähnele in mancher Hinsicht der Krise von 2008.

Die russische Währung stabilisierte sich daraufhin etwas, für einen Dollar werden aber immer noch 72 Rubel fällig, zwischenzeitlich war die US-Devise sogar auf gut 79 Rubel gestiegen. Ein Euro kostete zeitweise sogar mehr als 100 Rubel. In der Nacht hatte die Zentralbank die Zinsen dramatisch um 6,5 Prozent auf 17 Prozent angehoben, um den Rubel-Rutsch zu stoppen. Doch die verzweifelte Zins-Attacke half nur kurz und verpuffte. Gemessen an ihrem Tageshoch von 58 Rubel je Dollar hat die russische Währung damit an nur einem Tag fast ein Viertel ihres Werts verloren. Seit Jahresbeginn ist der Rubel um fast die Hälfte eingebrochen. 

"Die Leute sind hochgradig nervös", sagte ein Händler. "Was da auch an den russischen Märkten abgeht ist der nackte Wahnsinn." In Moskau brach der Leitindex um fast 20 Prozent ein - der größte Tagesverlust seiner Geschichte. Unter Anlegern macht sich die Einschätzung breit, dass auch ein Zinssatz von 17 Prozent nicht ausreichen wird, den massiven Druck auszugleichen, der von sinkenden Ölpreisen und westlichen Sanktionen gegen Russland und den Rubel ausgeht. "In einer solchen Situation muss die Zentralbank eines Schwellenlandes den Markt unbedingt besiegen, indem sie zusätzlich noch Dollar in großem Stil verkauft", schrieb Luis Costa, Analyst bei der Citigroup.

Kapitalkontrollen drohen

Russland sitzt noch auf Devisenreserven von 416 Milliarden Dollar und wird diese zur Stabilisierung seiner Währung wohl zusehends aufbrauchen. Daher werden bereits Stimmen laut, die vor Parallelen mit der Rubel-Krise von 1998 warnen: Damals war Russland zahlungsunfähig und konnte nur mit Milliardenhilfen von IWF und Weltbank über Wasser gehalten werden. "Die Zentralbank wird es sehr schwer haben, den Rubel zu stabilisieren, solange der Ölpreisverfall anhält", sagte Ökonom Wladimir Miklaschewsky von der Danske Bank. Analysten sprachen von Panik.

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Notenbank-Chefin Nabiullina spielte die Situation am Dienstag herunter. Es brauche Zeit, bis sich die Märkte nach der Zinserhöhung stabilisierten, sagte sie. Gleichzeitig wies sie die Forderungen einiger Politiker nach der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen zurück. Ökonomen warnen bereits, der Notenbank drohe ein Verlust der Kontrolle über den Devisenmarkt. Möglicherweise bleibe am Ende keine Alternative, als den Rubel-Handel stärker zu kontrollieren. "Kapitalmarktkontrollen als eine politische Maßnahme dürfen nicht vom Tisch sein", schrieb etwa Citibank-Analyst Costa.

"Die Notenbank sollte sich nun äußern statt ruhig zu halten", sagt Devisen-Stratege Alexei Kulakow von Promsvyazbank. "Die Zinserhöhung ist gut, kommt aber zu spät." Wäre der Schritt schon am vergangenen Donnerstag gekommen und mit einer Reihe von Interventionen begleitet worden, dann hätte dies die Märkte beruhigt.

Moskau spielt Pleitegefahr herunter

Die Notenbank nimmt mit ihrer jüngsten Zinserhöhung zugleich in Kauf, die drohende Rezession noch zu verschlimmern. Denn hohe Zinsen machen Kredite teuer und bremsen so die Wirtschaft. Die Talfahrt der russischen Währung hatte sich im Zuge der westlichen Sanktionen als Folge der Ukraine-Krise beschleunigt. Die Konjunktur ist eingebrochen, Investoren zogen zuletzt Milliarden Dollar ab. Auch der fallende Ölpreis hat ein Loch in den Haushalt des rohstoffreichen Landes gerissen. Die russische Wirtschaft könnte der Moskauer Zentralbank zufolge im kommenden Jahr um rund 4,5 Prozent schrumpfen, sollte sich der Ölpreis bei 60 Dollar je Barrel einpendeln.

Der Preis für einen Barrel der Sorte Brent sank am Dienstag erstmals seit fünf Jahren wieder unter die Marke von 60 Dollar. Aktuell müssen nur noch 59,18 Dollar bezahlt werden, nachdem es in der Spitze am Vortag noch 63,25 Dollar waren. Russland ist wirtschaftlich von Öl- und Gasexporten abhängig.

Doch Moskau bemüht sich nach Kräften, Sorgen über eine drohende Pleite zu zerstreuen. Russische Banken haben wegen der westlichen Sanktionen im Zug der Ukraine-Krise Mühe, genügend Devisen aufzutreiben, um ihre Dollar-Schulden zu begleichen. Ausländische Investoren wiederum halten sich zurück, weil die Entwicklung der Lage unklar ist.

Nabiullina trat in dem Interview des Senders Rossija-24 Befürchtungen entgegen, die russischen Firmen könnten ihre Schulden im Ausland nicht mehr begleichen. An den Finanzmärkten wächst zugleich die Nervosität. Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets russischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich am Dienstag um 34.000 auf 581.000 Dollar, wie der Datenanbieter Markit mitteilte. Das sei der höchste Stand seit fünfeinhalb Jahren.

Quelle: n-tv.de

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