Wirtschaft
Shinzo Abe, Japans Premierminister und Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei: Anleger sehen in ihm einen Garanten für massive Konjunkturstimuli.
Shinzo Abe, Japans Premierminister und Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei: Anleger sehen in ihm einen Garanten für massive Konjunkturstimuli.(Foto: dpa)

Politische Börse in Japan: Nikkei geht in Deckung

An den asiatischen Aktienmärkten bereiten Anleger ihre Depots auf die anstehenden Oberhauswahlen in Japan vor: Sollte die Partei hinter Ministerpräsident Abe wider Erwarten nicht stärkste Kraft werden, drohen nicht nur an der Börse in Tokio größere Umschichtungen.

Der Aktienmarkt in Tokio hat den letzten Handelstag der Woche mit Verlusten beendet: Anleger hätten nach den Kursanstiegen in den vergangenen Tagen Gewinne mitgenommen, erklärten Händler.

Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel um 218,59 Punkte oder 1,48 Prozent auf 14.589,91 Punkte. Der breit gefasste Topix sank um 10,03 Punkte oder 0,82 Prozent auf 1211,98 Punkte. Im gesamten Wochenverlauf gewann der Nikkei-Index 0,58 Prozent. Der Topix legte um 0,83 Prozent zu.

Die Gewinnmitnahmen machten ein das im Verlauf erreichte Zwei-Monats-Hoch an der Tokioter Börse wieder zunichte. Vor allem Großanleger aus dem Ausland seien vor den japanischen Oberhauswahlen am Sonntag lieber auf Nummer Sicher gegangen, sagten Händler. Umfragen zufolge dürfte die von Ministerpräsident Shinzo Abe geführte Regierungskoalition auch die Wahl zur zweiten Parlamentskammer für sich entscheiden und somit die konjunkturstimulierende Politik fortsetzen.

Alles andere als ein überragender Wahlsieg sei eine Enttäuschung, sagten Händler. Die Wirtschaftspolitik Abes hat unter anderem zu einer massiven Abwertung des Yen geführt, was vor allem den Exporteuren Japans zugutekommt.

Die Aussicht, dass die Abes Regierungskoalition auch das Oberhaus für sich entscheidet und somit die konjunkturstimulierende Politik fortgesetzt wird, hatte den Markt zunächst beflügelt. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index stieg im frühen Handel zeitweise um mehr als ein Prozent und erreichte damit im Verlauf den höchsten Stand seit acht Wochen. Im späten Handel setzten dann die Gewinnmitnahmen ein. Der japanische Leitindex fiel bis zu 2,7 Prozent zurück. Bis zur Schlussglocke erholte er sich von diesem Tiefstand nur leicht.

Bei den Einzelaktien legten die Titel von Sharp im Verlauf bis zu 6,1 Prozent zu, schlossen dann aber nur mit einem Plus von 0,9 Prozent. Medienberichten zufolge plant der Konzern bis Ende September mittels Aktienverkäufen eine Milliarde Dollar einzunehmen.

Am Devisenmarkt stießen Anleger den Dollar ab und stiegen vor den Wahlen am Sonntag wieder in den Yen ein. Die US-Währung tendierte um die Marke von 100 Yen. Der Euro wurde mit 131,25 Yen bewertet. Der Dollar geriet auch zur Gemeinschaftswährung unter Druck, die auf 1,3131 Dollar nach 1,3108 Dollar zulegte.

US-Notenbankchef Ben Bernanke sagte vor dem Bankenausschuss des Senats in Washington, dass die Federal Reserve angesichts der niedrigen Inflation und der noch immer hohen Arbeitslosigkeit beabsichtige, auf "absehbare Zeit" an der sehr konjunkturstimulierenden Geldpolitik festhalte. Er wolle zunächst eine "nachhaltige Verbesserung" am Arbeitsmarkt sehen, bevor an ein Herunterfahren der Staatsanleihenkäufe zu denken sei.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen