Wirtschaft
Von hier aus nach Europa: Im Rohöllager des Seehafens Hariga bei Tobruk zeugt der Farbanstrich vom Ausbauzustand der libyischen Anlagen.
Von hier aus nach Europa: Im Rohöllager des Seehafens Hariga bei Tobruk zeugt der Farbanstrich vom Ausbauzustand der libyischen Anlagen.(Foto: dpa)

Kriegsangst im Nahen Osten: Ölpreise ziehen an

Unerwartet schwache Signale aus dem US-Immobilienmarkt wirken im Handel mit Rohstoffen wie Rohöl oder Gold kräftig nach: Unter nervösen Anlegern schüren die Daten neue Inflationssorgen. Der Preis für Gold reagiert deutlich. Die massiven Kriegsdrohungen im Nahen Osten treiben die Ölpreise.

Die Furcht vor einem stockenden Nachschub hat den Ölpreis zu Wochenbeginn gestützt. Die richtungweisende Nordsee-Sorte Brent steigt zeitweise um 0,6 Prozent und war mit 111,68 Dollar je Barrel so teuer wie zuletzt Anfang April. Der Preis für Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) klettert in der Spitze um bis zu 0,9 Prozent auf 107,37 Dollar je Fass.

Händlern zufolge fürchteten Anleger, dass sich die Spannungen in Ägypten und Syrien auf den Öl-Nachschub auswirken könnten. Die Aussicht auf ein möglicherweise militärisches Eingreifen der USA in Syrien treibe den Ölpreis nach oben, sagte Timothy Radford, Analyst bei Investment-Firma Rivkin in Sydney. Am Samstag hatte US-Präsident Barack Obama mit seinen Sicherheitsberatern über mögliche Reaktionen auf einen vermuteten Giftgas-Angriff auf syrische Zivilisten beraten.

Auch Ägypten, das zuletzt die schlimmsten Unruhen seit 60 Jahren erlebt hatte, bereitete den Investoren weiter Kopfschmerzen. Das Land am Nil ist zwar kein wichtiger Ölförderer. Anleger fürchteten jedoch, dass die Unruhen auf andere Staaten wie zum Beispiel Saudi-Arabien übergreifen. Darüber hinaus ist der Suezkanal eine wichtige Transport-Route für Rohöl und andere Güter. Zusätzliche Unterstützung erhalten Ölpreisspekulationen von der zunehmenden Kriegsangst im Nahen Osten, speziell in Syrien.

Am Morgen ließen die Nachwirkungen überraschend schwache Konjunkturdaten aus den USA Investoren weiter auf anhaltend billiges Geld im Dollar-Raum hoffen. Die Erwartung einer anhaltenden und potenziell inflationstreibenden Liquiditätsflut wirkt dabei vor allem auch auf den Preis für Gold. Zu Wochenbeginn stieg der Goldpreis in der Spitze bis auf 1407 Dollar je Feinunze gestiegen - das ist der höchste Stand seit dem 6. Juni. Im Vorfeld der US-Daten vom Freitag hatte er noch bei gut 1370 Dollar gelegen. Aktuell kostet die Feinunze 1394,30 Dollar.

Der Auslöser der aktuellen Überlegungen am Markt: In der größten Volkswirtschaft der Welt war der Verkauf neuer Häuser im Juli überraschend eingebrochen. Nach der Veröffentlichung der enttäuschenden Daten rechnen viele Anleger vorerst nicht mit einer Drosselung der Anleihekäufe in den USA. Mit den Käufen kurbelt die US-Notenbank die US-Wirtschaft an.

US-Bauern bangen um die Ernte

Spekulationen auf Ernteausfälle in den USA treiben die Preise für zahlreiche Agrar-Rohstoffe zu Wochenbeginn in die Höhe: Der Mittlere Westen der USA leide unter überdurchschnittlichen Temperaturen und unterdurchschnittlichen Niederschlägen, sagte Analystin Joyce Liu von Philip Futures. Meteorologen zufolge ist trotz vereinzelter Schauer eine Entspannung der Lage vorerst nicht in Sicht.

Der Terminkontrakt auf Weizen zur Lieferung im Dezember verteuerte sich um 2,1 Prozent auf 6,595 Dollar je Scheffel. Mais notierte sogar 3,8 Prozent fester bei 4,8775 Dollar. Der Sojabohnen-Future gewann ähnlich stark und kostete 13,785 Dollar.

Sojaöl zog an den Börsen in Chicago und dem chinesischen Dalian um jeweils vier Prozent auf 44,72 US-Cent je Pfund beziehungsweise 7362 Yuan (1203 Dollar) je Tonne an. Im Schlepptau des Sojaöls stieg Palmöl, das ebenfalls als Lebensmittel, Grundstoff für Cremes oder Bio-Kraftstoff genutzt wird, an der Börse Kuala Lumpur um bis zu 3,5 Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 2451 Ringgit (742 Dollar) je Tonne.

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Quelle: n-tv.de

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