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Euro katapultiert Dax nahe 12.000: Wall Street fehlt die Spritzigkeit

Der starke Dollar wird an der US-Börse langsam zum Problem. Zunehmend drücken die prognostizierten Gewinn-Rückgänge bei US-Unternehmen auch die Kurse. Hinzu kommt ein wieder fallender Ölpreis. Völlig frei macht sich von all dem der Dax.

Mit Abgaben hat die Wall Street den letzten Handelstag der Woche beendet. Nach der kurzfristigen Erholung am Vortag gingen die Indizes wieder auf Talfahrt. Vor allem der weiter zulegende Dollar drückte auf die Stimmung und verstärkte die Sorgen, dass sich dies negativ in den Bilanzen der Unternehmen niederschlagen könnte. Im Fokus stand allerdings auch weiter die Frage, wann die US-Notenbank die Zinsen erhöhen wird.

Im Fokus stand allerdings auch weiter die Frage, wann die US-Notenbank die Zinsen erhöhen wird. Mit den schwachen Einzelhandelsdaten am Vortag kam die Hoffnung auf, dass sich die US-Notenbank doch Zeit lassen wird mit ihrer bevorstehenden Zinsanhebung. Ähnliche Signale lieferten dann die US-Erzeugerpreise. Diese gingen im Februar zurück, während Experten mit einer Teuerung gerechnet hatten. Zudem hat sich die Stimmung der US-Verbraucher im März spürbar eingetrübt. "Bei diesen enttäuschenden Daten mehren sich an der Börse die Stimmen, die keine erste Anhebung der Leitzinsen bereits im Sommer erwarten", so ein Händler.

Ölwerte unter Druck

Letztlich konnten sich die Indizes zwar im späten Handel von ihren Tiefständen erholen, schlossen aber dennoch klar im negativen Terrain. Der Dow-Jones-Index reduzierte sich um 0,8 Prozent auf 17.749 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,6 Prozent auf 2053 Punkte abwärts. Der Nasdaq Composite gab um 0,4 Prozent auf 4872 Punkte nach.

Mit den erneut stark gefallenen Ölpreisen gehörten die Aktien von Chevron und Exxon Mobil zu den Verlierern. Für die Papiere ging es um 0,8 und 0,4 Prozent abwärts. Allerdings konnten die Titel, wie der Gesamtmarkt, im späten Handel ihre Verluste eingrenzen. Aktien von Herbalife stiegen dagegen um 8,2 Prozent, nachdem das "Wall Street Journal" berichtet hat, die US-Behörden gingen dem Verdacht auf Kursmanipulation nach. Sie verhörten in diesem Zusammenhang Menschen aus dem Umfeld des Hedgefondsgründers und als "aktivistisch" bekannten Aktionärs Bill Ackman. Dieser hat offenbar versucht, den Kurs der Aktie zu drücken. Inzwischen sagte Ackman, er sei von den Behörden nicht persönlich kontaktiert worden.

Gute Quartalszahlen legte die Textilkette Aeropostale vor. Allerdings wird der Verlust im laufenden Quartal höher ausfallen als bislang erwartet. Die Aktie brach um 17,3 Prozent ein.

Dax wird nicht rekordmüde

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In Frankfurt hatte zuvor nach einem größtenteils relativ unspektakulären Handelstag der Dax gegen Ende nochmal richtig zugelegt und sein Allzeithoch auf 11.903 Punkte verbessert. Zuvor war der Euro auf ein neues Zwölf-Jahres-Tief gefallen. Am Ende schloss der Dax mit einem Plus von 0,9 Prozent bei 11.902 Punkten. Der Nebenwerte-Index MDax gewann 0,8 Prozent auf 20.858 Zähler. Der TecDax stieg 0,8 Prozent auf 1656 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es 0,3 Prozent nach oben auf 3654 Punkte.

Auch die Nachrichtenlage rund um Griechenland konnte an der guten Stimmung nichts ändern. Obwohl sie alles andere als Grund zur Hoffnung gab. Die Regierung will die Sozialversicherungssysteme und andere staatliche Institutionen per Gesetz dazu bringen will, ihre Guthaben der griechischen Zentralbank und damit dem Staat zu überlassen.

Derweil hat die russische Zentralbank ihren Leitzins um 100 Basispunkte gesenkt. Der geldpolitische Schlüsselsatz sank damit auf 14 Prozent. Die Währungshüter begründeten den Schritt damit, dass sich die Inflation angesichts der sinkenden Einkommen und den rückläufigen Konsumausgaben abschwächt hat. Die russische Währung reagiert indessen kaum darauf.

Deutschland: Coba-Anleger erleichtert über Einigung

Spitzenreiter im Dax waren die Aktien der Commerzbank mit einem Plus von 4,9 Prozent. Anleger zeigten sich erleichtert darüber, dass sich das Geldhaus und die US-Behörden im Streit um Sanktions-Verstöße und Geldwäsche-Vorwürfe auf einen Vergleich geeinigt hatten. Exane BNP hatte das Kursziel von Volkswagen um fast 20 Prozent erhöht. Die Aktien kletterten um 2,6 Prozent und schlossen damit als zweitstärkster Wert.

Stark zeigten sich zunächst die Aktien von K+S, die sich am Ende aber um 1,1 Prozent verbilligten. Sie hatten nach einem positiven Ausblick des Konzerns am Vortag 7,5 Prozent zugelegt. "Ich vermute, dass vor dem Wochenende Gewinne eingestrichen werden", sagte ein Händler. Ganz unten im Dax landeten hingegen Eon, die 1,7 Prozent abgaben.

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Kuka stiegen im MDax um 3,4 Prozent. Hier beförderte ein Kursplus von 13 Prozent beim japanischen Konkurrenten Fanuc die Stimmung für den Industrieroboterhersteller. Der "Nikkei" berichtete, Fanuc werde dem Druck von aktivistischen Aktionären erliegen und die Dividende erhöhen beziehungsweise Aktien zurückkaufe

Im TecDax ging es für Nordex um 0,8 Prozent nach unten, nachdem Bank of America-Merrill Lynch die Aktien auf "Neutral" abgestuft hatte.

Devisen: Euro rutscht unter 1,05 Dollar

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Mit dem starken Dollar verlor der Euro weiter an Boden und rutschte unter die Marke von 1,05 Dollar. Bei 1,0462 Dollar markierte die Gemeinschaftswährung erneut ein Zwölf-Jahrestief. Im späten US-Handel notierte der Euro nur knapp über dieser Marke bei 1,0479 Dollar. Gestützt wurde der Dollar, neben der Erwartung steigender US-Zinsen, auch von den schwachen US-Daten, hieß es zur Begründung.

Die meisten Teilnehmer gehen davon aus, dass der Euro vor dem Hintergrund der Anleihekäufe durch die EZB seine Abwärtsbewegung fortsetzen und sich der Parität annähern wird. Hinweise auf eine baldige Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung dürften dagegen den Greenback weiter befeuern. Sollten sie ausbleiben, könnte sich der Euro allerdings deutlicher erholen.

Rohstoffe: Ölpreise geraten nach IEA-Bericht unter Druck

Deutlich abwärts ging es erneut mit den Ölpreisen. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete zum US-Settlement 44,84 Dollar, ein Abschlag von 4,7 Prozent. Damit ging es in der abgelaufenen Woche um knapp zehn Prozent abwärts.

Aussagen der Internationalen Energieagentur (EIA) drückten den Ölpreis zum Wochenausklang tief ins Minus. Diese geht in ihrem Monatsbericht davon aus, dass der Preis angesichts der hohen US-Ölproduktion noch weiter abwärts laufen könnte. Die Erholung der Ölpreise bleibt fragil, da die US-Förderung wieder anzieht und die Lagerbestände überquellen, so die Agentur weiter. Für ein Fass der Sorte Brent ging es um 4,2 Prozent auf 54,67 Dollar nach unten.

Der Goldpreis zeigte sich zum Wochenausklang nur wenig verändert und notierte zum US-Settlement bei 1.152,40 Dollar, ein Plus von 0,50 Dollar. Der starke Dollar auf der einen Seite und die Aussicht auf einen späteren Beginn der Zinserhöhungen durch die US-Notenbank hätten sich neutralisiert, so ein Teilnehmer. Für die Woche steht für den Goldpreis allerdings ein Minus von ein Prozent zu Buche.

Quelle: n-tv.de

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