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Am besten braunes Glas - und: Einige kleine Brauereien kehren sogar zur Flasche mit Bügelverschluss zurück.
Am besten braunes Glas - und: Einige kleine Brauereien kehren sogar zur Flasche mit Bügelverschluss zurück.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 15. April 2014

Frage & Antwort, Nr. 322: Ist Bier in braunen Flaschen besser?

Von Jana Zeh

Mein Vater hat zu DDR-Zeiten immer das Bier in braunen Flaschen bevorzugt. "Weil es besser schmeckt", so seine Argumentation. Kann das stimmen? (fragt Susanne K. aus Halle/Saale)

Bier gehört, wenn überhaupt, in braune Flaschen, sind sich Bierliebhaber einig.
Bier gehört, wenn überhaupt, in braune Flaschen, sind sich Bierliebhaber einig.(Foto: picture alliance / dpa)

"Bier in grünen Flaschen ist kein richtiges Bier", lautet die eindeutige Meinung von Georg Lechner. Der historische Braumeister aus Oelde, Betreiber eines Biermuseums, wird sogar noch deutlicher: Auch Bier aus Büchsen und Plastikflaschen könne man aus Geschmacksgründen gar nicht trinken. Und Bier, das durch Pasteurisieren länger haltbar als vier Monate ist, sei sowieso tot. Trotzdem verwenden viele Brauereien vor allem in Norddeutschland seit Jahrzehnten grüne Flaschen als Erkennungszeichen - und machen ihre Biere haltbar.

Doch wieso ist der historische Bierbrauer so rigoros? Für Lechner ist Bier ein Naturprodukt, das, wenn überhaupt, nur in braune Flaschen abgefüllt und weder pasteurisiert noch anders haltbar gemacht werden sollte. Der Bierkenner verweist auf die Haltbarkeit des Getränks, die durch die Farbe der Flasche beeinflusst werde. So hart sich das auch anhört - Lechners Meinung wird durch die Wissenschaft gestützt.

Auch wenn laut Reinheitsgebot Bier lediglich aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe hergestellt werden darf, befinden sich durch die Gärung andere Inhaltsstoffe darin. Bier ist am Ende der Herstellung ein Produkt, das durch den Gärprozess Hunderte verschiedener Substanzen enthält. Diese können sich - sogar nach der Abfüllung - noch verändern. Vor allem Licht, Sauerstoff  und Wärme sind für Bier pures Gift. Aus diesem Grund ist die richtige Verpackung so entscheidend.

Bier schmeckt am besten, wenn es frisch gezapft ist.
Bier schmeckt am besten, wenn es frisch gezapft ist.(Foto: picture alliance / dpa)

Büchsen können zwar den besten Schutz vor Wärme und Sonnenlicht bieten, werden jedoch von echten Bierliebhabern konsequent abgelehnt. Plastikbierflaschen, die es seit einiger Zeit in Discountern gibt, sollten gar nicht erst gekauft werden, denn Flaschen aus Plastik sind, egal welcher Farbe, nicht nur lichtdurchlässiger als Glasflaschen, sondern wahrscheinlich auch noch gasdurchlässig. "Allerdings kann das Bier in den Plastikflaschen gar nicht schneller verderben als in Glasflaschen, weil es nach der Abfüllung nichts anderes als eine Konserve ist", betont Lechner.

Echtes Bier ist für den historischen Braumeister ein Frischeprodukt, das man kaufen und bald trinken sollte, denn je frischer ein Bier sei, umso besser schmecke es. Bierliebhaber sollten auf die Erzeugnisse von kleinen, regionalen Brauereien zurückgreifen. Zu bevorzugen seien Brauereien, die ihre Biere nicht pasteurisieren. "Leider ist es heute aber so, dass 90 Prozent aller Biertrinker nicht das trinken, was in der Flasche ist, sondern, was außen drauf steht", so Lechner.

Grüne oder braune Flaschen?

Flaschen aus grünem Glas lassen nachweisbar mehr Licht beziehungsweise ultraviolette Strahlen (UVA) durch als braune. Trifft Licht auf Bier, kann es zum sogenannten Lichtgeschmack kommen, der das Bier ungenießbar macht. Lichtgeschmack entsteht, weil sich die Bitterstoffe aus dem Hopfen in 3-Methyl-2-buten-1-thiol verwandeln. Der Stoff ist schwefelhaltig und riecht entsprechend stark. Chemisch ist er mit dem Analdrüsensekret der Stinktiere verwandt. Kein Wunder, dass er vor allem von Bierbrauern gefürchtet wird. Durch bestimmte Methoden, zum Beispiel den Einsatz von lichtstabilen Hopfenprodukten, kann die Entstehung des Lichtgeschmacks aber verhindert werden.

Zu DDR-Zeiten wurde bis in die späten 1980er-Jahre die gleiche Sorte Bier in grünen und braunen Flaschen verkauft. Es könnte also sein, dass der Geschmack durch die verschiedenen Glasfarben tatsächlich verschieden war. Es könnte aber auch sein, dass die grünen Flaschen, die oftmals als "Hucker-Pullen" bezeichnet wurden, einfach das schlechtere Image hatten. Als "Hucker" wurden damals die Helfer auf Baustellen und in Betrieben bezeichnet. Auf jeden Fall war die Gefahr, eine schlechte Flasche Bier zu bekommen, beim Griff zur braunen Flasche wesentlich geringer.

Übrigens: Nicht nur Verpackung und Verbrauchsdatum sind Hinweise für die Qualität eines Bieres. Auch die Schaumkrone ist für Bierkenner ein Prüfstein. Ist sie feinblasig und stabil, dann ist der gute Geschmack sicher. Na dann: Prost!

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Quelle: n-tv.de

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