Wissen
Frostschutzberegnung schützt nicht nur die Blüten vor dem Kältetod, sondern macht aus Obstbäumen vereiste Naturschönheiten.
Frostschutzberegnung schützt nicht nur die Blüten vor dem Kältetod, sondern macht aus Obstbäumen vereiste Naturschönheiten.(Foto: picture-alliance / dpa)

Frage & Antwort, Nr. 376: Kann Eis Blüten vor Frost schützen?

Von Jana Zeh

Ich habe im Wetterbericht gehört, dass man Blüten an Obstbäumen beregnet und einfrieren lässt, um sie vor Frost zu schützen. Wie soll das denn funktionieren? (fragt Annemarie G. aus Hunsrück)

Der Frühling bringt warme Temperaturen und lässt Blätter und Blüten sprießen. Doch auch noch im Mai kann es vielerorts zu Frostnächten kommen. Diese Minusgrade sind besonders gefährlich für die jungen Blüten an Obstbäumen. Erfriert eine Blüte oder Knospe, kann keine Frucht entstehen. Die Ernte ist gefährdet. Frostschutz ist deshalb vor allem zur Blütezeit im Frühling wichtig.

Tatsächlich gibt es eine Möglichkeit, die empfindlichen Blüten der Obstbäume vor Frost zu schützen. "Dieses Verfahren wird als Frostberegnung bezeichnet", erklärt Peter Braun, Leiter des Instituts für Obstbau an der Hochschule Geisenheim. "Es gibt in Deutschland besonders gefährdete Gebiete, vor allem im Norden der Republik und in Obstanbauregionen, die sich in Kessellage befinden, wo man auf diese Art des Frostschutzes zurückgreift", erklärt der Experte. Obstbauern in diesen Regionen sind auf kalte Nächte im Frühling vorbereitet. Sie haben besondere Anlagen zur Frostschutzberegnung. Zwischen den Baumreihen stehen in den Plantagen in regelmäßigen Abständen Regner, die Wasser über den Baumkronen versprühen können.

"Die Obstbauern haben einen genauen Blick auf die Nachttemperaturen und auf den Entwicklungsstand ihrer Blüten", weiß Braun. Die Bäume werden von oben beregnet, sobald die Nachttemperaturen auf 0 bis 0,5 Grad Celsius absinken. Bei dieser Art des Frostschutzes werden wesentliche Eigenschaften des Wassers genutzt: vor allem, dass es Energie abgibt, wenn es vom flüssigen in den festen Aggregatzustand wechselt. Pro Liter Wasser werden beim Übergang zum Eis 335 Kilojoule frei. Wenn von außen ständig Wasser auf die bereits gefrorenen Aste gesprüht wird, wird der Gefrierprozess ständig in Gang gehalten. So bleibt die Temperatur im Inneren der vereisten Obstbaumteile, also an Ästen, Knospen und Blüten bei 0 Grad Celsius und schützt so die Blüten vor dem Erfrieren, denn Eis ist ein guter Wärmeleiter.

Beregnung bloß nicht unterbrechen

"Die Frostschutzberegnung funktioniert aber nur, wenn ständig frisches Wasser auf die Blüten gesprüht wird", betont Braun. "Denn würde die Beregnung eingestellt, dann würde auch die Blüte erfrieren, denn es kommt dann auf der Oberfläche des Eises statt zu einer Wärmeabgabe zu einem Wärmeverlust durch Verdunstungskälte", erklärt Braun weiter. Erst wenn die Sonne aufgegangen ist und die Temperaturen über Null Grad steigen, dürfen Obstbauern die Beregnung wieder abstellen. Dann taut das Eis von Ästen und Blüten wieder ab. Das Tauwasser versickert im Boden.

Die ständige laufende Beregnung der Obstbäume, die durchaus bis zu 12 Stunden dauern kann, ist der Grund, warum Kleingärtner keine Chance haben, mit dieser Methode ihre Obstbaumblüten zu schützen. Mit dem Übergießen von Blüten vor einer Frostnacht erreicht man eher das Gegenteil und richtet damit sogar noch mehr Schaden an.

Übrigens: Frühblüher und winterharte Pflanzen haben die Fähigkeit, selbst Frostschutzmittel zu entwickeln. Diese schützen auch die Blüten vor den zerstörerischen Kräften frostiger Temperaturen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen