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Weich und saftig: Das kann doch keine Nuss sein. Oder?
Weich und saftig: Das kann doch keine Nuss sein. Oder?(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 21. Mai 2013

Frage & Antwort, Nr. 275: Sind Erdbeeren Nüsse?

Von Andrea Schorsch

Beim Erdbeer-Dessert erzählte mir jemand, dass Erdbeeren gar keine Beeren sind, sondern Nüsse. Ich dachte, der wollte mich veräppeln. Aber er klang so überzeugt, dass mir letztlich Zweifel kamen. Wie ist das nun mit den Erdbeeren? (fragt Sybille B. aus Zwickau)

Dieser Scherz war keiner. Es ist tatsächlich wahr: Botanisch betrachtet sind Erdbeeren keine Beeren. Sie gehören vielmehr zu den Sammelnussfrüchten. Die eigentlichen Früchte einer Erdbeere sind nämlich die kleinen gelb-grünen Punkte, die auf ihrer roten Oberfläche sitzen. Und das sind winzige Nüsse, Samen also, die von verholzten Fruchtwänden umschlossen sind.

Das rote Fruchtfleisch der Erdbeere, das man fälschlicherweise gern als Frucht begreift, ist der hochgewölbte Blütenboden. Unter Fachleuten wird die Erdbeere daher als Scheinfrucht bezeichnet.

Himbeeren sind auch keine

Dass in der Botanik ganz andere Regeln gelten als im deutschen Sprachgebrauch, macht sich auch bei Him- und Brombeeren bemerkbar. Denn die gehören, fragt man Experten, genauso wenig zu den Beeren. Sie sind Sammelsteinfrüchte. Entlang der vorgewölbten Blütenachse entwickelt sich bei diesen Früchten aus den zahlreichen Fruchtblättern je eine kleine Steinfrucht. Die einzelnen Steinfrüchte haften alle untereinander und bilden dann die "Beere", die wir vom Strauch pflücken.

Für den Botaniker eindeutig: lauter Beeren.
Für den Botaniker eindeutig: lauter Beeren.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Eine Beere, die auch dem kritischen Blick eines Botanikers standhält, ist die Johannisbeere. Beeren bilden sich immer aus einem einzigen Fruchtknoten. Es sind Schließfrüchte (sie öffnen sich also nicht), und ihre Fruchtwand bleibt auch bei der Reife noch saftig oder fleischig. Allerdings gibt es auch Beeren mit einer dicken Schale. Die bezeichnet man als Panzerbeeren.

Gurken und Bananen haben was gemeinsam

Verwirrend? Das Fazit dieser wissenschaftlichen Definition ist so einfach wie überraschend: Während Erd-, Him- und Brombeeren zwar Beeren heißen, aber keine sind, gehören zu den Beeren diverse Früchte, die man nie in dieser Gruppe vermutet hätte. Bananen nämlich sind Beeren. Ebenso Zitronen und Orangen, Kiwis und sogar Melonen.

Und Beeren sind, anders als man denken könnte, keineswegs auf Obst beschränkt. Auch beim Gemüse entwickeln viele Pflanzen Beerenfrüchte: Gurken nämlich sind Beeren, das Gleiche gilt für Paprika, Auberginen und selbst für Kürbisse.

Kommen wir nochmal auf die Nüsse zurück. Auch da nimmt der Laie Einteilungen vor, die von den Kriterien der Botanik abweichen: So gehören Bucheckern, Eicheln und Edelkastanien zu den Nüssen – auch wenn man sie nicht knacken muss. Erdnüsse hingegen sind Hülsenfrüchte. Und auch Kokos-, Muskat-, Pekan- und Paranuss tragen ihren Namen zu Unrecht. Und was ist mit der Haselnuss? Klare Antwort: harte Nuss, auch im botanischen Sinne.

Quelle: n-tv.de

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