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Die Benutzung von Zahnseide empfinden viele als anstrengend. Die Mühe lohnt sich aber.
Die Benutzung von Zahnseide empfinden viele als anstrengend. Die Mühe lohnt sich aber.(Foto: imago/Westend61)
Dienstag, 26. April 2016

Frage & Antwort, Nr. 428: Wann sollte man Zahnseide benutzen?

Von Jana Zeh

Jeden Abend streite ich mit meinem Freund, ob man die Zahnseide vor oder nach dem Zähneputzen gebrauchen soll. Können Sie diesen Streitigkeiten ein Ende setzen? (fragt Nadine M. aus Stuttgart)

Wer jeden Abend über den richtigen Zeitpunkt für die Benutzung von Zahnseide streitet, dürfte zu dem kleinen Teil der Bevölkerung in Deutschland gehören, der sie täglich nutzt. Experten haben berechnet, dass der Jahresverbrauch pro Person bei täglicher Anwendung bei rund 180 Metern Zahnseide liegen müsste. Die Verbraucher in Deutschland kommen dagegen gerade mal auf rund zehn Meter pro Kopf. Dabei ist eine gründliche Mundhygiene nicht nur zur Gesunderhaltung der Zähne, sondern des gesamten Körpers wichtig. Sie kann sogar als Prävention gesehen werden, um das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko zu mindern.

Aber zurück zur Frage: Tatsächlich reicht eine Reinigung der Zähne mit einer Zahnbürste - egal, ob elektrisch oder manuell geputzt wird - nicht aus. Selbst mit gründlichem Putzen können nur rund 70 Prozent des Zahnbelags entfernt werden. Die Anwendung von Zahnseide ist für eine allumfängliche Zahnreinigung deshalb unersetzlich – und sie "sollte einmal am Tag benutzt werden", betont Professor Dietmar Oesterreich, praktizierender Zahnarzt in Stavenhagen und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer.

Für die Frage, ob man die Zahnseide vor oder nach dem Zähneputzen anwenden sollte, kann ein einfaches Beispiel zur Verdeutlichung gut helfen: Wenn man den Boden eines Raumes reinigt, dann macht man sich zuerst an die Ecken und Kanten, und erst wenn diese sauber sind, reinigt man die großen Flächen. Genauso verhält es sich auch mit den Zähnen im Mund. Zuerst sollte man die Zahnseide und bei größeren Zahnzwischenräumen auch die kleinen Bürstchen benutzen. Danach wird geputzt. Bei umgekehrter Reihenfolge besteht erstens die Wahrscheinlichkeit, dass sich gelöste Belege auf die bereits gereinigten Flächen setzen oder im Mund bleiben, zweitens ist die Motivation zur Reinigung der Zahnzwischenräume nicht mehr so groß wie am Anfang.

Morgens oder abends?

Ob man besser morgens oder abends "seidelt", "dafür gibt es keine wissenschaftliche Empfehlung", betont Oesterreich. "Hauptsache, man plant dafür ausreichend Zeit ein. In der Regel ist das am Abend. Letztlich muss das aber jeder für sich selbst entscheiden, denn Hauptsache die Zahnzwischenräume werden einmal täglich gründlich gereinigt", so der Experte weiter. Das geht allerdings nur, wenn man Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten auch richtig benutzt.  

Vor allem in jungen Jahren stehen bei vielen die Zähne recht eng, so dass hier die Anwendung der Zahnseide ausreicht. Für die Zwischenräume sollte man ein frisches Stück Zahnseide benutzen, da man sonst die gelösten Beläge samt der darin befindlichen Bakterien nur verteilt. Das passiert übrigens auch bei den kleinen Halterungen aus Plastik, auch als Flossetten oder Zahngeigen bekannt, bei denen ein kleines Stückchen Zahnseide zwischen zwei Arme gespannt ist. Für Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, die Zahnseide richtig anzuwenden, sind diese Hilfsmittel dennoch gut geeignet.

Für ein vollständiges Gebiss benötigt man ungefähr ein 30 Zentimeter langes Stück. Die Zahnseide sollte um die Mittelfinger gewickelt und mit vorsichtigen Auf- und Ab-Bewegungen, C-förmig und straff um einen Zahn geführt werden. Mit den Zeigefingern kann der Faden besser justiert werden. Es sollten immer beide Seiten der Zähne mit Zahnseide gereinigt werden. Gewachste Zahnseide lässt sich leichter handhaben, ungewachste erzielt ein besseres Reinigungsergebnis. Die richtige Technik zur Anwendung von Zahnseide und zur gründlichen Mundhygiene kann man sich in jeder Zahnarztpraxis zeigen lassen.

Übrigens: Das Benutzen von Zahnseide ist relativ sinnlos, wenn man danach mit einer alten Zahnbürste mit krummen Borsten putzt.

Quelle: n-tv.de

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