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Ob groß oder klein, lockig oder glatt: Tierliebhaber streicheln gern.
Ob groß oder klein, lockig oder glatt: Tierliebhaber streicheln gern.(Foto: imago/Westend61)
Dienstag, 18. August 2015

Frage & Antwort, Nr. 392: Warum streicheln wir Tiere so gerne?

Von Jana Zeh

Dass Haustiere es meist genießen, gestreichelt zu werden, ist bekannt. Aber warum kraulen wir sie so gerne? (fragt Carola S. aus Hohenaspe)

Das kennt wohl jeder Tierliebhaber: Kaum ist ein kuscheliges und zahmes Haustier in greifbarer Nähe, muss es auch schon gestreichelt und gekrault werden. Der Drang, das Tier anzufassen, ist groß. Doch warum müssen Tierfreunde ständig ins Fell langen? Die Hundetrainerin Carola Baum weiß es: "Dafür gibt es mehrere Gründe. Bei vielen Menschen löst das Streicheln des weichen, flauschigen Fells eine beruhigende Wirkung aus." Stressabbau mit allen dazugehörigen Effekten, wie beispielsweise der Senkung des Blutdrucks, ist also als erster und wahrscheinlich wichtigster Grund für das Streicheln zu nennen. Doch könnte man diesen auch mit einem leblosen Pelz erreichen?

Hundehalter verwöhnen ihre Tiere mit Streicheleinheiten, doch nicht jeder Hund mag die auch.
Hundehalter verwöhnen ihre Tiere mit Streicheleinheiten, doch nicht jeder Hund mag die auch.(Foto: imago/Westend61)

"Wahrscheinlich nicht", mutmaßt Baum, "denn Streicheln ist für den Menschen ja nicht nur beruhigend, sondern gleichzeitig auch eine nonverbale Form, seine Zuneigung zum Ausdruck zu bringen." Und da Haustierbesitzer ihre Tiere lieben, werden diese manchmal nicht nur gestreichelt und gekrault, sondern sogar geküsst. Damit können die meisten Haustierarten nichts anfangen und Tierhalter, die sich überlegen, woran das Tier als Letztes geschnüffelt hat, verkneifen sich schnell diese Art der Liebesbekundung.

Tiere lassen sich gut bekümmern

Neben der beruhigenden Wirkung und der Liebesbekundungen gibt es aber noch eine dritten wichtigen Punkt, warum Menschen so gern streicheln – das sogenannte parentale Verhalten. "Besonders Frauen neigen dazu, sich gern zu kümmern", weiß Baum. Die Kinder sind aus dem Haus oder noch gar nicht geboren und ab einem bestimmten Lebensalter wird jemand zum Bekümmern gebraucht. Dazu zählen natürlich auch streicheln, schmusen und kraulen.

Oftmals werden dann Haustiere angeschafft, die das Bekümmern dann aushalten müssen. Katzen und Nagetiere können sich gegen Schmuseattacken meistens besser wehren als Hunde. "Einige Hunde mögen das und kommen damit relativ gut klar. Andere sind damit aber überfordert. So manch ein Hund, den ich im Training hatte, hat dadurch Problemverhalten entwickelt", erzählt die Expertin aus der Praxis.

Übrigens: Vor allem Hunde geben sich gern den Schmuseattacken ihrer Halter hin. Die geliebten Vierbeiner müssen manchmal mehr sein als tierische Begleiter. Sie werden als Ersatz für Partner, Enkel oder Kind gehalten oder sogar für die beste Freundin oder den besten Freund. Vermenschlicht zu werden, kann Haustieren enormen Stress bereiten. Tierhalter sind verpflichtet, ihren Lieblingen die Möglichkeit zu geben, einfach nur Tier zu sein.

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Quelle: n-tv.de

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