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Eine Giraffe in der nigerianischen Savanne: Ihre Artgenossen sind womöglich weit entfernt. Doch Giraffenlaute überbrücken weite Distanzen.
Eine Giraffe in der nigerianischen Savanne: Ihre Artgenossen sind womöglich weit entfernt. Doch Giraffenlaute überbrücken weite Distanzen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Dienstag, 26. August 2014

Frage & Antwort, Nr. 341: Welche Laute geben Giraffen von sich?

Von Andrea Schorsch

Ich war mit meiner Enkelin im Zoo und sie hat mich gefragt, wie Giraffen machen. Ehrlich gesagt, habe ich noch nie einen Ton von einer Giraffe gehört. Also: Wie machen Giraffen? (fragt Günther T. aus Höxter)

Giraffen sind nicht stumm. Sie kommunizieren sehr wohl – und das sogar über weite Distanzen. Die Laute, die Giraffen produzieren, sind für ihre Artgenossen noch in Dutzenden Kilometern Entfernung wahrnehmbar. Es sind Töne, mit denen sich die Tiere vornehmlich dann verständigen, wenn sie beunruhigt sind. Dass wir dennoch meinen, Giraffen wären stumm, hat einen einfachen Grund: Das menschliche Ohr kann die Rufe einer Giraffe nicht hören. Sie sind zu tief.

Ein Ton muss mit einer Frequenz von mindestens 16 Hertz schwingen, damit er für Menschen hörbar ist. Die Laute einer Giraffe aber schwingen mit unter 16 Hertz. Sie liegen im sogenannten Infraschall-Bereich. Für die Giraffe hat das einen großen Vorteil: Infraschall-Töne können sowohl durch die Luft als auch durch das Erdreich über mehrere Kilometer hinweg übertragen werden. Bei der Kommunikation in den Weiten der afrikanischen Savanne ist das von Nutzen.

Nicht nur Giraffen sind Tieftöner

Damit Menschen Infraschall-Töne wahrnehmen können, müssen sie sehr laut sein. Nicht, dass wir dann tatsächlich ein Brummen hören würden. Wir spüren vielmehr Vibrationen im Bauch - etwa so, als stünden wir vor einem großen Lautsprecher und ließen die Bässe auf uns wirken. Eine solche Lautstärke erreichen Giraffen-Rufe aber nicht.

Die langhalsigen Tiere sind übrigens nicht die einzigen, die derart tiefe Laute zur Kommunikation nutzen. Auch Elefanten verständigen sich in dieser Tonlage. Das uns bekannte Trompeten kommt bei ihnen eher selten zum Einsatz. Und auch im Wasser gibt es Tiere, die besonders tief tönen: Blauwale nämlich. Infraschall hat im Wasser eine besonders hohe Reichweite. So können sich die Meeressäuger über weite Distanzen hinweg kontaktieren.

Fledermäuse hingegen, das ist eher bekannt, nutzen das andere Ende der Skala: den Ultraschall. Sie können Frequenzen bis zu 200.000 Hertz ausstoßen, was weit über den für Menschen hörbaren Bereich hinaus geht. Der endet bei etwa 18.000 Hertz.

Der Mensch hat eben nicht für alles, was die Welt zu bieten hat, Sensoren. Nicht nur besonders nieder- oder hochfrequente Töne gehen an ihm vorbei, auch Wärmestrahlung kann er nicht wahrnehmen - anders als etwa Grubenottern. Bienen haben dem Menschen voraus, dass sie UV-Licht sehen können, für sie stellen sich gelbe Blüten daher ganz anders dar als für uns. Und Zugvögel haben einen Sinn für das irdische Magnetfeld. Es mag einiges geben, das der Mensch noch nicht bemerkt hat - weil ihm dafür der Sinn fehlt.

Quelle: n-tv.de

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