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Bei einem bestimmten Maß an Alkohol nimmt die Sehschärfe ab. Später leidet dann auch das Gedächtnis.
Bei einem bestimmten Maß an Alkohol nimmt die Sehschärfe ab. Später leidet dann auch das Gedächtnis.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Frage & Antwort, Nr. 204: Wie kommt es zum "Filmriss"?

von Andrea Schorsch

Wenn man auf einer Party mal über die Stränge geschlagen hat, kann es sein, dass man am nächsten Tag nicht mehr weiß, wie man eigentlich nach Hause gekommen ist. Auch sonst weiß man vielleicht nicht mehr so richtig, was am Abend alles los war. Wie kommt es zu solchen Aussetzern? (fragt Daniel S. aus Gelsenkirchen)

Es ist wohl kein Zufall, dass uns diese Frage gerade jetzt erreicht. Silvester steht vor der Tür. Da knallen die Korken, da fließen Sekt, Wein und Bowle. Und wer nicht rechtzeitig auf Kinderpunsch umsteigt, hat am nächsten Tag den viel beklagten Kater. Wohlfühlen geht anders. Deutlich weisen Kopfschmerzen und Übelkeit darauf hin, dass man dem Körper mit Alkohol keinen Gefallen erweist, sondern ihn eher vergiftet.

War der Blick ins Glas besonders tief und der letzte Drink mehr als einer zu viel, kann das diverse verhängnisvolle Folgen haben. Schluck für Schluck schwinden die Hemmungen. Je mehr Alkohol im Blut zirkuliert, umso leichter haben es Selbstüberschätzung und Taktlosigkeit. Die Chancen, in diesem Zustand jedes noch so versteckte Fettnäpfchen aufzuspüren und auch noch reinzutreten, stehen gut. Auf der Peinlichkeitsskala hat ein alkoholisierter Rüpel rasch die höchste Punktzahl erreicht. Der Pegel steigt, die Stimmung aber fällt, und am nächsten oder - wahrscheinlicher - übernächsten Tag muss sich der Schluckspecht dann anhören, zu welch blamablen Aktionen er im Rausch fähig war. Erinnern kann er sich nicht. Da ist er: der Filmriss.

Bei chronischem Alkoholmissbrauch schrumpft das Hirngewebe.
Bei chronischem Alkoholmissbrauch schrumpft das Hirngewebe.(Foto: picture alliance / dpa)

Wie der entsteht, haben Wissenschaftler jüngst herausgefunden. Anders als zunächst angenommen, liegt es offenbar nicht daran, dass prozentreiche Getränke Millionen an Gehirnzellen töten. Es sind komplizierte Vorgänge in unserem Denkorgan, in die der Alkohol eingreift. US-Forscher fanden heraus, dass sich ein Alkoholrausch auf bestimmte Rezeptoren im Hirn auswirkt, und zwar auf solche, die für Erinnerungsprozesse zuständig sind. Einige dieser Rezeptoren werden gehemmt, andere aber aktiviert. So kommt es bei den Signalübertragungen zu Störungen. In der Folge bilden die Nervenzellen bestimmte Hormone, die Steroide. Die blockieren dann ihrerseits die Kommunikation zwischen den Synapsen. Erinnerungen werden auf diesem Weg unmöglich gemacht, Gedächtnislücken sind unausweichlich.

Damit es so weit kommt, ist, wie die Wissenschaftler der Washington University in St. Louis betonen, sehr viel Alkohol nötig – zumindest bei Ratten, denn an solchen führten sie ihre Studien durch. Diesen hatten die Forscher Ethanol verabreicht und dann den für Erinnerungen zuständigen Bereich im Gehirn der Nager untersucht.

Stimmungsvoll, aber nichts für jeden Abend: das berühmte Glas Rotwein.
Stimmungsvoll, aber nichts für jeden Abend: das berühmte Glas Rotwein.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Hinweise auf eine Schädigung oder Tötung von Gehirnzellen durch Alkohol fanden die Wissenschaftler nach eigenen Angaben nicht. Doch darüber, dass Alkohol Gift ist für jede einzelne Zelle im Körper, und damit auch für das Hirn, ist sich die Forschung einig. Der Stoffwechsel der Gehirnzellen wird erheblich beeinflusst. Auch ist erwiesen, dass das Hirngewebe bei chronischem Alkoholmissbrauch schrumpft. Schon kleine, regelmäßig getrunkene Mengen, so zum Beispiel das tägliche Glas Rotwein, führen Studien zufolge zu Gedächtnisstörungen und dem Abbau von Hirnleistung. Nebenbei leiden Leber und Bauchspeicheldrüse. Übergewicht, psychische Störungen und Krebs werden begünstigt.

Die hoch gelobten, gesunden Inhaltsstoffe des Rotweins dagegen, die die Adern freihalten und so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen sollen, stecken praktischerweise auch in Obst und Gemüse, grünem und schwarzem Tee, in Schokolade und vor allem: in Traubensaft. Den gibt es auch weiß und prickelnd, ganz ohne Umdrehungen. Das also wäre eine gesunde, salonfähige Alternative zu Sekt und Bowle. Es muss nicht unbedingt Kinderpunsch sein … Wohl bekomm's!

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Quelle: n-tv.de

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