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Mit einer Tonanalyse konnte das Alter der Scherbe festgestellt werden.
Mit einer Tonanalyse konnte das Alter der Scherbe festgestellt werden.(Foto: Hebräische Universität)

Fundsache, Nr. 1204: Uralte Inschrift in Jerusalem

Von Ulrich W. Sahm

Die Tonscherbe sieht unscheinbar aus, dabei trägt sie die älteste Inschrift, die jemals in Jerusalem entdeckt worden ist. Sie wird von Experten auf das 10. Jahrhundert vor Christus datiert. Über den Sinn der lesbaren Buchstaben, rätseln die Archäologen jedoch immer noch.

Bei Ausgrabungen südlich des Jerusalemer Tempelbergs haben Archäologen auf einer Scherbe die bislang älteste alphabetische Inschrift gefunden, die jemals in der Heiligen Stadt entdeckt worden ist. Die proto-kanaanäischen Buchstaben, dem ältesten Alphabet, sind unter den Rand eines Tontopfes eingeritzt worden, ehe der gebrannt worden ist. Dank einer Analyse des Tons, der Form des Topfes und der Buchstaben legten Forscher der Hebräischen Universität fest, dass es sich um einen Fund aus dem 10. vorchristlichen Jahrhundert handelt.

Eliat Mazar zeigt stolz ihre Entdeckung.
Eliat Mazar zeigt stolz ihre Entdeckung.(Foto: Hebräische Universität)

Die Buchstaben, die dem hebräischen Uralphabet sehr ähnlich sind, können zwar entziffert werden. Doch die Buchstabenkombination m, q, p, h, n, (vielleicht) l, und n ergeben keinen Sinn. Vermutlich handelt es sich nicht um einen Text in semitischer Sprache. Der Topf könnte daher einem Jebusiter gehört haben, also Kanaanäern, die gemäß der biblischen Erzählung vor der Eroberung durch König David in Jerusalem gelebt und geherrscht haben.

Eilat Mazar, die Entdeckerin der Scherbe und weiterer Fragmente von Töpfern aus der gleichen Periode, erklärte: "Der Fund ist in Jerusalem einzigartig. Er bedeutet deshalb eine wichtige Ergänzung für die Geschichte der Stadt." Die bislang älteste gefundene Inschrift in althebräischer Schrift ist 250 Jahre jünger und stammt vom biblischen König Hiskias.

Beweisstück für Existenz des Königreichs Davids

Vor einigen Jahren hatte der Archäologe Josef Garfunkel auf Tel Qaefa, 30 Kilometer von Jerusalem entfernt, in einem Kasemattentor eine Scherbe mit Inschrift gefunden, die dank verkohlter Olivenkerne ziemlich genau in die gleiche Periode datiert werden konnte. Der Text war ebenfalls mit Buchstaben des proto-kanaanäischen Uralphabets auf die Scherbe aufgetragen worden, enthielt aber verständliche hebräische Worte wie König, Sklave und Rache.

Dieser Fund gilt als Beweis für ein "Königreich Davids" jenseits von Jerusalem, das gemäß heutigen Vorstellungen nur ein kleines Dorf gewesen war. Das Ela-Tal unterhalb des Hügels Tel Qaefa gilt traditionell als die Stelle, wo der junge David den Goliath mit einer Steinschleuder getötet hat. Der Fund der Scherbe mit althebräischer Inschrift auf einem Hügel inmitten Festungen der Philister verleiht der biblischen Erzählung große Glaubwürdigkeit.

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Quelle: n-tv.de

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