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Das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens. 1770 schloss Cooks "HMS Endeavou" unangenehme Bekanntschaft mit dem Riff.
Das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens. 1770 schloss Cooks "HMS Endeavou" unangenehme Bekanntschaft mit dem Riff.(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 24. September 2011

"Terra australis" neu entdeckt: Ein bisschen Zufall kann nicht schaden

Da könnte man glattweg sauer werden, bei all den Urlaubsgeschichten, die Nachbarn und Kollegen erzählen. Deutsche sind übrigens Europameister darin, von vergangenen Ferienerlebnissen zu schwärmen. Nordsee oder Südsee? Egal. Manchmal gerät dabei Wesselburen zu den Antipoden.

Wir Deutschen sind glücklicher, als wir glauben. Das haben jedenfalls Wissenschaftler herausgefunden. Den einen macht die Liebe glücklich, den anderen Geld, der Dritte braucht beides - und hat zum Schluss weder das eine noch das andere. Das Leben ist schon manchmal ein Ü-Ei: Spannung, Spiel und Schokolade.

Glück soll ja keine Frage des Zufalls, sondern eine Folge richtiger Gedanken und Taten sein. Ein bisschen Zufall kann aber nicht schaden …

Ein stolzer zukünftiger Dithmarscher Kohlbauer: Mats-Bahne mit einem Drei-Kilo-Kopf auf dem Feld seines Vaters in der Nähe von Wesselburen.
Ein stolzer zukünftiger Dithmarscher Kohlbauer: Mats-Bahne mit einem Drei-Kilo-Kopf auf dem Feld seines Vaters in der Nähe von Wesselburen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Als der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama 1498 als erster Mensch die Welt umsegelt, fällt auf der langen Reise seine Besatzung nach und nach einer mysteriösen Krankheit zum Opfer. Sie raubt den Matrosen alle Kraft, lässt ihre Zähne faulen und ausfallen und nimmt den Seeleuten schließlich ihr Leben. Bald ist die Krankheit Ärzten und Seefahrern bekannt, doch niemand weiß, woher sie kommt und was dagegen hilft. Keiner denkt an das schlechte Essen und das faulige Wasser an Bord.

Lange Zeit gilt "Mundfäule" als unheilbar. Erst 1747/1753 kommt ein britischer Marinearzt durch systematische Versuche hinter das Geheimnis von "scorbutus". Dr. James Lind, der von "Fäulnis” im Körper ausgeht und deshalb mit Säure als Gegenmittel experimentiert, verabreicht zwölf erkrankten Matrosen verschiedene Nahrungsmittel, darunter Apfelwein, verdünnte Schwefelsäure, einfaches Meereswasser und Zitrusfrüchte. Schon nach wenigen Wochen verschwinden bei den Matrosen, die Orangen und Zitronen zu sich nehmen, die Flecken auf dem Zahnfleisch; es wächst wieder und wird fest.

Lind setzt seine Experimente fort, verabreicht auch Kartoffeln und Sauerkraut. Und siehe da - auch diese beiden Nahrungsmittel erweisen sich als wirksam gegen "scorbutus". Warum Lind in seiner Nahrungsmittelauswahl Zitronensaft, Sauerkraut und Kartoffeln hat, ist möglicherweise das Quentchen Zufall, was dem Glück auf die Beine hilft.

Der Entdecker und dreifache Weltumsegler James Cook (1728-1779) leistete Pionierarbeit für Schiffahrt und Handel - und für die Gesundheit der Seeleute.
Der Entdecker und dreifache Weltumsegler James Cook (1728-1779) leistete Pionierarbeit für Schiffahrt und Handel - und für die Gesundheit der Seeleute.(Foto: picture-alliance / dpa)

Lind informiert die Navy und erstellt Listen für den Schiffsproviant. Und der britische Seefahrer James Cook, dessen Besatzungen während der Expeditionen auch unter der schleichenden Krankheit leiden, hält sich schon bei seiner zweiten Südsee-Reise, und noch umfassender bei der dritten, an diese Listen - er lässt Unmengen von Sauerkrautfässern und kistenweise Zitronen laden. Erfolgreich, und der Australien-Entdecker Cook notiert in sein Logbuch: "Ein großes Glück!" Doch es dauert noch fast 50 Jahre, bis die britische Marine generell die Rationen der Matrosen mit Zitronensaft ergänzen lässt.

Einst gegen Skorbut, heute gegen Übergewicht

Sauerkraut ist gesund. damit die "Powerstoffe" erhalten bleiben, sollte es nicht "totgekocht" werden.
Sauerkraut ist gesund. damit die "Powerstoffe" erhalten bleiben, sollte es nicht "totgekocht" werden.(Foto: Benjamin Klack/pixelio.de)

Warum Zitronensaft und Sauerkraut die Seeleute gesund hält, entdeckt Lind nicht. Es bleibt Wissenschaftlern nachfolgender Jahrhunderte vorbehalten, das Antiskorbut-Vitamin C zu isolieren und zu benennen: Ascorbinsäure. Skorbut gilt heute als besiegt. Die Krankheit tritt in westlichen Ländern so gut wie nicht mehr auf, höchstens bei ausgesprochener Fehlernährung zum Beispiel bei älteren Menschen. Zum Tode führt die "Mundfäule" nicht mehr, schließlich gibt’s Vitamin C-Präparate.

Wenn in den kalten Monaten unser Immunsystem wieder zu Höchstleistungen gezwungen wird, ist es Zeit, sich wieder der segensreichen Zubereitungsart von Kohl zu erinnern, die Cook und seinen Mannen so geholfen hat: Sauerkraut.

Der Kopf hat's in sich

Sauerkraut ist nichts anderes als Weißkohl - aber einer, der es in sich hat. Eine Armada Milchsäurebakterien verwandelt ihn zu einem Supermittel. Viele Vitamine, Ballast- und sekundäre Pflanzenstoffe machen Sauerkraut zu einem "Powerkraut", das - schlank zubereitet - zur Idealfigur verhelfen kann. Es ist mit nur 18 Kilokalorien pro 100 Gramm kalorienarm, aber ballaststoff- und nährstoffreich.

Das gesunde Kohlgemüse hat in Dithmarschen wieder Erntezeit und zählt zu den wenigen Gemüsen, die bei uns im Winter aus regionalem Anbau erhältlich sind. Mit den schon erwähnten positiven Eigenschaften kann das Kraut - egal ob Rotkraut, Weißkraut oder Sauerkraut - glatt zum Wellnesskohl avancieren. Zum "Dickmacher" werden Kohlgerichte nur durch die Zubereitung - oder/und die "Beilagen" wie Eisbein, Schweinebraten und Knackwürste.

Falls Sie sich zu einem Besuch der Kohltage in Wesselburen entscheiden - die Bambusröckchen überlassen Sie lieber den Tahitianerinnen.
Falls Sie sich zu einem Besuch der Kohltage in Wesselburen entscheiden - die Bambusröckchen überlassen Sie lieber den Tahitianerinnen.(Foto: picture-alliance / dpa)

Wer mehr über Sauerkraut wissen will, sollte die "Dithmarscher Kohltage" (noch an diesem Wochenende) nutzen und einen Abstecher ins "Kohlosseum" in Wesselburen machen. Dort kann man bei der Sauerkrautherstellung zuschauen. Immerhin bis zu 140 Tonnen des Bioprodukts werden dort pro Jahr hergestellt. Und falls Ihnen das Wasser im Mund zusammenläuft - kaufen Sie ein Pfund und machen Sie zu Hause einen absolut gesunden "Meerrettich-Sauerkraut-Salat". Es stört überhaupt nicht, dass mein Rezept aus dem Spreewald stammt:

Zutaten (4 Personen):

700 g frisches Sauerkraut
4 EL frisch geriebener Meerrettich
3 Äpfel, festfleischig und nicht zu süß
2 Schalotten
1 Bund Lauchzwiebeln
4 EL Olivenöl
1 EL weißer Balsamico
1/2 Bund Petersilie
Salz, Zucker, weißer Pfeffer

Zubereitung:

Das Sauerkraut aus dem Fass etwas ablaufen lassen, kurzschneiden und auflockern. Petersilie fein hacken. Die Lauchzwiebeln in dünnen Ringe schneiden, etwas von dem geschnitteten Grün beiseite stellen. Schalotten und Äpfel schälen, Äpfel von den Kerngehäusen befreien. Beides fein würfeln. Alles mit dem geriebenen Meerrettich vermischen und unter das Sauerkraut mengen.

Öl und Essig verquirlen und mit Salz, Zucker und frisch gemahlenem weißen Pfeffer kräftig abschmecken. Die Marinade unter das Kraut mischen und den Salat etwas durchziehen lassen.

Schmeckt ganz einfach zu einem Butterbrot oder auch als Beilage zu Schweinebraten und Wildgerichten.

Sauerkraut ist nicht gleich Sauerkraut. Um das beste herauszufinden, müssen Juroren wie hier in Tschechien kosten und kosten und kosten...
Sauerkraut ist nicht gleich Sauerkraut. Um das beste herauszufinden, müssen Juroren wie hier in Tschechien kosten und kosten und kosten...(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Viel Erfolg und gute Stimmung (denn sauer macht auch lustig) wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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