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Samstag, 17. September 2011

Nur nicht sauer werden!: Wer streitet, hat nicht mehr vom Leben

Nachbarschaftsstreit ist wohl nach Ehezwist die beliebteste Freizeitvernichtung. Es geht dabei um so weltbewegende Probleme wie Knallerbsensträucher an der Grundstücksgrenze, den "Lärm” von Hähnen und Kühen in der Früh’ oder um die Frage, wer das Sauerkraut erfunden hat.

Es ist die mangelhafte Treppenreinigung im Mietshaus oder der Laubfall aus fremden Bäumen aufs eigene Grundstück, was Nachbarn auf die Palme, Gerichten eine Menge Krimskrams-Arbeit und Anwälten eine schöne Stange Geld bringt.

Selbst um Kriege anzuzetteln werden fadenscheinige Gründe bemüht - dabei geht es doch meistens nur um Macht und Einfluss, Geld und Rohstoffe. Auch beim "Krieg am Gartenzaun” bleibt es oft nicht bei verbalen Attacken, sondern es fließt Blut.

Im Jahre des Herrn 1286

Piraten gibt es heute in Dithmarschen nur noch auf Kinderfesten.
Piraten gibt es heute in Dithmarschen nur noch auf Kinderfesten.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch zwischen denen, die heute im Norden Deutschlands gemeinsam feiern, floss früher Blut - und zwar nicht zu knapp. Gegenseitige Piraterie war zwischen Brunsbüttelern und Hamburgern an der Tagesordnung.

Vor 725 Jahren einigten sich die Nachbarn vertraglich auf friedliche Beziehungen. Das geschah mit Brief und Siegel am 14. Juli 1286. In der erhalten gebliebenen Urkunde geloben die Bürger von Brunsbüttel ihrem Lehnsherren, dem Bremer Erzbischof Giselbert von Brunkhorst, die Hamburger Kaufleute nicht mehr auszurauben.

Heute geht es um Wichtigeres

725 Jahre danach ist das historische Friedensabkommen kaum noch erwähnenswert. Etwas anderes beschäftigt die Metropolregion Hamburg weit mehr: Sie feiert 25 Jahre Dithmarscher Kohltage (20. - 25. September). Gemeinsam sitzen die Kontrahenten von einst am Zusammenfluss von Elbe, Nord-Ostsee-Kanal (Kanalkilometer null) und Nordsee und futtern im größten geschlossenen Kohlanbaugebiet Europas (80 Millionen Köpfe) an Deutschlands größter Kohltafel (100 Meter) das gesunde Kraut.

Gastgeber zum offiziellen Auftakt der 25. Dithmarscher Kohltage sind Jan und Susanne Vollmert in Brunsbüttel. Auf ihrem Hof wird am 20. September um 10 Uhr der erste Kohl angeschnitten.

Wer hat’s erfunden?

Sieht zwar neckisch aus, das traditionelle Sauerkrautstampfen, ist heute aber nicht mehr zeitgemäß.
Sieht zwar neckisch aus, das traditionelle Sauerkrautstampfen, ist heute aber nicht mehr zeitgemäß.(Foto: picture alliance / dpa)

Von den Millionen Kohlköpfen wandert eine ganze Menge ins Fass - und dann als Sauerkraut auf unsere Teller. Im vergangenen Jahr wurden rund 59.000 Tonnen Sauerkraut in Deutschland produziert. Rezepte ums Sauerkraut finden sich reichlich, auch aus den Küchen anderer Länder ist es nicht mehr wegzudenken. Und doch hält sich die Behauptung, Sauerkohl sei ein "deutsches” Essen, hartnäckig.

Nicht nur Ausländer sind dieser Meinung, sondern deutsche Dichter wie Ludwig Uhland und Ludwig Börne trugen das Ihre dazu bei. So dichtete der Schwabe Uhland: "Auch unser edles Sauerkraut, wir wollen's nicht vergessen; ein Deutscher hat's zuerst gebaut, drum ist's ein deutsches Essen." Und sein Zeitgenosse Börne pflichtete ihm bei: "Das Sauerkraut ist ein echt deutsches Essen; die Deutschen haben es erfunden und lieben und pflegen es mit aller Zärtlichkeit."

Um es gar nicht erst zum "Sauerkrautstreit” zwischen Deutschen, Polen und Ungarn, Chinesen und Koreanern kommen zu lassen: Das Verfahren, aus Weißkohl mit Hilfe der Milchsäuregärung ein ohne Konservierungsstoffe über Monate haltbares Gemüse zu machen, ist keine deutsche Erfindung.

Sauerkraut kannten schon die antiken Griechen - sie haben mit vergorenem Kohl vitaminarme Wintermonate überlebt. Bereits der griechische Arzt Hippokrates empfahl im vierten Jahrhundert vor Christus Sauerkraut als gesunde Speise. Die heute bekannte Variante des geschnittenen, mit Salz eingelegten Kohls setzte sich dem Historiker Klaus Gille zufolge erst im 15. Jahrhundert in Mitteleuropa durch.

Der Leipziger Lutz Bunge musste sein schnatterndes Federvieh vor Gericht verteidigen.
Der Leipziger Lutz Bunge musste sein schnatterndes Federvieh vor Gericht verteidigen.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Und falls Ihr Nachbar im Sommer über Ihre Grillgerüche die Nase gerümpft oder gar schon mit dem Kadi gedroht hatte - laden Sie ihn doch zum Sauerkraut-Essen ein. Falls Sie befürchten müssen, dass der Nachbar wegen des "Arme-Leute-Gerichts" sauer reagiert, machen Sie‘s französisch: "Choucroute au champagne" - Sauerkraut auf französisch halt. Und haben Sie Ihren Nachbarn nicht nur mit dem rauchenden Grill, sondern auch noch mit brüllenden Kindern, dem bellenden Hund, der in Nachbars Blumenbeet pinkelnden Katze, lautstark lästernden Papageien, überhängenden Ästen, zu hellen 40-Watt-Glühlampen am Hauseingang, wöchentlichen Gartenpartys, nächtlichem Wäschewaschen und Duschen, Blockflöten und anderen Grausamkeiten genervt - dann müssen Sie sich schon etwas mehr einfallen lassen - zum Beispiel "Kassler auf Champagner-Ananas-Kraut im Römertopf":

Zutaten (4 Personen):

800 g Kassler (ohne Knochen)
600 - 800 g frisches Sauerkraut aus dem Fass
1 Dose Ananas in Scheiben
1 Lorbeerblatt
4 Wacholderbeeren
1 Glas Champagner oder Sekt oder Prosecco
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Honig, Schmand, etwas Salz

Zubereitung:

Den Römertopf gut wässern, Sauerkraut und Ananasscheiben gut abtropfen lassen. 1 bis 2 Ananasscheiben in kleine Stücke schneiden und diese unter das abgetropfte Sauerkraut mischen.

Aus etwas Schmand, etwas Honig und ein wenig Ananassaft sowie etwas Salz und Pfeffer eine dickliche Masse rühren.

Das Fleisch in gleichmäßigen Abständen in Scheiben schneiden - aber nur gut ¾ durch, so dass der Braten an der Unterseite noch zusammenhängt. In die Einschnitte jeweils eine Ananasscheibe stecken.

Auf den Boden des Römertopfes eine dicke Schicht Sauerkraut geben, darauf das Lorbeerblatt und die Wacholderbeeren. Den Braten mittig drauflegen und das restliche Kraut ringsum verteilen. 1 Glas Sekt auf dem Kraut verteilen, alles mit etwas schwarzem Pfeffer bestreuen. Dann die Schmandmasse oben auf dem Fleisch aufbringen.

Den gewässerten Deckel auf den Römertof setzen und alles im Ofen bei 200 Grad Celsius etwa 1,5 Stunden schmoren lassen. Gegen Ende der Garzeit den Deckel abnehmen, damit die Kruste noch zusätzlich Farbe bekommt.

Dazu schmecken am besten mehlige Salzkartoffeln, Kartoffelpüree oder ganz einfach nur ein frisches Baguette.

Im kanadischen Vancouver ist "German Bratwurst with Sauerkraut" allseits beliebt.
Im kanadischen Vancouver ist "German Bratwurst with Sauerkraut" allseits beliebt.(Foto: picture alliance / dpa)

Gutes Gelingen wünscht Ihnen Heidi Driesner - dann klappt‘s auch mit dem Nachbarn!

Quelle: n-tv.de

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