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Fast wie im Orient: Reiche Auswahl an Hülsenfrüchten auf einem Markt in Meran.
Fast wie im Orient: Reiche Auswahl an Hülsenfrüchten auf einem Markt in Meran.

Power fürs neue Jahr: Zeit für eine kleine Renaissance

Von Heidi Driesner

Die "fetten Tage" waren erfolgreich, Waage und Konto zeigen das eindrucksvoll. Die bunten Zeitungen überschlagen sich mit Neujahrsdiäten, dabei machen drei Kilo weniger nicht wirklich glücklicher. Dass es nicht immer Kaviar sein muss, wissen wir selber, aber Wasser und Brot lässt einen an mittelalterliche Kerker denken. Und das muss schließlich nicht sein!

Weihnachten, Silvester, Autoversicherung - bei den meisten herrscht zu Jahresbeginn Ebbe auf dem Konto. Fast jeder zehnte Deutsche steckt in der Schuldenfalle fest, wobei neuerdings weniger Scheidung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit Gründe für Zahlungsschwierigkeiten sind, sondern mehr ein unangemessenes Konsumverhalten. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ist die Bereitschaft zum Geldausgeben deutlich gestiegen. Die Leute hätten Angst vor einer Inflation und würden ihr Geld lieber ausgeben anstatt es auf der Bank zu lassen, wo es ohnehin nur wenig Zinsen einbringt. Der Bank allerdings bringt es eine Menge ein, wenn man ständig im Dispo herumdümpelt.

Erbsen sind kleine Proteinbomben.
Erbsen sind kleine Proteinbomben.(Foto: tommyS_pixelio.de)

Nun muss es nicht gleich Wasser und Brot sein, was Sie Ihren Lieben nach Gänsebraten, Kaviar und Schampus auftischen; derartig einschneidende Maßnahmen können einem die Lust aufs neue Jahr gründlich vermiesen. Und wer will schon eine ewig maulende Familie um sich haben? Wenn Sie Ihr Flaschenpfand bereits der Haushaltskasse zugeführt, die nicht enden wollende Flut der dicken und weniger dicken Kataloge direkt zur Sammelstelle umgeleitet und die diversen Reste der Feiertagsschlemmereien schon aufgefuttert haben, sollten Sie sich auf das "Fleisch der Armen" besinnen. Schmeckt gut, bringt Power und ist preiswert.

Die Rede ist von Hülsenfrüchten. Saubohnen, Erbsen, Linsen und Kichererbsen sind reich an Proteinen, Mineralstoffen und Stärke und mit Ausnahme der Sojabohne zudem fettarm. Diese Nährstoffbomben haben (ähnlich wie Kohl) zu Unrecht den Ruf eines Arme-Leute-Essens. Zum Glück werden Klassiker immer wieder mal neu entdeckt, so ist es auch bei dem sogenannten Samengemüse. Meist versehen mit einem exotischen Touch haben Hülsenfrüchte  Einzug gehalten auch in die gehobene Gastronomie.

Einfach und schmackhaft

Diese gewisse Renaissance haben wir aber nicht nur dem Einfluss der internationalen Küche zu verdanken, sondern auch dem steigenden Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher. Im Unterschied zu Ländern vor allem in Nordafrika, Lateinamerika und Asien, wo Hülsenfrüchte Grundnahrungsmittel sind, liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland nur bei einem Kilogramm pro Jahr. Das bedeutet nur etwa eine Portion alle zwei bis vier Wochen. Und die wird zumeist auch noch importiert. Hierzulande werden Hülsenfrüchte überwiegend als Futterpflanzen und zur Gründüngung angebaut, so dass 90 Prozent der Speisehülsenfrüchte  importiert werden müssen, unter anderem aus Ungarn und Tschechien, Kanada und Argentinien, China und Frankreich.

Die Zubereitung von Speisen aus Hülsenfrüchten ist einfach, braucht jedoch meistens etwas Zeit. Mit Ausnahme von Linsen und geschälten Erbsen muss das getrocknete Samengemüse eingeweicht werden, am besten mit der dreifachen Menge kalten Wassers. Vorher das gründliche Waschen nicht vergessen!

Das Einweichen, bei dem Stoffe aus den Zellwänden in das Wasser übergehen, ist wichtig für den Garprozess. Diese Zellwandbestandteile sind zum großen Teil verantwortlich für die unangenehmen Blähungen; deshalb sind Schälerbsen auch leichter verdaulich als ungeschälte. Gewürzt werden Hülsenfrüchte immer erst zum Schluss, denn Salz und Säure (zum Beispiel durch Essig) verhärten die Zellwände und verlängern so die Garzeit.

Unangenehme Begleiterscheinungen

Ein Erbseneintopf aus einer Gulaschkanone ist eine schmackhafte Angelegenheit.
Ein Erbseneintopf aus einer Gulaschkanone ist eine schmackhafte Angelegenheit.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Viele Menschen essen Erbsen, Bohnen oder Linsen recht gern, verzichten jedoch wegen diverser Verdauungsschwierigkeiten schweren Herzens darauf. Die Blähungen nach dem Genuss von Hülsenfrüchten kann man deutlich mindern, wenn man das Einweichwasser wegschüttet, in dem diese Oligosaccharide gelöst sind. Sie sind für den Menschen unverdaulich, werden aber von den Dickdarmbakterien abgebaut, wobei die berühmt-berüchtigten Gase entstehen. Auch mit Kräutern und Gewürzen kann man die Bekömmlichkeit von Hülsenfrüchten verbessern: Bohnenkraut, Majoran, Thymian, Rosmarin, Kümmel, Koriander, Basilikum, Kreuzkümmel, Fenchel und Anis sind dazu geeignet.

Menschen mit erhöhtem Harnsäurespiegel sollten jedoch Hülsenfrüchte nur in Maßen verzehren, denn sie sind reich an Purinen, die zu Harnsäure verstoffwechselt werden. Die Purine kommen vor allem in den Zellkernen vor und lassen sich nicht herauslösen. Haben Sie diese Probleme nicht, wagen Sie sich doch mal an einen leckeren

Erbseneintopf

Zutaten (4 Pers):

250 g gelbe ungeschälte Erbsen
100 g geräucherter Bauchspeck
4 geräucherte Mettenden, Debreziner o. ä.
1 Zwiebel
1 Stange Lauch
2 Möhren
2-3 Kartoffeln
½ Sellerieknolle
5 Pimentkörner
2 Lorbeerblätter
1-2 getrocknete Chilischoten
1/ Bd glatte Petersilie
einige Stängel frischer Majoran oder Thymian

Zubereitung:

Die Erbsen gut waschen und in reichlich Wasser über Nacht einweichen. Am Tag danach abgießen, nochmals mit klarem Wasser durchspülen und mit neuem kalten Wasser ansetzen. Lorbeerblätter, Piment sowie Chili nach Bedarf dazugeben und bei mäßiger Hitze garen, bis die Erbsen fast weich  sind.

In der Zwischenzeit den Speck würfeln und auslassen; die Zwiebel in Stückchen schneiden, dazugeben und goldgelb anschwitzen. Das Gemüse - Möhren, Sellerie, Lauch und Kartoffeln - putzen. Das Weiße vom Lauch in dünne Scheiben schneiden, Möhren, Sellerie und Kartoffeln klein würfeln. Das innere zarte Grün des Porrees in sehr dünne Scheibchen schneiden und extra extra beiseite stellen. Die Würstchen in Scheiben schneiden.

Tipp:

- Sie können die Erbsen statt in Wasser auch in Gemüse- oder Fleischbrühe ansetzen.
- Die Würste können auch ganz gelassen und pro Person serviert werden. Sind sie geschnitten, schmeckt der Eintopf kräftiger.
- Zum Einsatz können auch Bockwurst oder Wiener Würstchen kommen.

Sind die Erbsen so gut wie gar, geben Sie die Würstchen und das Gemüse - bis auf das Porreegrün - in den Eintopf und lassen Sie ihn auf kleiner Flamme etwa 10 Minuten köcheln, bis das Gemüse weich ist. Vom Feuer nehmen, den ausgelassenen Speck dazugeben und erst jetzt mit Salz abschmecken. Das geschnittene Porreegrün sowie die abgezupften Majoran- oder Thymianblättchen dazugeben und durchziehen lassen. Vor dem Servieren mit gehackter Petersilie bestreuen.

Guten Appetit wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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