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Der Fluchhafen: Brandschutz stoppt BBI

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Bedröppelte Gesichter bei Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck: ... (Foto: picture alliance / dpa)

Bedröppelte Gesichter bei Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck: ...

Bedröppelte Gesichter bei Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck: ...

Das neue gemeinsame Schmuckstück im märkischen Sand hat ein paar entscheidende Schwachstellen.

Am neuen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg wird nicht wie geplant ab dem 3. Juni 2012 der Flugverkehr für Berlin abgewickelt werden. Ausschlaggebend dafür sind ...

... Mängel im Brandschutz. Die Anlage haben noch nicht "den nötigen Reifegrad", wie es die Betreibergesellschaft vornehm ausdrückt. Im Klartext: Die Bauarbeiten sind nicht rechtzeitig fertig geworden.

Wann es weitergehen soll? "Nach der Sommerpause", so die in mehrerlei Hinsicht unfassbare neue Zeitvorgabe.

Denn zum einen ist das doch recht vage und zum anderen stellen sich viele die Frage: Wieso fällt den Verantwortlichen erst drei Wochen vor dem Stichtag auf, dass das nichts wird?

Fakt ist: Nun müssen hastig die Bedingungen für einen vorübergehenden Weiterbetrieb Schönefelds und Tegels geschaffen werden.

Auch die Fluggesellschaften und sonstigen Wirtschaftsbetriebe, ...

... die sich auf einen Start Anfang Juni am neuen Standort eingestellt hatten, müssen nun zusehen, wie sie den Schaden begrenzen.

Dabei hatten es sich die Stadtoberen doch so schön vorgestellt. Und zunächst lief auch alles glatt.

Anfang Mai 2010 wurde im Süden Berlins noch groß gefeiert, ...

... denn beim Bau des künftigen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg war eine wichtige Etappe geschafft.

Etwa anderthalb Jahre vor der geplanten Eröffnung gab es in Schönefeld das Richtfest für den Passagierterminal.

Das Abfertigungsgebäude mit einer Startkapazität von 27 Millionen Reisenden pro Jahr ist das Herzstück des dann drittgrößten deutschen Flughafens.

Er sollte 2,5 Milliarden Euro kosten und ursprünglich am 30. Oktober 2011 in Betrieb gehen.

Auf den Stand der Bauarbeiten und das gesamte Gelände konnte man per Bustour, aber auch vom 32 Meter hohen Infotower (der bereits im November 2007 eröffnet wurde) einen Blick werfen. Allein der Bau des Turms hat zwei Millionen Euro gekostet. Er hat einen dreieckigen Grundriss und ist von einer halbdurchsichtigen Folie umhüllt.

Der künftige Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) wird den Beinamen "Willy Brandt" tragen.

Sein Flughafen-Kürzel wird BER sein. (Schönefeld hat SXF, Tegel TXL als internationalen IATA-Code, eine Kombination von drei Buchstaben zur eindeutigen Kennzeichnung von Verkehrsflughäfen.)

Für den Ausbau zum BBI wird die bisherige südliche Start- und Landebahn in Schönefeld von 3000 auf 3600 Meter verlängert.

Die bestehende nördliche Piste und das bisherige Abfertigungsgebäude verschwinden.

Eine neue Start- und Landebahn von 4000 Metern Länge entsteht. Zwischen den künftigen Parallelbahnen ...

... steht die zentrale Terminalhalle, die im Untergeschoss einen Bahnhof für den Nah- und Fernverkehr bekommt. Sie ist 220 Meter lang, 180 Meter breit und 32 Meter hoch.

Der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg soll das ineffiziente Berliner Luftfahrtsystem aus der Zeit der Teilung (mit den Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld) ersetzen. Dafür ...

... werden die verbliebenen Flughäfen Tegel ...

... und der alte Flughafen Schönefeld geschlossen.

Der Flughafen Berlin-Tempelhof wurde bereits 2008 zugunsten des künftigen Großflughafens in Schönefeld stillgelegt.

Auf seinem Gelände wurde, am gleichen Mai-Wochenende 2010, die Eröffnung von Berlins größtem Park gefeiert.

Hunderttausende Menschen, viele von ihnen mit Rädern oder Rollschuhen unterwegs, strömten auf die 300 Hektar große Freifläche, auf der einst die "Rosinenbomber" landeten.

Für das denkmalgeschützte Flughafen-Gebäude dagegen ist eine dauerhafte Nutzung noch nicht gefunden.

Aber zurück nach Schönefeld: Der Weg bis zum Richtfest war durchaus turbulent.

Das Gezerre um einen neuen Hauptstadtflughafen dauerte fast 15 Jahre.

Ehe der Spatenstich im September 2006 getan werden konnte, war eine Vielzahl von Hürden zu überwinden.

In den vergangenen Jahren mussten ganze Dörfer dem neuen Flughafen weichen. Die Gemeinde Diepensee etwa ...

... wurde wenige Kilometer weiter komplett neu aufgebaut.

Wegen der Umsiedlungsmaßnahmen, aber auch wegen der Lärmbelastung und den enormen Kosten, hatte (und hat) der neue Großflughafen viele Gegner. Es gab einen jahrelangen juristischen Streit.

Anwohner hatten Verfassungsbeschwerde gegen den Ausbau des Flughafens eingelegt - diese wurde schließlich im März 2008 vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt.

Die Gegner bemängelten vor allem die Standort-Wahl: Sie warfen den Planern vor, aus ihrer Sicht günstigere Alternativen wie den Flughafenbau in Jüterbog oder Sperenberg aus politischen Gründen nicht ausreichend in Erwägung gezogen zu haben. Aber sie verloren den Streit, der Flughafen durfte gebaut werden.

Neben den juristischen gab es finanzielle und organisatorische Probleme: Auch die geplante Privatisierung war geplatzt - die Länder Berlin und Brandenburg und der Bund hatten den Bau dann schließlich selbst übernommen.

Zudem, wie eigentlich die Regel bei solchen Großvorhaben, liefen die Kosten gehörig aus dem Ruder. Mittlerweile liegen sie bei 2,5 Milliarden Euro.

Aber bei einem Richtfest werden vor allem Erfolge gefeiert - und auch Erinnerungen werden wach, denn der Flughafen Berlin-Schönefeld hat eine jahrzehntelange, spannende Geschichte.

In den 1980er Jahren schätzten ihn zum Beispiel auch junge Rucksacktouristen aus dem Westen. Lange vor dem Lastminute- und Billigfliegerboom begannen vom Zentralflughafen der DDR in Berlin-Schönefeld viele ihre Reise in den Süden.

Dort, wo auch Erich Honecker und Leonid Breschnew, Walter Ulbricht und Nikita Chruschtschow (im Bild) zu Staatsbesuchen starteten und landeten, konnte man für relativ wenige DM mit der DDR-Staatslinie Interflug in (fast) alle Welt düsen.

Für westliche Verhältnisse war also das eine oder andere Schnäppchen drin. Interflug war, so gesehen, ein Billigflieger vor allem für Westberliner.

Für DDR-Bürger war es nicht so günstig, und sie kamen natürlich auch nicht überall hin - da blieb oft nur der sehnsuchtsvolle Blick von der Aussichtsterrasse des "Zentralflughafens Berlin-Schönefeld".

Mit seinem Standard war der Flughafen jedoch weit hinter westlichem Niveau: ...

... Die Fluggäste mussten oft zu Fuß übers Rollfeld zum Flieger gehen, ganz zu schweigen von den langwierigen Passkontrollen.

Vor über 50 Jahren, am 30. Juni 1955, wurde in Schönefeld der zivile Flugverkehr aufgenommen, damals noch durch die Deutsche Lufthansa der DDR.

Zuvor hatten dort die Henschel-Flugwerke ihren Standort. Von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges baute Henschel in Schönefeld 14.000 Flugzeuge. Gleich nach 1945 begannen die Sowjets mit der Demontage und Sprengung aller Anlagen.

Schon ein Jahr später verlegten sie ihre Luftstreitkräfte von Berlin-Johannisthal nach Schönefeld. Fast zeitgleich wurde auch der "Befehl Nr. 93" zum Aufbau eines zivilen Flughafens ausgegeben.

Doch erst zehn Jahre später gewann dieser mit der Gründung der DDR-Fluggesellschaft Interflug an Bedeutung.

Vor der Wende war Schönefeld der wichtigste und größte Flughafen im Ostteil Deutschlands.

Von hier flogen die Fluglinien fast aller Ostblockstaaten, darunter auch die sowjetische Aeroflot.

Vom Westen oft als Provinzflughafen belächelt, hieß er in der DDR Zentralflughafen.

Doch im Vergleich zu Airports wie Frankfurt, London oder Paris waren die Passagierzahlen in Schönefeld eher bescheiden.

Das höchste Aufkommen (vor dem Mauerfall) wurde 1989 mit rund 2,9 Millionen Fluggästen erreicht. Heutzutage sind es weit über 6 Millionen.

Von Schönefeld aus wurden die Hauptstädte fast des gesamten Ostens angeflogen. Darüber hinaus ging es nach Kuba, Bangkok, Athen, Rom, Amsterdam und Wien.

Für die Devisen bringenden West-Reisenden gab es ein spezielles Transit-Terminal.

Staatsgäste wurden in der separat liegenden "Regierungsabfertigung" empfangen, dort wo Breschnew und Co. auch ihre Bruderküsse austauschten.

Drei schwere Unfälle sind mit Schönefeld verbunden. Der erste ereignete sich am 14. August 1972.

Nach dem Start der IL-62 mit der Reg. "DM-SEA" in Berlin-Schönefeld mit dem Flugziel Burgas löste eine undichte Rohrverbindung der Heißluftleitung einen Brand im Heck der Maschine aus.

Die Maschine stürzte über Königs Wusterhausen ab.

Alle 156 Bordinsassen starben. Nach dem Absturz einer Aeroflot-Maschine am 12. Dezember 1986 bei Berlin-Bohnsdorf kam es ...

... 1989 zu einem weiteren tragischen Unfall. Nach der Blockierung des Höhenruders der Maschine vom Typ IL-62M mit der Reg. "DDR-SEW" versuchte die Crew den Start in Berlin-Schönefeld abzubrechen.

Doch anstatt Umkehrschub zu geben, stellte der Bordingenieur versehentlich die dafür benötigten Triebwerke ab. Dadurch war es unmöglich, noch auf der Bahn zum Stehen zu kommen. 21 Menschen kamen dabei ums Leben.

Nach dem Mauerfall gab es große Pläne für den Flughafen: Anfang der 90er Jahre wollte die Lufthansa im Einheitstaumel Schönefeld zum gigantischen Drehkreuz machen.

Wenig später verwarf die ehemalige Staatslinie ihre Pläne.

Seitdem ringt Berlin um Anschluss an die erste Liga des internationalen Luftverkehrs. Seit einigen Jahren schon bescheren nun die Billigflieger dem nur knapp 30 Kilometer von Berlin-Mitte entfernten Flughafen einen kleinen Boom.

So hat seit April 2004 die britische Easyjet hier ihr Drehkreuz ...

... seit Anfang Juni 2005 auch die Lufthansa-Tochter Germanwings. Im Dezember 2005 wurde das neue Terminal D eröffnet (im Bild die Grundsteinlegung im Juli 2005), das vor allem für die Abfertigung der Low-Cost-Flüge genutzt wird.

Der irische Billigflieger Ryanair startete 2003 seinen Flugbetrieb von hier, will nun allerdings weg aus Schönefeld - unter anderem, um Kosten zu sparen. Als Alternative im Gespräch ist Eberswalde-Finow.

Air Berlin aber will nach dem Umzug von Tegel die Zahl ihrer Interkontinentalflüge von Berlin weiter ausbauen und die Hauptstadt als Drehkreuz weiterentwickeln.

Lufthansa-Chef Mayrhuber (links, neben Air-Berlin-Chef Hunold), versicherte beim Richtfest: "Wir haben hier einiges vor. Wir werden auch hier wachsen und das rausholen, was wir aus der Region für unsere Kunden rausholen können."

Bisher sehe er aber noch nicht, dass es genug Geschäftsreisende in die Stadt ziehe, um direkte Langstreckenverbindungen aufzunehmen. Er wollte daher "keine zu frühen Versprechungen machen."

Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck (links, neben Berlins Regierendem Bürgermeister Wowereit), verbreitete beim Richtfest hingegen Optimismus: Der neue Flughafen für 27 Millionen Passagiere werde "Deutschlands Tor zum Osten" sein. Man sei schließlich aus Moskau und Peking eine Stunde eher in Deutschland, wenn man hier landet anstelle in Frankfurt.

Das muss nun noch etwas länger warten. (abe/dpa)

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