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Dienstag, 01. Dezember 2015

Homo sapiens und andere Menschen: Eine Stammesgeschichte

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Der Mensch, das ist für uns ganz selbstverständlich der Homo sapiens - und nur der Homo sapiens. Schließlich zählen auch wir dazu. Alle. Kein heute lebender Mensch gehört einer anderen Art an als Homo sapiens. Das war nicht immer so. (Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Der Mensch, das ist für uns ganz selbstverständlich der Homo sapiens - und nur der Homo sapiens. Schließlich zählen auch wir dazu. Alle. Kein heute lebender Mensch gehört einer anderen Art an als Homo sapiens. Das war nicht immer so.

Der Mensch, das ist für uns ganz selbstverständlich der Homo sapiens - und nur der Homo sapiens. Schließlich zählen auch wir dazu. Alle. Kein heute lebender Mensch gehört einer anderen Art an als Homo sapiens. Das war nicht immer so.

Noch vor 100.000 Jahren gab es mindestens sechs verschiedene Menschenarten. Sie alle waren Teil der Gattung Homo. Die ersten von ihnen betraten vor rund 2,5 Millionen Jahren die Bühne der Evolution. Sie gingen damals aus ...

... einer "Affen"-Gattung hervor: dem Australopithecus, was übersetzt "südlicher Affe" bedeutet. Es war in Südafrika, wo man zuerst auf die Überreste dieses Vorfahren des Menschen stieß. Besonders bekannte Funde sind ...

... Lucy und ...

... das Kind von Taung, benannt nach einer Ortschaft in Südafrika, sowie das ...

... Skelett einer Jugendlichen, das die wissenschaftliche Bezeichnung DIK 1-1 bekam. Was sich ...

... aus dem Australopithecus langfristig entwickelte, war recht unterschiedlich. Es hing vom jeweiligen Lebensraum ab.

Das verschneite Nordeuropa stellte andere Anforderungen an die ersten Menschenarten als ...

... die Regenwälder in Südostasien.

In Europa bildete sich über Millionen Jahre hinweg der Homo neanderthalensis heraus, der Neandertaler. Er lebte während der Eiszeit, und sein Körperbau weist entsprechende Anpassungen auf.

Die Neandertaler waren stämmig und sehr muskulös. Größer als etwa 1,60 Meter wurden sie meist nicht.

Ihre großen Nasennebenhöhlen halfen möglicherweise, die eiskalte Luft besser anzuwärmen, bevor sie die Lungen erreichte - so die Annahme einiger Forscher.

Das Hirn der Neandertaler war größer als das der heutigen Menschen, was eine Folge ihres insgesamt kräftigeren Körperbaus gewesen sein könnte.

Auf der indonesischen Insel Flores hingegen entwickelte sich - wie Höhlenfunde zeigten - der Homo floresiensis, oft als "Hobbit" bezeichnet. Diese Menschenart nämlich war ...

... besonders klein, nur etwa einen Meter groß, und wog gerade mal 25 Kilogramm. Hier im Bild der Schädel eines ihrer Vertreter (links) im Vergleich mit dem Homo sapiens.

Auf dem asiatischen Festland breitete sich der Homo erectus aus. Er war die erste Menschart, die ...

... Feuer benutzte, die erste, die ihre Nahrungsversorgung durch die Jagd sicherte, und die erste, die ...

... wie ein moderner Mensch laufen konnte - komplett aufgerichtet. Daher auch der Artzusatz "erectus". Der Homo erectus bevölkerte ...

... Asien anderthalb Millionen Jahre lang. Er war, wie der Historiker Yuval Noah Harari 2011 in seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" festhält, die langlebigste Menschenart aller Zeiten.

Parallel zu den Entwicklungen in Asien und Europa schritt die Evolution auch in Afrika voran. Dort bildete sich zum Beispiel der Homo rudolfensis heraus. Er gilt als die ursprünglichste Homo-Art. Einem 1972 ...

... am Rudolfsee in Kenia gefundenen Schädel wird ein Alter von mindestens 1,9 Millionen Jahren zugeschrieben. Ein in ...

... Malawi gefundener Unterkiefer, ebenfalls von einem Homo rudolfensis, wird auf ein Alter von 2,5 Millionen Jahren geschätzt. Zusammenhängende Skelettfunde dieser Menschenart sind bislang nicht bekannt.

Vor 1,8 Millionen Jahren ist der Homo rudolfensis ausgestorben. Warum, weiß man nicht.

Teilweise zur gleichen Zeit, nämlich vor 2,1 bis 1,5 Millionen Jahren, lebte der Homo habilis - ebenfalls in Afrika.

Vor etwa 1,9 Millionen Jahren entwickelte sich hier auch ...

... Homo ergaster. Dieser weist große Ähnlichkeiten mit Homo erectus auf. "Ergaster" bedeutet arbeitend, womit auf den Gebrauch von Steinwerkzeugen verwiesen wird. Doch vor Homo ergaster nutzten auch Homo rudolfensis und Homo habilis Werkzeuge aus Stein.

Schließlich, mehr als anderthalb Millionen Jahre später, trat in Afrika Homo sapiens auf den Plan. Die ältesten bekannten Überreste des modernen Menschen fanden Forscher in Äthiopien: Die Schädelknochen sind rund 160.000 Jahre alt. Zu dieser Zeit gab es auch ...

... Neandertaler, ...

... Homo erectus und ...

... Homo floresiensis noch. Lange Zeit ging man davon aus, dass die unterschiedlichen Menschenarten in einem langen Stammbaum aufeinanderfolgten. Doch so war es nicht. Wie Harari im erwähnten Buch herausstellt, ...

... lebten zwei Millionen Jahre lang, bis vor rund 10.000 Jahren, mehrere Homo-Arten gleichzeitig auf der Erde. Und noch immer ...

... werden weitere entdeckt. So stieß man in der sibirischen Denisova-Höhle im Jahr 2010 auf ...

... etwa 40.000 Jahre alte Fingerknochen, die man einer "bisher unbekannten Art" zuschreibt. Sie ist eng verwandt mit den Neandertalern und dem Homo sapiens, kann jedoch genetisch von beiden unterschieden werden.

Der Stammbaum der Menschheit ist somit keinesfalls lückenlos. Und er ist auch nicht eindeutig. Er beruht auf Funden und unterschiedlichen Hypothesen. Doch in jedem Fall zeigt er eine bemerkenswerte Vielfalt an menschlichen Arten. Diese Vielfalt aber, ...

... sagt Harari, "ist weniger erstaunlich als die Tatsache, dass wir heute allein sind". Wo auch immer Homo sapiens auftauchte, verschwanden die anderen Arten. Warum, das ist noch nicht abschließend geklärt. (asc)

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