Panorama

War Sebastian allein?Amrum rätselt um Sand-Unfall

06.07.2012, 17:32 Uhr
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Der Kinderspielplatz wurde zum Unglücksort für Sebastian. (Foto: dpa)

Die Polizei auf Amrum geht der Frage nach, ob der verstorbene Sebastian Hilfe beim Buddeln hatte. Lukas, der letzte Spielkamerad, von dem die Behörden wissen, hatte sich gegen 16.30 Uhr von der späteren Unglücksstelle entfernt. Ein Geologe erklärt die Gefahr des Dünensandes.

Zum tragischen Unfalltod des zehnjährigen Sebastian auf der Nordseeinsel Amrum sind weiter nicht alle Fragen geklärt. So ist unklar, ob der Junge aus Österreich beim Spielen im Sand eine Schaufel benutzt oder nur mit den Händen gebuddelt hat, sagt die Husumer Polizeisprecherin Kristin Stielow. Vor allem steht noch nicht fest, ob Sebastian alleine gegraben hat. Für ein Verbrechen gebe es weiterhin keinerlei Hinweise, sagt Stielow.

Nach Erkenntnissen der Ermittler spielte der Zehnjährige im Laufe des Sonntags mit mehreren Kindern im Bereich des "Piratenschiffs" am Strand von Wittdün. Eines von ihnen heiße Lukas. "Der letzte Spielkamerad, von dem wir wissen", sagt Stielow. Lukas habe den Strand aber gegen 16.30 Uhr verlassen. Sebastian war seit Sonntagabend vermisst und nach mehrtägiger Suche im Sand verschüttet tot von der Polizei gefunden worden. Die Obduktion ergab, dass der Junge aus der Region Wien erstickt ist.

Aber wie konnte Sebastian, der neben der Rutsche gespielt haben soll, überhaupt verschüttet werden? Ein mögliches Szenario erläutert der Geologe Christoph Heubeck von der Freien Universität Berlin: Vermutlich habe der Junge nassen Sand vom Grund des Loches auf den am Rand liegenden trockenen Sand aufgehäuft. Dieser Sand könne dann schließlich abgerutscht sein und das Kind unter sich begraben haben. Das wäre vergleichbar mit einer Schneelawine. Das Gewicht der Sandkörner mache einen Verschütteten unbeweglich. Es sei dann unmöglich, den Brustkorb zu heben. "Man erstickt."

"Ermittlungsverfahren normal"

Der Dünensand auf Amrum sei besonders feinkörnig, sagt der Geologe. Die Reibung sei dabei gering. Wenn aber feinkörniger Sand mit Schlick oder nassem Sand beschwert werde, könne es zu "katastrophalen Massenbewegungen" kommen, so Heubeck. Dies geschehe beispielsweise auch in Wüsten nach einem Starkregen. Dann könnten 50 Meter hohe Dünen auf Hunderten von Metern zusammenbrechen. Heubeck nannte das Unglück aber auch ein Rätsel. Er könne nicht nachvollziehen, wie ein kleiner Junge im Alter von zehn Jahren in der Lage sei, mit Spielgerät ein Loch zu graben, das "wahrscheinlich mindestens so groß ist wie er selbst. Denn er muss sich dort ja auch noch hineinkauern oder hineinlegen können", sagte Heubeck.

Die Kriminalpolizei trage zurzeit Ermittlungsergebnisse zusammen, sagt Oberstaatsanwalt Otto Gosch von der zuständigen Flensburger Staatsanwaltschaft. "Der Stand ist ein Todesermittlungsverfahren, wie es beim Auffinden von Leichen üblich ist." Sebastian hatte mit seinen Eltern und der Schwester Urlaub auf Amrum gemacht.

Quelle: ntv.de, dpa