Panorama

Missbrauchsprozess sollte beginnen Angeklagter Ex-Erzbischof muss in die Klinik

11.07.2015, 13:28 Uhr
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Jozef Wesolowski war im September vergangenen Jahres im Vatikan festgenommen und später in den Laienstand versetzt worden. Das ist die höchstmögliche Strafe in der Kirche. (Foto: picture alliance / dpa)

Es ist eine Premiere: Ein hochrangiger Geistlicher muss sich wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger vor Gericht verantworten. Doch die Verhandlung beginnt ohne ihn. Wesolowski liegt auf der Intensivstation.

Der mit Spannung erwartetet Prozessauftakt gegen einen Ex-Papstbotschafter wegen Kindesmissbrauchs ist im Vatikan wegen Krankheit des Angeklagten vertagt worden. Der ehemalige Nuntius der Dominikanischen Republik, Josef Wesolowski, liege in einem römischen Krankenhaus auf der Intensivstation, erklärte der Vatikan. Bis wann der Prozess verschoben wird, sei unklar.

Dem polnischen Ex-Erzbischof wird Missbrauch von Minderjährigen in der Dominikanischen Republik und der Besitz "großer" Mengen kinderpornografischen Materials vorgeworfen. Wesolowski, 66 Jahre alt, ist der erste hochrangige katholische Geistliche, der im Vatikan wegen Missbrauchsvorwürfen strafrechtlich vor Gericht gestellt werden soll. Warum er in einer Klinik behandelt wird, ist unklar. "Ich habe ihn vor zwei oder drei Tagen gesehen, und angesichts seines Alters und seiner Situation ging es ihm gut", sagte sein Anwalt Antonello Blasi.

Es drohen zwölf Jahre Haft

Wesolowski steht unter Hausarrest im Vatikan. Aus der Dominikanischen Republik war er im August 2013 zurückberufen worden, nachdem es Missbrauchsgerüchte gab. Er soll in der Karibik Jungen zwischen 13 und 16 Jahren missbraucht und bezahlt haben. Insgesamt muss es sich in fünf Anklagepunkten verteidigen. Ihm drohen bis zu zwölf Jahre Haft. Die Bischofswürde war ihm aberkannt worden, wogegen er Berufung eingelegt hat. Der Prozess dauere vermutlich bis Anfang 2016, berichtete Radio Vatikan. Es sei unwahrscheinlich, dass Papst Franziskus Wesolowski bei einer Verurteilung begnadigen würde.

Franziskus verfolgt wie sein Vorgänger Benedikt XVI. eine harte Linie gegen Kindesmissbrauch. Der Skandal um jahrzehntelang begangenen und vertuschten Missbrauch in katholischen Einrichtungen weltweit hatte die Kirche in eine ihrer schwersten Krisen gestürzt. Bei der Aufarbeitung der Fälle geht es aber nicht in allen Ländern gut voran. Der Kirche wird allgemein vorgeworfen, nicht genug gegen Vertuschung zu tun.

Franziskus hatte zuletzt eine juristische Abteilung ins Leben gerufen, die sich weltweit um Fälle kümmern soll, in denen Bischöfe ihr Amt missbrauchen und Kindesmissbrauch nicht anzeigen. Kritikern geht das nicht weit genug, weil sich nur Kleriker mit den Taten anderer Kleriker beschäftigten.

Quelle: ntv.de, asc/lda/dpa

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