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Vielerorts pumpt die Feuerwehr Keller aus.
Vielerorts pumpt die Feuerwehr Keller aus.(Foto: dpa)
Freitag, 30. Juni 2017

"6 Mal den Wannsee ausgegossen": Berlin räumt nach Jahrhundertregen auf

Historisch große Wassermassen haben sich über die Hauptstadt ergossen - nun geht es ans Aufräumen. Nördlich der Linie Berlin-Bremen kommen jedoch noch Dutzende Liter Regen vom Himmel.

Heftiger Regen hat in Teilen Deutschlands zu schweren Überschwemmungen geführt, die Lage entspannt sich nun aber weitgehend. Vor allem in Berlin waren die Auswirkungen des Unwetters am Freitagvormittag noch zu spüren - der Ausnahmezustand wurde noch nicht beendet.

Etwa nördlich einer Ost-West-Linie Berlin-Bremen hält der teils kräftige Dauerregen weiter an, in der Hauptstadt selbst fällt wenig bis kein Regen mehr. Dort waren es im Schnitt in den vergangenen 24 Stunden pro Quadratmeter 100 Liter, in Oranienburg 260 Liter. "Über Berlin wurde sechs Mal der Wannsee ausgegossen", sagte n-tv-Meteorologe Björn Alexander.

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Schwerpunkte für Überflutungen sind heute vor allem Teile Mecklenburgs und das nördliche Niedersachsen bis hinauf nach Hamburg und ins westliche Schleswig-Holstein. Hier sind grob schon 40 bis 80 Liter gefallen und es kommen noch 20 bis 50 Liter bis morgen früh dazu. Da die Intensität der flächendeckenden Regengüsse heute schon deutlich geringer ausfällt als gestern, werden auch die Auswirkungen wahrscheinlich nicht mehr so heftig sein.

In der Nacht war die Feuerwehr auch in Brandenburg, Niedersachsen und Bremen im Dauereinsatz. Im Norden und Osten Deutschlands blieben anders als befürchtet größere Schäden aus. Den Süden und Westen verschonte das Unwetter weitgehend. In Berlin waren hingegen in der Nacht und am Morgen Hunderte Feuerwehrleute im Einsatz - häufigster Grund waren vollgelaufene Keller und U-Bahnstationen sowie überschwemmte Straßen. Hier war nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe ein Jahrhundertregen niedergegangen. Demnach fiel die Menge eines Vierteljahres innerhalb von 18 Stunden.

Gestörter Nahverkehr

Am Morgen war der öffentliche Nahverkehr in der Hauptstadt weiter gestört. Einige U-Bahnlinien waren unterbrochen, stellenweise wurde ein Pendelverkehr eingerichtet, wie die Berliner Verkehrsbetriebe mitteilten. Die Feuerwehr bat weiterhin darum, die Helfer bei Keller-Überschwemmungen nur dann zu rufen, wenn das Wasser höher als fünf Zentimeter steht.

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An anderen Stellen entspannte sich die Lage: Am Flughafen Tegel läuft der Betrieb seit Freitagmorgen wieder normal. Ein unterspültes Haus in Charlottenburg, bei dem zwischenzeitlich Einsturzgefahr bestand, wurde am Morgen von Statikern wieder freigegeben. Auch auf der viel befahrenen Stadtautobahn A100 gab es der Polizei zufolge nach mehreren nächtlichen Sperrungen keine Störungen mehr.

Doch nicht nur in der Hauptstadt war Land unter. Auch in Brandenburg regnete es stundenlang - besonders betroffen war der Raum Oranienburg. Einige Schäden aus der Nacht kamen erst am Morgen zutage: So musste etwa die Kreisverwaltung Oberhavel wegen technischer Probleme geschlossen werden. In die unteren Kellerräume, in denen die Server der Verwaltung stehen, sei Wasser gelaufen, teilte die Stadt Oranienburg mit.

In Mecklenburg-Vorpommern hatte der Starkregen einige Open-Air-Veranstaltungen beeinträchtigt. In Wolgast musste zum Beispiel die Premiere der Schlossinselfestspiele abgebrochen werden. In Niedersachsen und Bremen waren einige Straßen vorübergehend nicht befahrbar, größere Schäden entstanden aber nicht.

In Hannover war die Medizinische Hochschule von den Wasserschäden betroffen. Eine Tiefgarage sowie die Zentralapotheke waren überschwemmt worden. Beim Reifenhersteller Continental und der Zentralen Polizeidirektion gab es ebenfalls einen Wassereinbruch.

Im Kreis Oldenburg in Niedersachsen drohte das Dach einer Waschanlage wegen der Wassermassen zunächst einzustürzen. Die Feuerwehr konnte das Gebäude aber nach kurzer Zeit sichern. In Bremen liefen einige Gullydeckel über, auch wurden mehrere Straßen überschwemmt. Ein Baum stürzte auf ein parkendes Auto, verletzt wurde dabei aber niemand. Insgesamt sei Bremen von größeren Schäden verschont geblieben, teilte die Polizei mit.

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Quelle: n-tv.de

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