Panorama

Tödliche und verstümmelnde Rituale: Beschneidung kostet Leben

Junge Südafrikaner bezahlen den Eintritt ins Erwachsenenalter oft mit dem Leben. Sie sterben bei einer stümperhaften Beschneidung, die ihnen richtiges Männersein verheißt.

Er weiß noch nicht, was ihn möglicherweise erwartet.
Er weiß noch nicht, was ihn möglicherweise erwartet.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wer Glück hat, überlebt das archaische Beschneidungsritual mit verstümmeltem Penis und beschämenden Narben. Wer Pech hat, stirbt daran. Für den Übertritt ins Erwachsenenleben bezahlen junge Männer im ländlichen Südafrika einen hohen Preis. Beim Volk der Xhosa in der Eastern Cape-Provinz markiert das Ritual einen buchstäblich wichtigen Einschnitt im Leben der jungen Männer. Jedes Jahr aber sterben Teenager an Komplikationen, da die Initiationsriten oft von traditionellen und schlecht ausgebildeten Medizinmännern vorgenommen werden.

Zwei Mal im Jahr strömen junge Xhosa zu den traditionellen Initiationsschulen aufs Land, da die schnellere und weniger schmerzhafte medizinische Beschneidung oft nicht anerkannt wird. Zu ihnen gehört auch Athenkosi Mtirara; er will es den Männern seiner Familie gleichtun: "Solange Du nicht beschnitten bist, betrachtet Dich die Gesellschaft nicht als Mann, egal wie alt zu bist, dann wirst Du immer ein Junge bleiben. Keiner will damit leben", sagt der 18-Jährige kurz vor seiner Beschneidung. Angst hat er nicht, sagt er: "In meiner Familie ist noch niemand daran gestorben. Mein älterer Bruder hat mir gesagt, was ich vermeiden soll, damit meine Operation glatt geht." Danach werde er seine ganze alte Kleidung wegwerfen - Symbol für den Beginn seines neuen Lebens als Mann.

Huhn oder Brandy als Bezahlung

Mehr als 200 Teenager sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Provinz in den vergangenen 15 Jahren an stümperhaften Beschneidungen gestorben, 90 verloren bei solchen Operationen ihren Penis. "Angesichts der Tatsache, dass sich das auf eine einzige Region konzentriert, ist das eine sehr hohe Zahl", findet Ministeriumssprecher Sizwe Kupelo.

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Vor acht Jahren wurde das Alter für die Beschneidungen gesetzlich auf 18 Jahre heraufgesetzt. Doch noch immer gibt es 15-Jährige, die sich Kurpfuschern anvertrauen. Für ihre Dienste verlangen diese Ärzte gerade mal 100 Rand (neun Euro), oft wird auch eine Flasche Brandy oder ein Huhn als Bezahlung akzeptiert.

Beschneider unzureichend ausgebildet

Laut Kupelo sind diese traditionellen Beschneider das Problem. Vor allem im Busch seien sie unzureichend ausgebildet. Die Beschneidung der Vorhaut werde ohne Betäubung und mit traditionellen, nicht sterilisierten Geräten vorgenommen. "Die Jungen werden erst ins Krankenhaus geschickt, wenn es zu spät ist", klagte der Sprecher. Er beschreibt den Fall eines 16-Jährigen, der im Juni mit Wundbrand ins Krankenhaus gebracht wurde - sein Glied hatte sich nach der Beschneidung entzündet, der Beschneider aber ignorierte es bis zum Schluss; der Penis war nicht mehr zu retten. "Die Mehrheit der Teenager, die ihren Penis amputiert haben mussten, begehen schließlich Selbstmord", warnt Kupelo. "Sie können mit der Scham nicht leben."

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Nach der Operation verbringen die jungen Männer bis zu vier Wochen in den inoffiziellen Beschneidungsschulen im Busch. Während die Wunde heilen soll, werden ihnen die Werte ihres Volkes nahe gebracht. Wer diese Zeit nicht bis zum Ende durchhält oder im Krankenhaus landet, lebt oft mit dem Stigma, kein richtiger Mann zu sein. Manche Jugendliche sterben nach Angaben der Behörden in den Schulen an Unterkühlung, Wassermangel oder ungestillten Blutungen.

Mit Beschneidung HIV bekämpfen

Die Fälle könnten weiter zunehmen, da Südafrika junge Männer zur Zirkumzision ermuntert - Studien zufolge sinkt bei beschnittenen Männern das Risiko, sich mit Aids zu infizieren, um die Hälfte. Das ist in einem Land, das weltweit die meisten Aids-Fälle hat, ein gutes Argument. Zulu-König Goodwill Zwelithini kündigte im Dezember an, er wolle die Praxis unter der größten Volksgruppe Südafrikas wiederbeleben, um die Immunschwächekrankheit zu bekämpfen.

Im November appellierten die Behörden an die Stammesführer der Region, zur Vermeidung von Verstümmelung und Todesfällen bei Beschneidungen zumindest einfachste Regeln zu befolgen - wie die Sterilisierung der Messer.

Quelle: n-tv.de

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