Panorama
Der US-Geheimdienst spekulierte bereits 1944, wie Hitler auf der Flucht aussehen könnte: ohne Bärtchen und Scheitel, aber mit Brille. 1945 wurde das Bild in Deutschland verteilt, weil unklar war, ob Hitler wirklich tot war.
Der US-Geheimdienst spekulierte bereits 1944, wie Hitler auf der Flucht aussehen könnte: ohne Bärtchen und Scheitel, aber mit Brille. 1945 wurde das Bild in Deutschland verteilt, weil unklar war, ob Hitler wirklich tot war.(Foto: Wikimedia / Public Domain)

Hat Hitler den Krieg überlebt?: "Buenas noches, mein Führer"

Von Markus Lippold

Vor 70 Jahren nahm sich Adolf Hitler das Leben. Bis heute wollen das Verschwörungstheoretiker nicht wahr haben. Sie behaupten etwa, dass Hitler nach Südamerika floh. Filme und selbst die "Simpsons" nehmen die Theorien dankend auf.

Am 30. April 1945 gegen 15.30 Uhr setzte Adolf Hitler seinem Leben ein Ende, zusammen mit Eva Braun, die er nur zwei Tage zuvor geheiratet hatte. So zumindest ist die Darstellung in den Geschichtsbüchern. Doch Zweifel daran gibt es fast solange, wie Hitler tot ist. Schließlich hinterließ die befohlene Verbrennung seiner Leiche nur wenige Überreste. Außerdem streute die Sowjetunion bewusst entsprechende Gerüchte.

Titelseite der US-Army-Zeitung "Stars & Stripes" vom 2. Mai, nachdem bekannt geworden war, dass Hitler tot ist.
Titelseite der US-Army-Zeitung "Stars & Stripes" vom 2. Mai, nachdem bekannt geworden war, dass Hitler tot ist.

Zwar hatte bereits Anfang Mai 1945 eine Sondereinheit des sowjetischen Geheimdienstes "Smersch" Hitlers und Brauns Überreste gefunden und identifizieren lassen: den Teil eines Kieferknochens und zwei Zahn-Brücken. Doch im aufkommenden Kalten Krieg verschwieg die Sowjetunion das, um Verwirrung zu stiften.

Auf der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 verkündete Stalin sogar, Hitler habe überlebt und werde von den westlichen Alliierten versteckt gehalten oder sei nach Spanien oder Argentinien geflohen. Die westlichen Geheimdienste reagierten irritiert und gingen selbst auf Spurensuche. Erst Jahrzehnte später wurden die tatsächlichen Ereignisse bekannt - doch aufgrund der Verwirrung wurden sie zunächst nicht für voll genommen.

Neustart in Neuschwabenland

Stalins bewusst verbreitete Falschinformationen werden bis heute von Verschwörungstheoretikern herangezogen, wenn es um den Verbleib Hitlers geht. Sie schlagen die erfolgreiche Identifizierung der Gebissreste und dokumentierte Aussagen von Augenzeugen in den Wind und behaupten, Hitler sei 1945 nicht gestorben.

Bilderserie

Viel zitiert ist etwa die Theorie, Hitler sei wie etliche andere Nazigrößen nach Kriegsende mit einem U-Boot nach Argentinien geflohen und habe sich dort versteckt. Angestachelt wurde diese Spekulation durch die Kapitulation des deutschen U-Boots 530 Mitte 1945 gegenüber den argentinischen Behörden. In unzähligen Büchern wird diese Theorie dargelegt, etwa in "Grey Wolf: The Escape of Adolf Hitler" der Briten Simon Dunstan und Gerrard Williams. Sie behaupten, Hitler habe sich bis in die frühen 60er auf einer Hazienda versteckt. Von Historikern wird dies als absoluter Unsinn bezeichnet.

Doch die Verschwörungstheorie erfreut sich anhaltender Beliebtheit. Das zeigt auch das 2011 publizierte Buch "Hitler überlebte in Argentinien" von Abel Basti und Jan van Helsing, einem rechtsextremen Verschwörungstheoretiker. Das Buch greift nicht nur die Argentinien-Theorie auf, sondern auch das Gerücht, Hitler habe einen Sohn gehabt.

Van Helsing, der eigentlich Jan Udo Holey heißt, vertritt einige Verschwörungstheorien um den Nationalsozialismus. Darunter ist auch jene, die ein weiteres mögliches Fluchtziel von Hitler zum Thema hat: Neuschwabenland. Demnach flohen etliche Nazis und Teile der Wehrmacht nach dem Krieg in diese Region der Antarktis, wo bereits zuvor ein Stützpunkt aufgebaut worden war. Von dort planten sie eine erneute Welteroberung. Folgt man der Theorie, versuchen die USA und Großbritannien seit Jahrzehnten, das Gebiet zu erobern, auch unter Einsatz nuklearer Waffen. Doch die deutschen Truppen halten offenbar stand.

Simpsons und Klone aus Brasilien

Der Trash-Film "Iron Sky" des finnischen Regisseurs Timo Vuorensola treibt diese Theorie ironisch auf die Spitze: In dem Streifen mit Udo Kier haben sich die Nazis nicht etwa in die Antarktis zurückgezogen, sondern auf die dunkle, von der Erde abgewandte Seite des Mondes. Von dort wollen ihre Nachfahren - was sonst - die Erde erobern.

Auch andere Filme oder Serien spielen auf die Verschwörungstheorien an. Eine Szene aus den "Simpsons" hat Hitlers angeblichen Argentinien-Aufenthalt zum Thema: In der Folge "Bart gegen Australien" ruft der Junge zufällige Nummern auf der Südhalbkugel an. Einmal hat er einen Mann an der Leitung, der wie ein gealterter Hitler aussieht. Ein Fahrradfahrer ruft diesem "Buenas noches, mein Führer" zu und streckt die Hand zum Hitlergruß aus.

Gregory Peck in "The Boys From Brazil". Er spielt den nach Südamerika geflohenen KZ-Arzt Josef Mengele.
Gregory Peck in "The Boys From Brazil". Er spielt den nach Südamerika geflohenen KZ-Arzt Josef Mengele.(Foto: imago stock&people)

Ein weiterer Film, der die Verschwörungstheorien um Hitler überzeichnet, ist "The Boys From Brazil" aus dem Jahr 1978. Er entstand nach dem gleichnamigen Roman von Ira Levin. Es geht darin nicht nur um Nationalsozialisten, die sich nach Südamerika abgesetzt haben. Nein, es geht auch um den KZ-Arzt Josef Mengele, der aus Hitlers DNA 94 Klone erzeugt hat, die auf der ganzen Welt aufwachsen. Geht's noch verrückter? Ja! In dem Kinofilm "Madmen of Mandoras" und dem daraus entstandenen Fernsehfilm "They Saved Hitler's Brain" geht es um Hitlers Gehirn, dass von Nazis gerettet und in Südamerika versteckt wird, um später der Welteroberung zu dienen.

Fluchtziel Südamerika

So überzeichnet diese Aspekte auch sind - dass führende Nationalsozialisten nach Kriegsende nach Südamerika flohen, ist historisch belegt. Adolf Eichmann entkam etwa mit Hilfe der katholischen Kirche nach Argentinien, bevor er Anfang der 60er Jahre nach Israel entführt, verurteilt und hingerichtet wurde. Der KZ-Arzt Josef Mengele lebte bis zu seinem Tod 1979 in Argentinien, Paraguay und Brasilien. Etliche weitere Nationalsozialisten tauchten 1945 unter, lebten unter anderen Namen weiter, bauten sich eine neue Existenz auf und blieben mitunter unentdeckt.

Dass Hitler auch nach Südamerika entkam, ist dagegen widerlegt. Auch wenn es in FBI-Akten Dokumente gibt, in denen von Sichtungen Hitlers nach seinem Tod die Rede ist. Vielen Hinweisen wurde nachgegangen, Beweise gab es nie. Verschwörungstheoretiker wird das aber nicht davon abhalten, weiterhin über das Ende des Diktators zu spekulieren.

Übrigens: Erst am 25. Oktober 1956 wurde Adolf Hitler juristisch für tot erklärt. Vorausgegangen war eine ausführliche Untersuchung. Dabei wurden mehr als 40 Zeugen unter Eid befragt, darunter Hitlers Adjutant Otto Günsche und sein Kammerdiener Heinz Linge, die die Leichen Hitlers und Brauns sahen und Zeugen ihrer Verbrennung waren. Sie konnten jedoch erst aussagen, nachdem sie Mitte der 50er Jahre aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft heimgekehrt waren.

Auf Facebook können Sie mitdiskutieren.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen