Panorama
Zusammen mit seinen Leibwächtern nähert sich Bürgermeister Barkat (weißes Hemd) dem Täter: Eine Überwachungskamera zeichnet das Geschehen an der viel befahrenen Kreuzung auf.
Zusammen mit seinen Leibwächtern nähert sich Bürgermeister Barkat (weißes Hemd) dem Täter: Eine Überwachungskamera zeichnet das Geschehen an der viel befahrenen Kreuzung auf.

Messerattentat in Jerusalem: Bürgermeister stoppt Angreifer

Ungewöhnlicher Einsatz für einen kommunalen Amtsträger: Der Bürgermeister von Jerusalem greift bei einem Überfall auf Passanten höchstpersönlich ein und überwältigt mit seinen Leibwächter einen jungen Messerstecher. "Wir sind sofort aus dem Auto gesprungen."

In Jerusalem hat ein junger Palästinenser einen ultraorthodoxen Juden durch Messerstiche verletzt. Der Israeli sei am Bauch verletzt worden, befinde sich aber nicht in Lebensgefahr, teilten die Polizei und die Rettungskräfte mit. Schutz und Hilfe bekam der Angegriffene von prominenter Seite: Der mutmaßliche Täter wurde von Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat persönlich und dessen Leibwächter gestellt.

Ein 18-jähriger Verdächtiger, bei dem es sich um einen illegal in Israel lebenden Palästinenser handele, sei zur Befragung festgenommen worden, teilte die Polizei weiter mit. Den Angaben zufolge ereignete sich der Vorfall zwischen der Altstadt und dem Rathaus von West-Jerusalem. Das Motiv des Angriffs war unklar.

Boulevardblätter nennen ihn Israels neuen "Super Mayor": Bürgermeister Nir Barkat (Archivbild).
Boulevardblätter nennen ihn Israels neuen "Super Mayor": Bürgermeister Nir Barkat (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Bürgermeister Barkat erklärte, er sei gerade in Richtung Rathaus gefahren, als seine Begleiter "einen Terroristen mit einem Messer" gesehen hätten. "Zusammen mit meinem Leibwächter sind wir sofort aus dem Auto gesprungen." Mit seiner Waffe habe der Personenschützer des Politikers auf den Angreifer gezielt. Dieser habe daraufhin sofort das Messer fallen gelassen, hieß es. Sie hätten den Mann festgehalten, bis die Polizei eingetroffen sei.

Ex-Fallschirmjäger plus Leibwächter

Medienberichten zufolge soll Barkat den Verdächtigen zu Boden gerungen haben. Anschließend habe der 55-jährige Politiker dem verletzten Opfer erste Hilfe geleistet. Die "Jerusalem Post" veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera vom Tatort, die den Bürgermeister bei seinem außerdienstlichen Einsatz zeigen.

Barkat amtiert seit 2008 als Bürgermeister Jerusalems. Vor seiner Karriere als Lokalpolitiker hatte er - wie viele israelischen Staatsbürger - eine mehrjährige militärische Ausbildung durchlaufen. Dabei dürfte er auch den Nahkampf ohne Waffen trainiert haben. Barkat diente insgesamt sechs Jahre bei den israelischen Streitkräften, unter anderem als Kompaniechef und Mitglied einer Fallschirmjägereinheit.

Unkontrollierbare Attacken

In den vergangenen Monaten war es in Jerusalem mehrfach zu Messerangriffen auf Israelis gekommen. So hatte im Dezember ein Palästinenser zwei israelische Polizisten in der Altstadt mit einem Messer verletzt. Im Januar wurden dann in einem Bus zwölf Insassen durch Messerstiche von einem Palästinenser verletzt, bevor dieser von einem zufällig anwesenden Gefängnisaufseher durch Schüsse schwer verletzt und so an der Ausübung weiterer Angriffe gehindert wurde.

Für Sicherheitskräfte stellen solche und ähnliche Angriffe eine schwer abzuwehrende Bedrohung dar: Anders als Attacken mit Schusswaffen oder Sprengstoffen sind die Tatmittel kaum zu kontrollieren: Messer und andere als Stichwaffen geeignete sind frei erhältlich. Im vergangenen November hatte der Überfall auf eine Synagoge in Jerusalem weltweit für Aufsehen gesorgt. Damals waren zwei Angreifer unter anderem mit Messern und Äxten auf betende Gläubige losgegangen. Bei dem Anschlag kamen insgesamt sieben Menschen ums Leben, darunter die beiden Attentäter.

Quelle: n-tv.de

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