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Malaysias Transportminister Hishamuddin Hussein mit einer Karte des nördlichen Flugkorridors.
Malaysias Transportminister Hishamuddin Hussein mit einer Karte des nördlichen Flugkorridors.(Foto: AP)

Was geschah mit der Boeing?: Das mysteriöse Verschwinden von MH370

Von Solveig Bach

Eine Boeing 777-200 ist über 60 Meter lang und wird normalerweise im Flug von zahlreichen elektronischen Ortungs- und Überwachungssystemen begleitet. Doch im Fall von MH370, der verschwundenen malaysischen Passagiermaschine, tappen die Ermittler vollkommen im Dunkeln.

Seit unfassbaren neun Tagen fehlt von MH370 und seinen 239 Insassen jede Spur. Das ungeklärte Schicksal des verschollenen Passagierflugzeugs der Malaysia Airlines entwickelt sich langsam zu einem der rätselhaftesten Dramen der Luftfahrtgeschichte.

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Sah zunächst alles nach einem Unglück aus, wuchs mit jedem Tag, der verging, die Ratlosigkeit. Denn trotz einer sofort eingeleiteten Suchaktion fanden sich auf der Flugroute, auf der die Boeing 777-200 von Kuala Lumpur nach Peking unterwegs gewesen sein müsste, keinerlei Trümmer. Aus der zunächst um sich greifenden Gewissheit, dass das Flugzeug hier nicht abgestürzt sein könne, wurde inzwischen, dass es möglicherweise überhaupt nicht abgestürzt ist - oder irgendwo ganz woanders zerschellte.

Aber was ist mit der mehr als 60 Meter langen "Triple Seven" geschehen? Aus verschiedenen Indizien ergibt sich inzwischen als wahrscheinlichste Variante, dass die Maschine entführt wurde. Doch erwiesen ist das nicht. Vor allem, weil bisher nichts von einer Lösegeldforderung oder Hinweise zum Verbleib der Maschine bekannt wurden.

Doch die Liste der unbeantworteten Fragen wird immer länger. Warum setzte die Maschine keinen Notruf ab? Im Fall einer Entführung hätte es auch die Möglichkeit eines stummen Alarms gegeben. Wieso wurden alle Kommunikationssysteme an Bord ausgeschaltet? Wer setzte alle verfügbaren technischen Möglichkeiten der Boeing außer Kraft, die eine Ortung des Flugzeugs ermöglicht hätten? Warum schickte die Crew beinahe eine Viertelstunde nach Abschaltung des "Aircraft Communications Addressing and Reporting System" (ACARS) und des Transponders einen letzten Funkspruch: "Alles klar, gute Nacht."? Malaysian Airlines zufolge sprach Ko-Pilot Fariq Abdul Hamid diese Worte. Hatte er  inzwischen die Kontrolle an Bord?

Unbekannte Passagiere und undeutbare Signale

Die Liste lässt sich beinahe unendlich fortsetzen. Gibt es wirklich keinen Zusammenhang mit den drei Passagieren, die sich mit gestohlenen Pässen an Bord geschmuggelt hatten? Zwei von ihnen wurden als Iraner identifiziert, die mit italienischen und österreichischen Papieren ausgestattet illegal nach Europa einwandern wollten. Was ist aber mit dem dritten Fluggast, der mit dem Pass eines Chinesen reiste?

Woher kam das letzte Ping, das ein Satellit von dem Flugzeug auffing? War die Maschine zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Boden? War sie irgendwo gelandet oder zerschellt? Und was ist mit dem Emergency Local Transmitter, der normalerweise im Fall eines Aufschlags ein Notsignal sendet? Nach Auswertung von Radar- und Satellitendaten gehen die Behörden inzwischen davon aus, dass das Flugzeug von seinem planmäßigen Kurs über das Südchinesische Meer abwich, über die malaysische Halbinsel flog und weiter in nordwestlicher Richtung auf die Andamanensee zusteuerte. Die malaysische Regierung beschrieb zwei mögliche Flugkorridore des verschollenen Passagierjets, die sich von Kasachstan bis zum südlichen Indischen Ozean erstrecken.

An der beispiellosen Suche nach der Boeing 777-200 sind nun rund 25 Länder beteiligt. Unter Berücksichtigung der möglichen Flugdauer könnte die Maschine einem US-Radiosender zufolge auf 634 Landebahnen in 26 verschiedenen Ländern doch noch gelandet sein. Doch wie wahrscheinlich ist die These, dass Flug MH370 mitsamt der 239 Insassen irgendwo gelandet  und anschließend versteckt worden sein könnte? Flugexperten halten es übereinstimmend kaum für möglich, dass eine Boeing 777-200 unentdeckt über hochmilitarisierte Zonen wie die indisch-pakistanische Grenze fliegen könnte.

Unklare Flugmanöver

Und warum wechselte MH370 wiederholt Höhe und Kurs, nachdem der Kontakt mit der Bodenkontrolle abgebrochen war? Wer flog die Maschine zu diesem Zeitpunkt? Haben Flugkapitän Zaharie Ahmad Shah oder sein Copilot Hamid etwas mit den rätselhaften Vorgängen zu tun? Hatte Shah nur deshalb einen Flugsimulator zu Hause, um mit anderen seine Flugleidenschaft zu teilen? Könnte es einen Zusammenhang mit seiner politischen Unterstützung für den malaysischen Oppositionsführer Anwar Ibrahim geben?

Wie wahrscheinlich ist es, dass eines der Crew-Mitglieder das Flugzeug in Selbstmordabsicht in Regionen steuerte, wo das Meer sehr viel tiefer als auf der eigentlichen Flugroute ist? Und warum ist die Informationspolitik der malaysischen Regierung so schlecht, dass viele Details über den Flug erst mit tagelanger Verspätung kommuniziert werden?

Bei Twitter werden seit Tagen immer neue Spekulationen verbreitet. Ein Alien-Angriff gilt dort schon fast als seriöse Option. Aber auch die elektronische Übernahme der Boeing 777-200 vom Boden aus wird inzwischen für möglich gehalten. Und natürlich die Landung in Nordkorea oder wahlweise auf Talibangebiet. Angesichts der vielen offenen Fragen ist bisher nur eines klar: Flug MH 370 ist einer der schwierigsten und mysteriösesten Fälle in der Geschichte der internationalen Luftfahrt.

Von Flug MH370 fehlt jede Spur.
Von Flug MH370 fehlt jede Spur.

Quelle: n-tv.de

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