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Ein Papst, der lacht: Franziskus während der Audienz für die Pressevertreter.
Ein Papst, der lacht: Franziskus während der Audienz für die Pressevertreter.(Foto: REUTERS)

Treffen mit Benedikt XVI. angekündigt: Ein Papst, der lacht

Dem neuen Papst steht eine anstrengende Woche bevor. Doch bei einer Audienz für Journalisten gibt er sich gut gelaunt - und lacht. Gleichzeitig wirbt er für eine arme Kirche, die für Bedürftige da ist und erklärt seine Namenswahl. Der Vatikan gibt derweil bekannt, dass sich Franziskus in einer Woche mit seinem Vorgänger treffen will.

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Der neue Papst Franziskus hat bei einer Audienz im Vatikan Vertreter internationaler Medien empfangen und ihnen für ihre Arbeit gedankt. Medien seien unverzichtbar geworden, um die Ereignisse der Welt zu erzählen, sagte der Argentinier. In den vergangenen Tagen hätten sie viel Arbeit gehabt, fügte er mit Blick auf die aufwühlenden Ereignisse in Rom hinzu.

Gleichzeitig warb Franziskus für eine Kirche für die Bedürftigen. "Wie gern ich eine arme Kirche für die Armen hätte", sagte er. Als seinen Papstnamen habe er Franziskus gewählt, weil der heilige Franz von Assisi "ein Mann der Armut und ein Mann des Friedens" gewesen sei.

Seine Wahl am Mittwoch beschrieb der Papst als emotionalen Moment. Er habe neben dem brasilianischen Kardinal Claudio Hummes gesessen, als seine Wahl verkündet worden sei. "Er umarmte und küsste mich und sagte mir, dass ich die Armen nicht vergessen solle", sagte Franziskus. "Und dieses Wort ging hier hinein", fügte der argentinische Geistliche hinzu und deutete auf seinen Kopf. Er habe daher "sofort an Franz von Assisi gedacht". Dieser habe sich auch dadurch hervorgetan, dass er sich für die Wahrung der Schöpfung eingesetzt habe. "Zurzeit ist unser Verhältnis zur Schöpfung nicht sehr gut", beklagte Franziskus.

Nicht nur in den italienischen Medien war und ist die Papstwahl ein großes Ereignis.
Nicht nur in den italienischen Medien war und ist die Papstwahl ein großes Ereignis.(Foto: dpa)

Bei strahlendem Sonnenschein aber kühlen Temperaturen herrschte ein  Riesenandrang zu der Audienz. Zeitweise warteten Journalisten in einer hunderte Meter langen Schlange auf Einlass. Fragen von Journalisten waren nicht vorgesehen.

An diesem Sonntag spricht Franziskus sein erstes Angelus-Gebet. Dazu werden Zehntausende Gläubige auf dem Petersplatz erwartet. Am Dienstag wird der neue Papst feierlich ins Amt eingeführt. Erste Staatsgäste reisten dafür bereits an. Insgesamt werden Delegationen aus rund 100 Ländern und hunderttausende Pilger erwartet. Die Sicherheitsmaßnahmen in Rom wurden bereits massiv verschärft.

Franziskus trifft Benedikt XVI.

Zu einer spektakulären Begegnung soll es in einer Woche in Castel Gandolfo kommen. Dann will Franziskus seinen Vorgänger Benedikt XVI. treffen, wie der Vatikan ankündigte. Italienische Medien berichteten, Jorge Mario Bergoglio und Joseph Ratzinger wollten in der Papstresidenz bei Rom am kommenden Samstag zum Mittagessen zusammenkommen.

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Franziskus reise dazu mit dem Hubschrauber nach Castel Gandolfo, wo Ratzinger seit seinem Rücktritt als Papst am 28. Februar vorübergehend lebt. Das historische Treffen des neuen und des emeritierten Papstes wird in Rom mit Spannung erwartet. Franziskus würdigte seit seiner Wahl am Mittwoch bereits mehrfach die Verdienste des emeritierten Papstes, noch am Abend seiner Wahl telefonierte er mit seinem Vorgänger.

Zudem will der Papst die Staatschefin seines Heimatlandes Argentinien empfangen. Das Treffen mit Cristina Kirchner finde am Montag in der Casa Santa Marta, der derzeitigen Residenz des Papstes, statt, teilte der Vatikan mit. Die Präsidentin nimmt am nächsten Tag auch an der Messe zur Amtseinführung des Papstes teil. Bislang unterhielt Kirchner eine unterkühlte Beziehung zu dem Geistlichen, unter anderem wegen Differenzen hinsichtlich der Einführung der Homo-Ehe in Argentinien im Jahr 2010.

Krankenbesuch bei einem Kardinal

Bei einem Treffen mit Kardinälen im Vatikan hatte Franziskus am Freitag zu mehr Elan bei der Verkündigung des Christentums und einer Neuevangelisierung "bis in die letzten Enden der Welt" aufgerufen. "Liebe Brüder, los", zitierte ihn Radio Vatikan. Die christliche Wahrheit sei attraktiv, sagte der 76-Jährige bei der Audienz. Zur Überraschung von Ärzten, Krankenschwestern und Besuchern tauchte er am Freitag auch in einem römischen Krankenhaus auf. Franziskus besuchte dort einen 90-jährigen argentinischen Kardinal, der einen Infarkt erlitten hatte.

Auch die Souvenirverkäufer haben sich bereits auf den neuen Papst eingestellt.
Auch die Souvenirverkäufer haben sich bereits auf den neuen Papst eingestellt.(Foto: dapd)

Überschattet wurden Franziskus' erste Auftritte durch die neu entbrannte Debatte über das Verhalten Bergoglios in der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983). Mit ungewöhnlicher Schärfe wies Vatikansprecher Lombardi vor der internationalen Presse Medienberichte über ein angebliches Fehlverhalten zurück. Er sprach von einer verleumderischen und rufschädigenden Kampagne.

Mit Blick auf die Vorwürfe aus der Vergangenheit gegen den frisch gewählten Papst sagte Lombardi, Bergoglio habe seinerzeit viel getan, um Menschen zu schützen. Medienberichten zufolge soll er sich damals nicht hinreichend für zwei Jesuitenpater eingesetzt haben, die monatelang in Haft kamen und gefoltert wurden. In seiner am Freitag in München veröffentlichten schriftlichen Stellungnahme betonte einer der beiden Patres: "Ich bin mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie meinerseits als abgeschlossen."

Archive nicht zugänglich

Erst Jahre nach der Befreiung und nachdem er Argentinien verlassen hatte, sprach Francisco Jalics mit dem zwischenzeitlich zum Erzbischof von Buenos Aires ernannten Bergoglio über die Geschehnisse. "Danach haben wir gemeinsam öffentlich eine Messe gefeiert und wir haben uns feierlich umarmt." Der Pater lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Der andere Pater starb im Jahr 2000 in Uruguay.

Der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel, der sich gegenwärtig in Florenz aufhält, bekräftigte, Bergoglio habe nicht die Diktatur unterstützt. "Viele Bischöfe forderten die Freilassung von Gefangenen, aber die Militärs machten, was sie wollten und nicht, was sie sollten." Mit dem lateinamerikanischen Papst beginne eine neue Ära, sagte Esquivel. Seine Wahl sei ein Zeichnen der Hoffnung für alle. Künftig werde es in der Weltkirche nicht mehr so stark um europäische Angelegenheiten gehen.

Nach Einschätzung von Lateinamerika-Historikern der Universität Münster gibt es derzeit keine schriftlichen Belege über eine Zusammenarbeit von Franziskus mit der Militärdiktatur. Weil Archive nicht zugänglich seien, könne jedoch keine klare Aussage über das Wirken Bergoglios als Chef der argentinischen Jesuiten getroffen werden, sagte die Jesuitenforscherin Antje Schnoor. Ihre Kollegin Barbara Rupflin ergänzte: "Es gibt derzeit kein belastbares Archivmaterial und keine Dokumente, um eine fundierte Einschätzung geben zu können."

Nach Angaben der Wissenschaftlerinnen ist sich die Forschung einig, dass die große Mehrheit der argentinischen Bischöfe keine Gegner der Militärdiktatur gewesen seien. Einige hätten sogar ein sehr gutes Verhältnis mit den Generälen gepflegt, sagte Rupflin. Papst Franziskus sei jedoch in der fraglichen Zeit kein Bischof, sondern als Jesuiten-Provinzial oberster argentinischer Jesuit gewesen. "Es gab viele Jesuiten-Provinziäle, die regimekritische Glaubensbrüder unterstützt haben", sagte Schnoor. "Die politische Situation öffentlich zu kritisieren, war allerdings nicht ihre Aufgabe."

Kardinal Karl Lehmann kritisierte unterdessen indirekt den Umgang mit der "Vatileaks"-Affäre unter Benedikt XVI. Auf die Frage, ob die Kardinäle im Konklave Aufklärung bekommen hätten - auch zu der Affäre -, sagte der Mainzer Bischof dem "Focus": "Teilweise, aber zu Vatileaks am wenigsten, weil Benedikt das Geheimdossier nur dem Nachfolger vorbehalten hat." Einer der Kardinäle, die das Dossier zusammengestellt hatten, habe das bereits bekannte Kommuniqué von Dezember vorgetragen. "Dabei hatte man den Eindruck, wir stellen Fragen, aber niemand beantwortet sie." Bei "Vatileaks" geht es um gestohlene Dokumente und Intrigen im Vatikan.

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Quelle: n-tv.de

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